Solothurn
Unesco Welterbe: «Beste Fasnacht» geht leer aus

Im Gegensatz zur Basler Fasnacht gehört die unsrige nicht zum Welterbe. Mit einer kleinen Ausnahme schaffen es keine Solothurner Traditionen auf die Liste.

Sven Altermatt
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Mit dem Charme des hiesigen Umzugs könnten es die Basler ja ohnehin nicht aufnehmen, so Markus Wälti.

Mit dem Charme des hiesigen Umzugs könnten es die Basler ja ohnehin nicht aufnehmen, so Markus Wälti.

Oliver Menge

Und da soll noch einer behaupten, die Fasnacht sei keine todernste Sache: Das «Lozärner Fasnachtskomitee» ist empört, dass der Bundesrat nur die Basler Fasnacht als Weltkulturerbe vorschlagen will. Die Fasnächtler in Luzern und Solothurn bleiben aussen vor. Zwar stehen auch sie auf der Liste von 167 lebendigen Traditionen in der Schweiz, doch allein die Basler Fasnacht soll von der Unesco zum immateriellen Weltkulturerbe gekürt werden. Die Luzerner Narren finden das völlig unverständlich. Die Zentralschweiz werde benachteiligt, liess sich ein Oberfasnächtler zitieren. In Solothurn sieht man die Sache derweil mit Humor: «Die Basler Fasnacht ist gut», sagt stellvertretend Markus Wälti, «aber unsere ist die beste im Land.» Ein Label brauche man deswegen nicht, witzelt der Ober-Ober der Fasnachtsgesellschaft UNO. Mit dem Charme des hiesigen Umzugs könnten es die Basler ja ohnehin nicht aufnehmen – trotz Tambouren und Pfeifern.

Markus Wälti, Fasnächtler: «Die Basler Fasnacht ist gut, aber unsere ist die beste im Land.»

Markus Wälti, Fasnächtler: «Die Basler Fasnacht ist gut, aber unsere ist die beste im Land.»

Zur Verfügung gestellt

Zückerchen für Solothurn

Ein Signal gegen Gleichmacherei und Globalisierung soll sie sein, ein Bewusstmacher nationaler Eigenheiten. Zur Unesco-Liste des immateriellen Kulturerbes zählen Traditionen, die über Generationen bestehen. 2012 wurde ein Inventar mit 167 Kandidaten aus der Schweiz erstellt – darunter finden sich auch elf Eigenheiten mit Solothurner Wurzeln. Das Uhrmacherhandwerk, das sich Solothurn jedoch mit sieben anderen Kantonen teilt, hat es nun auf die bundesrätliche Shortlist geschafft. Die manuelle Herstellung von Zifferblättern und Präzision seien noch heute die Grundlagen dieses Handwerks, lobt die Landesregierung. «Die Uhrenherstellung hat die Gesellschaft im Jurabogen stark beeinflusst.»

Die sechs Traditionen, die neben der Basler Fasnacht und dem Uhrmacherhandwerk ebenfalls auf der Liste berücksichtigt werden: der Umgang mit Lawinengefahr, die Schweizer Alpsaison, der Jodel, die historischen Prozessionen in Mendrisio, das Winzerfest in Vevey sowie Schweizer Grafikdesign und Typografie. Letztere Tradition geniesst gar nationalen Charakter, auch Solothurn darf sich also ein wenig damit schmücken.

Tradition bereits tot

Der Töfftreff am Hauenstein, die Stäcklibuebe, der Eierleset, die Solothurner Zahl 11, der Grenchner Uhrencup oder eben die Fasnacht: Diese und vier weitere hiesige Traditionen wurden vom Bundesrat nicht berücksichtigt. Trübsal blasen muss deswegen niemand. Denn auch ohne Unesco-Label gehören die Solothurner Traditionen weiterhin zum nationalen Inventar. Die Fasnächtler werden auch nächsten Februar durch die Gassen ziehen, der Töfftreff am Hauenstein boomt und der Elfer-Mythos wird munter gepflegt. Paradoxerweise zeigt die Liste auch, dass selbst Traditionen nicht vor einem jähen Ende gefeit sind. Der Grenchner Uhrencup, 2011 noch als das älteste laufende Fussballturnier Europas gepriesen, wurde im vergangenen Jahr zum vorerst letzten Mal durchgeführt. Das Turnier fiel einem wüsten juristischen Hickhack zum Opfer.

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