Obergericht
Und der Chef war doch auf Sex mit der Putzfrau aus

Eine neue Zeugin bringt einen ehemaligen Mitarbeiter der Spitäler AG zu Fall, der eine Putzfrau zu sexuellen Handlungen gezwungen hat. Er wurde zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten mit bedingtem Vollzug und einer Bewährung auf 2 Jahre verurteilt.

Hans Peter Schläfli
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Sex oder kein Job – eine Putzfrau ist von ihrem damaligen Chef zu sexuellen Handlungen genötigt worden.Symbolbild: OM

Sex oder kein Job – eine Putzfrau ist von ihrem damaligen Chef zu sexuellen Handlungen genötigt worden.Symbolbild: OM

Dieser Gerichtsfall nahm gleich zweimal eine unerwartete Wendung: Vom Amtsgericht Solothurn-Lebern wurde der 62-jährige Chef, der die Notlage einer Putzfrau ausgenützt und sie zu sexuellen Handlungen genötigt hatte, im November 2009 mangels Beweisen noch freigesprochen. Doch dann meldete sich zwischen den zwei Verhandlungstagen der Appellation aufgrund der Berichterstattung in dieser Zeitung ein zweites Opfer.

Darauf wurde der Angeklagte am 14. September 2011 vom Solothurner Obergericht zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten mit bedingtem Vollzug und einer Bewährung auf 2 Jahre verurteilt. Zudem muss er dem Opfer Schadenersatz von rund 5000 Franken und eine Genugtuung von 6000 Franken zahlen, und auch die Verfahrenskosten gehen zu seinen Lasten. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

Notlage ausgenützt

Nach der Scheidung von ihrem Ehemann kehrte Bertha D.*, eingebürgerte Schweizerin, in ihre Heimat nach Südamerika zurück. Aber die schwierigen Lebensumstände und die finanzielle Not bewogen die damals 46-Jährige, sich bei ihrem ehemaligen Arbeitgeber, einem Betrieb der Solothurner Spitäler AG (SoH), zu melden. Tatsächlich verhalf ihr der frühere Chef Stefan Z.* zu einer Anstellung in der Wäscherei. Doch nicht ohne Hintergedanken, wie Bertha D. bald merkte. Wenn er ihr helfe, dann müsse auch sie ihm helfen, habe Stefan Z. gesagt – und sie im Büro an ihrem ersten Arbeitstag im Juni 2006 zu Oralsex gezwungen.

Das Opfer sprach von zwei sexuellen Übergriffen im Büro und einem erzwungenen Geschlechtsverkehr in ihrer Wohnung. «Ich hatte kein Geld und war auf die Stelle angewiesen, damit ich mich für eine neue Wohnung bewerben konnte», erklärte Bertha D. am ersten Verhandlungstermin im Juni 2011. Die sexuellen Handlungen seien aus ihrer Notlage heraus gezwungenermassen erfolgt.

Doch: Es tauchten plötzlich massive Widersprüche in zwei Zeugenaussagen auf. Einer der Vorgesetzten des Angeklagten behauptete, der andere habe ihm rapportiert, dass er Stefan Z. in dessen Büro mit den Hosen in den Kniekehlen erwischt hatte, und die Klägerin sei dort anwesend gewesen. Er legte die datierten Notizen des Gesprächs als Beweismittel vor. So wurde im September ein zweiter Verhandlungstag für eine Gegenüberstellung dieser Zeugen nötig.

Dabei konnte sich der andere Vorgesetzte zwar nicht mehr daran erinnern, je einen solchen Vorfall gesehen oder rapportiert zu haben. Doch die Glaubwürdigkeit des Angeklagten, der alles abstritt, war mit den datierten, handschriftlichen Notizen des Vorfalls massiv in Mitleidenschaft gezogen.Und dann kam noch die neue Zeugin zu Wort, die sich nach der Berichterstattung dieser Zeitung über den ersten Verhandlungstag spontan gemeldet hatte.

Gericht schöpft Strafmass aus

Die neue Zeugin erzählte glaubhaft, wie sie während der Arbeit ebenfalls mehrfach vom Stefan Z. sexuell bedrängt und gegen ihren Willen angefasst worden ist. Damit waren die letzten Zweifel an der Schuld des Angeklagten beseitigt. Und diese wurde als schwer eingestuft: Mit dem Strafmass von 24 Monaten ging das Gericht an die absolut oberste Grenze, die dem mittlerweile pensionierten, ansonsten unbescholtenen Mann gerade noch den bedingten Strafvollzug ermöglichte.

*Name von der Redaktion geändert

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