Benevol

Unbezahlt und unbezahlbar: Fachstelle wirbt für Freiwilligenarbeit

Auch das ist Freiwilligenarbeit: Mit dem Hund im Alterszentrum die Menschen besuchen.

Freiwilligenarbeit kommt aus der Mode? Mit einem «Marktplatz für Freiwilligenarbeit» will die Fachstelle Benevol am Dienstag in Solothurn das Gegenteil zeigen.

Pfadi leiten, die Nachbarskatze füttern, an einem Turnerfest servieren – ohne es wirklich zu realisieren, leistet fast jeder Schweizer Bürger hin und wieder Freiwilligenarbeit. Diese wird meist als selbstverständlich empfunden und ist aus vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens nicht wegzudenken. «Das freiwillige Engagement, das auch als soziales Kapital bezeichnet wird, hält unsere Gesellschaft zusammen», sagt Rosmarie Wyss als Geschäftsleiterin der kantonalen Fachstelle für Freiwilligenarbeit Benevol Solothurn.

Gründe dafür sieht Wyss gleich zwei: das schweizerische Milizsystem sowie das wichtige Vereinswesen, das fast vollständig auf zivilgesellschaftlichem Engagement basiert. «Ohne dieses Engagement fänden kein Schwingerfest, keine Abendunterhaltung oder Olympische Spiele mehr statt», führt Wyss vor Augen. Höchste Zeit also, um den momentan 614 im Kanton Solothurn registrierten Freiwilligen zu danken.

«Marktplatz» mit 27 Anbietern

Das findet auch die Fachstelle Benevol, die am kommenden Dienstag, 5. Dezember, anlässlich des Internationalen Tages der Freiwilligenarbeit im Solothurner Alten Spital einen sogenannten «Marktplatz Freiwilligenarbeit» veranstaltet. Wie auf einem richtigen Markt können die Besucher von einem Stand zum nächsten flanieren. Einziger Unterschied: Statt für frische Lebensmittel wird vonseiten der 27 vertretenen Organisationen für ihre vielseitigen Angebote in der Freiwilligenarbeit geworben.

«Zwanglos» und «unverbindlich» lauten die Stichworte, die sowohl Wyss als auch ihrer Stellvertreterin Fabienne Besmer wichtig sind. «Es ist ein offener Anlass. Die Leute können vorbeikommen und schauen, was es überhaupt alles so gibt. Dazwischen gibt es noch ein Kabarett und Interviews», fasst Wyss zusammen. Das engagierte Duo Strohmann-Kauz übernimmt am kommenden Dienstag die Aufgabe des eben erwähnten Kabaretts, während sechs aktive Freiwillige in moderierten Gesprächen über ihre Motivation und Erfahrungen berichten.

Immer weniger Freiwillige

«Die Selbstverständlichkeit wird weniger selbstverständlich», sagt Besmer und meint damit den langsamen, aber kontinuierlichen Rückgang in der Freiwilligenarbeit. Diese Entwicklung führt Wyss auf die gesellschaftlichen Veränderungen zurück. Einerseits seien die Leute heute stärker ins Berufsleben eingebunden als früher und andererseits habe ein Bedürfniswandel stattgefunden. «Man will Verpflichtungen nur noch in einem klar abgesteckten zeitlichen Rahmen eingehen», weiss Geschäftsführerin Wyss.

Angesichts der schwindenden Zahl der Freiwilligen sei es daher umso wichtiger, im Sinne der Nachhaltigkeit für Nachschub zu sorgen, unterstreicht Besmer. Die «Wohlstandsbabyboomer» der Jahrgänge 1955 bis 1964 werden dabei zu den Hoffnungsträgern: Diese Generation werde nicht nur in den kommenden Jahren pensioniert, sondern verfüge auch über ein grosses Potenzial an Fähigkeiten, Kompetenzen und Ressourcen, betont Wyss die Vorteile ihrer eigenen Generation.

«Allerdings kommen diese Leute nicht einfach angelaufen, wenn man ihnen winkt. Man muss ihnen etwas bieten können», stellt die Geschäftsleiterin sogleich klar. Es gelte die Vielfalt sowie die eigene Zweckdienlichkeit der Freiwilligenarbeit hervorzuheben, denn «manchmal ist das Image der Freiwilligenarbeit so ein Gutmenschen-Image», konstatiert Wyss trocken. Dieses Bild entspreche jedoch nicht ganz der Wahrheit. Der Freiwillige selbst profitiere nämlich oft am meisten von der geleisteten Arbeit, argumentiert Wyss. «Mein ganzes soziales Netzwerk besteht aus Kontakten, die ich durch meine freiwilligen Engagements knüpfen konnte, und das ist eine unbezahlbare Bereicherung für mich.»

«Marktplatz für Freiwilligenarbeit»: Dienstag, 5. Dezember, 16 bis 20.30 Uhr im Alten Spital Solothurn.

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