Amtsgericht Olten-Gösgen
Unabsichtliche Verletzung ausgeschlossen: Für Oli Q. gibt es keine Strafmilderung

Oli Q. stand vor Gericht, weil er vorsätzlich versucht haben soll, einen Mann mit einem Messerstich zu töten. Die Richter verurteilen ihn zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und 170 Tagen.

Kelly Spielmann
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Im Dezember 2012 ist es auf der Herrentoilette des London-Pubs in Olten zu einer verbalen Auseinandersetzung und dem Messerstich gekommen.

Im Dezember 2012 ist es auf der Herrentoilette des London-Pubs in Olten zu einer verbalen Auseinandersetzung und dem Messerstich gekommen.

Bruno Kissling

Der Kopf des Angeklagten Oli Q. sank immer tiefer, als Amtsgerichtspräsidentin Barbara Hunkeler am Mittwoch ihr Urteil verkündete. Der 36-Jährige erhält eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und 170 Tagen für versuchte vorsätzliche Tötung, Hausfriedensbruch sowie mehrfache Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz.

Die Verfahren gegen Oli Q. wegen mehrfacher Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes und mehrfacher Beschimpfung wurden eingestellt. Als Genugtuung für den Geschädigten muss der Beschuldigte 5000 Franken bezahlen.

Staatsanwältin Stefanie Humm hatte an der Gerichtsverhandlung vom Dienstag eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren gefordert, während der Verteidiger, Severin Bellwald, auf eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten plädierte. Seine Begründung war, dass sein Mandant aufgrund seiner Minderintelligenz nur teilweise schuldfähig sei. Ausserdem bestand der Beschuldigte während der ganzen Verhandlung darauf, die Stichverletzung, welche tödlich hätte enden können, nicht absichtlich begangen zu haben.

Wie Barbara Hunkeler erklärte, treffe die verminderte Schuldfähigkeit durch die Minderintelligenz bloss auf die versuchte vorsätzliche Tötung zu, nicht auf den Hausfriedensbruch und das mehrfache Verstossen gegen das Betäubungsmittelgesetz. Sie hielt es auch nicht für möglich, dass die Stichverletzung unabsichtlich erfolgt sei.

Gründe dafür listete Barbara Hunkeler mehrere auf: «Die Stichverletzung wurde mit einer so grossen Wucht zugefügt, dass dabei eine Rippe brach. Hätte der Beschuldigte mit dem Messer gefuchtelt und dem Geschädigten dabei aus Versehen eine Verletzung zugefügt, wäre die Verletzung weiter oben gewesen. Hätte er das Messer in der Hand gehalten und der Geschädigte wäre in das Messer gelaufen, wie der Beschuldigte mehrmals behauptete, wäre die Verletzung weiter unten gewesen.» So sei es ausgeschlossen, dass Oli Q. sein Opfer unabsichtlich im dynamischen Geschehen verletzt habe.

Zum Schluss erklärte Hunkeler, dass die Strafe den Beschuldigten weder aus einer beruflichen noch aus einer familiären Situation reissen würde. Denn: «Er hat keine familiären Pflichten, welchen er nachkommt, und keine feste Anstellung», so die Amtsgerichtspräsidentin. Auch die Tatsache, dass der 36-Jährige während des Verfahrens Straftaten beging und seinen Drogenkonsum fortsetzte, wurde nicht als strafmildernd beurteilt.

Die Gerichtskosten von 37'075 Franken trägt vorerst der Staat. Falls der Beschuldigte während der nächsten zehn Jahre wirtschaftlich in der Lage sein sollte zu bezahlen, wird er dies tun müssen.