Neumitgliedern

Umweltorganisationen und Parteien mit grünen Anliegen profitieren bisher kaum von Klimadiskussion

Sie sind die Wählerinnen und Wähler von morgen: Teilnehmende des Schülerstreiks für das Klima in Solothurn.

Trotz Demonstrationen und Diskussionen über den Klimaschutz: Grüne, GLP, Pro Natura und WWF im Kanton Solothurn erfahren derzeit keinen Ansturm von Neumitgliedern.

Alle sprechen vom Klima, Tausende Jugendliche streiken für die Umwelt: Da müssten doch Umweltorganisationen und Parteien mit grünen Anliegen nur so überrannt werden von neuen Mitgliedern. Doch die Realität sieht anders aus: Weder bei GLP und Grünen noch bei Pro Natura und WWF verzeichnet man einen Ansturm neuer Mitglieder.

«Ich hoffe sehr, dass eine echte Bewegung der Jungen entsteht, die sich mit der (Um-)Welt befasst und sich gegen deren Zerstörung wehrt», erklärt Georg Aemisegger. Denn dann, so der Präsident der Solothurner Grünliberalen, bestehe die Aussicht, dass dieser Schub «auch auf das (Abstimmungs-)Verhalten älterer Generationen abfärbt». Zwar konnten die Grünliberalen bisher keinen Mitgliederzuwachs verzeichnen, doch hofft Aemisegger doch darauf, dass «auch im Kanton Solothurn eine Meinungsänderung im Umweltbereich in Gang kommt». Er könne die jungen Menschen jedenfalls «nur ermuntern, konsequent weiterzumachen».

«Junge fordern Taten – statt Worte»

Ähnliche Hoffnungen hat auch die Kantonalpräsidentin der Grünen, Laura Gantenbein: «Das Engagement der jungen Menschen zeigt deutlich, dass diese Generation sich für ihre Zukunft einsetzt, dass sie Lösungen sucht und deren Umsetzung fordert. Dies sowohl beim eigenen Handeln als auch auf übergeordneten Ebenen.» Dies werde, so hofft Gantenbein, «zu gesamtgesellschaftlichen Veränderungen zugunsten der Umwelt und des Klimas führen». Sie fordert, dass «die Politik, auch jene des Kantons Solothurn, auf die Anliegen der jugendlichen Demonstranten eingeht und wirksame Massnahmen ergreift, damit das verbindliche Klimaziel von Paris erreicht werden kann».

Als konkretes Beispiel für den Handlungsbedarf auf kantonaler Ebene nennt die Grünen-Präsidentin die Revision des Energiegesetzes. «Die jungen Menschen fordern Taten statt nur leerer Worte und sind durchaus auch bereit, ihren Anteil an die Lösung der Probleme zu leisten.» Im Gegensatz zu den Grünliberalen verzeichnen die Grünen und die Jungen Grünen des Kantons immerhin einen Mitgliederzuwachs von 5 Personen.

Zuwachs beim WWF

«Wir konnten soeben die Anmeldung eines neuen Mitglieds registrieren», freut sich Ariane Hausammann, Geschäftsführerin von Pro Natura Kanton Solothurn. Ob diese Neumitgliedschaft im Zusammenhang stehe mit den aktuellen Diskussionen, kann Hausammann allerdings nicht sagen: «Jedenfalls haben wir sonst eigentlich keinen Effekt gemerkt.» Das könne auch daran liegen, dass sich Pro Natura primär mit dem Naturschutz vor Ort befasse, während die Klimapolitik eher auf übergeordneter Ebene behandelt werde. Und: Das Klima sei «eher ein Thema des WWF», so die Pro-Natura-Sprecherin.

Und wie sieht es bei besagtem WWF tatsächlich aus? Stehen wenigstens dort die Neumitglieder Schlange? «Der WWF Solothurn konnte in den letzten zwei Jahren über 70 neue Freiwillige begrüssen», verweist Nora Hungerbühler darauf, dass der Klimaschutz für den WWF kein neues Thema sei. Die stellvertretende Geschäftsleiterin weiter: «Viele Menschen melden sich bei uns, die sich um unsere Umwelt sorgen und sich für eine intakte Natur und Umwelt einsetzen wollen.» Der WWF verlangt gemäss Hungerbühler deshalb mit Nachdruck eine griffige Klimapolitik, «wie sie nun bei der Beratung des neuen CO2-Gesetzes vom Ständerat gefordert ist». Die Schülerstreiks würden hoffentlich dabei «helfen, die Dringlichkeit griffiger Massnahmen vor Augen zu führen».

Neuer Anlauf für Energiegesetz

Die aktuelle Jugendbewegung werde national und regional Auswirkungen auf die Politik haben, zeigt sich die stellvertretende WWF-Geschäftsführerin auch mit Blick auf das Wahljahr 2019 überzeugt. Darüber hinaus sei der Kanton Solothurn ganz konkret und zusätzlich gefordert: «Es ist zu hoffen, dass er bald einen neuen Anlauf beim kantonalen Energiegesetz nimmt. Wir brauchen neue, politische Rahmenbedingungen, welche uns eine moderne und lebenswerte Zukunft sichern.»

Die Auflehnung der Jungen sei auf jeden Fall «bewusstseinsbildend», blickt Hungerbühler in die Zukunft. Tatsächlich: Die jungen Demonstranten werden älter und vergessen vielleicht auch als künftige Stimm- und Wahlberechtigte nicht, wofür sie einst auf die Strasse gegangen sind …

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Autor

Urs Mathys

Urs Mathys

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