Solothurner Aare

Umstrittenes Verbot für Stand Up Paddles: Was klar ist - und was nicht

Aufrecht daherkommende Menschen werden von den Vögeln als Gefahr eingestuft. (Symbolbild)

Aufrecht daherkommende Menschen werden von den Vögeln als Gefahr eingestuft. (Symbolbild)

Seit Mitte September ist Stand Up Paddeln auf zwei Abschnitten der Solothurner Aare verboten. Dieser Entschluss des Kantons hat heftige Reaktionen ausgelöst - und innerhalb der Diskussionen für offene Fragen gesorgt. Eine Übersicht zum Stand der Dinge.

Um was geht es?

Diese Woche hat der Kanton Solothurn über ein Stand Up Paddle Verbot informiert. Das ganze Jahr über sind auf der Strecke Lüsslingen-Solothurn und Feldbrunnen-Flumenthal Stand Up Paddles verboten.

Stand Up Paddle Verbot auf der Aare: Die Karte zeigt, wo sich das Schutzgebiet befindet (rot markiert)

Stand Up Paddle Verbot auf der Aare: Die Karte zeigt, wo sich das Schutzgebiet befindet (rot markiert)

Was ist der Hintergrund?

 Seit 2001 sind die beiden erwähnten Strecken als «Wasser- und Zugvogelreservat» von nationaler Bedeutung eingestuft. Seit 2015 sind «Drachensegelbretter und ähnliche Geräte» in solchen Schutzzonen verboten. Unter «ähnliche Geräte» stuft das Bundesamt für Umwelt nun auch Stand Up Paddle ein, das hat der Kanton Mitte September dann kommuniziert.

Warum jetzt?

Die Schutzzonen gibt es wie gesagt schon länger. Das Augenmerk auf den SUPS hat man noch nicht so lange. 2020 etwa haben aber die Schweizerische Vogelwarte, der Schweizerische Kanu-Verband,  Pro Natura, die Jagd- und Fischereiverwalter-Konferenz und das Bundesamt für Umwelt ein Merkblatt herausgegeben. Dort wird empfohlen, das Paddeln in Wasser- und Zugvogelreservaten zu unterlassen. Das ist noch keine gesetzliche Grundlage für ein Verbot, macht aber sicher auf das Thema aufmerksam. Zudem: Der Vermieterin von SUPS auf der Aare, der Emmenpark AG, hat der Kanton eine Sonderbewilligung erteilt, um zumindest im Sommer 2020 ihre Ware vermieten zu können. Nach Saisonschluss, Mitte September, kam dann das Verbot offiziell.

Und wenn man doch paddelt?

Dann macht man sich strafbar. Was genau einem blüht, ist aber noch unklar. Auf Anfrage heisst es bei der Kantonspolizei Solothun, man sei mit den zuständigen Ämtern in Kontakt, um das weitere Vorgehen zu besprechen, Details festzulegen.  

Warum wird jetzt auch über das Jagdgesetz diskutiert?

Hohe Wellen schlägt das Thema auch, weil das Verbot so kurz vor den Abstimmungen über das Jagdgesetz vom 27. September kommt. Zwar führt das eine Annahme des Jagdgesetzes nicht, wie im Vorfeld auch schon behauptet, zu einem Verbot von SUPS. Zwar soll in der Verordnung nebst «Drachensegelbretter und ähnliche Geräte» wortwörtlich auch das SUP aufgenommen werden – die Grundlagen zum Verbot gibt es aber, wie das Beispiel Solothurn zeigt, schon länger. Dem Kanton wird jedoch vorgeworfen, mit dem Verbot eine Annahme des Gesetzes erzwingen zu wollen, weil der zuständige Jagd- und Fischereiverwalter erwähnte, der Kanton könne sich vorstellen, das Verbot künftig zu lockern – diese Kompetenz erhielten die Kantone bei Annahme des Jagdgesetzes. Dem widersprechen die Gegenerinnen und Gegner des Jagdgesetzes. Sie betonen, eine Annahme hätte keine direkte Auswirkung auf SUPS.

Warum geht es eigentlich nur um SUPS - und nicht auch um Motorboote?

Auch Mediensprecher Michael Schaad von der Vogelwarte Sempach spricht davon, dass es Unsicherheiten gab bei den Kantonen, bezüglich Stand Up Paddles in den Wasser- und Zugvogelreservaten, wegen der unklaren Formulierung. Aus biologischer Sicht mache ein Verbot, wie es der Kanton Solothurn nun kommuniziere, aber Sinn: «Das Gemeine bei den Stand Up Paddles ist, dass wir Menschen das ganz anders wahrnehmen, als etwa Vögel: Für uns ist das Paddeln etwas ruhiges, entschleunigendes.» Für Vögel sei das aber eben ganz anders: «Auf aufrechte Silhouetten reagieren die Vögel schon über weite Distanzen sofort.» Und das sei in den Schutzzonen gefährlich: «Im Winter brauchen die Vögel ruhe und im Spätsommer ist es wichtig, dass die Vögel in den Schutzzonen ihre Federn wechseln können.» Bei diesem Prozess sollen sie nicht gestört werden – gerade in Reservaten, die zum Schutz der Vögel geschaffen worden seien. Der kantonale Jagd- und Fischereiverwalter erklärte zudem, lärmige Motorboote würden die Vögel nicht als Gefahr wahrnehmen; beim Krach wüssten sie bereits, dass ihnen nichts passiere. Aufgeschreckt würden sie aber von der aufrechten Silhouette des Menschen - der eine Gefahr bedeutet - die quasi lautlos über das Wasser gleitet. Diese Argumentation wird aber auch kritisiert: Einerseits wird stark hinterfragt, wie es sein kann, dass ins Verbot nicht auch andere Wassersportgeräte aufgenommen worden sind. Vor allem bei den ebenfalls leisen Ruderbooten war das Thema. Dazu verweist der Mediensprecher der Vogelwarte auf eine Publikation (Bull, m. & t. rödl: Stand Up Paddling: Eine neue Trendsportart als Problem für Wasservögel?), laut welcher Vögel auf sich nähernde Ruderboote meistens schwimmend oder tauchend ausweichen - im Gegensatz zu SUPS, wo sie offenbar eher auffliegen.

Wie handhaben es andere Kantone? 

Eine Übersicht darüber, wie es Kantone mit Stand Up Paddles in Schutzgebieten halten, gibt es nicht. Laut Michael Schaad von der Vogelwarte Sempach gibt es aber Kantone, in in denen SUPS in Wasser- und Zugvogelreservaten seit längerem verboten sind, so beispielsweise im Kanton Waadt.

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