Die Einführung einer Frauenquote, wie vom Bundesrat in seiner aktuellen Gesetzesvorlage zur Revision des Aktienrechts vorgeschlagen, ist ein Zwang und stellt einen Eingriff in die unternehmerische Freiheit dar. Wirksame Anreize, damit Frauen im Erwerbsleben bleiben und Beruf und Familie unter einen Hut bringen können, lassen sich mit keiner Quote erreichen.

Wirklich wirksame Anreize sehen anders aus: Mittagstische, Nachmittagsbetreuung oder Aufgabenhilfe. Gerade in den ländlichen Regionen sind aber solche schulergänzenden Tagesstrukturen noch schlecht vertreten. Kinderkrippen hingegen sind gemäss einem aktuellen Bericht von der Ecoplan im Auftrag des Amtes für soziale Sicherheit inzwischen sehr gut etabliert.

Die Betreuungsplätze im Kanton Solothurn sind seit 2002 von 648 auf 1239 im Jahr 2015 angestiegen. Sie decken das Bedürfnis von Wirtschaft und Gesellschaft aber nur zu einem Teil ab. Tagesschulen oder schulergänzende Strukturen sind nach wie vor eine Seltenheit, finden sie sich doch einzig in den Städten und grösseren Gemeinden.

Nicht auszublenden ist die Tatsache, dass gut ausgebildete Frauen in den ersten Jahren mit Kindern sehr bewusst die Entscheidung treffen, eine Weile auf die Berufstätigkeit zu verzichten. Umso wichtiger sind die Möglichkeiten eines Widereinstiegs nach einer Mutterschaftspause – hier ist vor allem die Wirtschaft gefordert.

Im Kanton Solothurn ist die Kinderbetreuung ein kommunales Leistungsfeld. Der Kanton verfügt nur über beschränkte Steuerungsmöglichkeiten. «Um ein Kind grosszuziehen, braucht es ein ganzes Dorf» - das afrikanische Sprichwort kann in diesem Zusammenhang zweckentfremdet werden. Die Etablierung von Strukturen in den Gemeinden hängt jedoch im Wesentlichen von den verfügbaren Mitteln, dem politischen Willen und der Akzeptanz in der Bevölkerung ab.

Die Zusammensetzung der kommunalen Exekutivpolitiker entscheidet massgeblich darüber, ob neue Infrastrukturen und Angebote geschaffen werden. Frauen, aber auch junge Väter sind immer noch unterdurchschnittlich vertreten in unseren Gemeinderäten. Die politische Hauptinteressensvertretung liegt deshalb oftmals bei anderen Themen.

Der Aufruf, dass junge Eltern mehr in der Kommunalpolitik mitwirken sollen, greift zu kurz. Ist schon die Vereinbarkeit von Beruf und Familie schwierig, wie denn auch noch ein politisches Amt unter einen Hut zu bringen?

Ein sinnvolles Instrument zur staatlichen Förderung von familienergänzenden Kinderbetreuung stellen sogenannte Betreuungsgutscheine dar. Damit werden Eltern direkt unterstützt, dies im Unterschied zur herkömmlichen Subventionierung der Einrichtungen. Davon könnten Eltern, Gemeinden und Wirtschaft profitieren. Die Gemeinde Oensingen hat dieses Modell bereits 2013 erfolgreich eingeführt.

Die Wirtschaft, von der die Nachfrage nach Arbeitskräften ausgeht, kann und sollte dabei finanzielle Unterstützung bieten. Die Gemeinden könnten durch Gelder aus der Wirtschaft finanziell entlastet werden. Zudem zahlen sich die Angebote aufgrund der steigenden Attraktivität für die Wohngemeinde aus. Die Wertschöpfung wird durch die steigenden Steuereinnahmen generiert.