Die Ausgestaltung der neuen Justizvollzugsanstalt JVA Schachen in Deitingen mit künstlerischem Schmuck hat im Vorfeld eine breite Polemik ausgelöst. Sicher mit ein Grund, warum am gestrigen obligatorischen Ortstermin für Künstler, die am Wettbewerb für diesen Schmuck mitmachen wollen, so grosses Interesse zu erkennen war.

Über 50 Kunstschaffende, vom Maler über den Fotografen bis zum Plastiker oder Konzeptkünstler, waren gekommen. Der aussergewöhnliche Auftrag und die 180 000 Franken, die für die Kunst zur Verfügung stehen, machen wohl zusätzlich Lust, sich dieser Aufgabe zu stellen.

Zunächst wurden weisse Bauhelme verteilt, und dann gings Richtung Eingang. Eigentlich ein schöner moderner Betonbau mit viel Glas, wie er heute überall zu sehen ist, könnte man beim ersten Blick glauben. Und doch: Es ist ein Gefängnis, überall hohe Drahtgitter und Stacheldraht. Man durchstreift lange, noch karge Gänge, an denen sich Ein-Mann-Zelle an Ein-Mann-Zelle reihen, dazwischen ein Lichthof, kleinere und grössere Gruppenräume, Büros, ein Trainingsraum, ein Bildungsraum. Alles in grauem Beton von höchster Qualität – das erkennt sogar ein Laie.

Ein zweiter Besichtigungstermin

Cäsar Eberlin, Vorsteher des Amtes für Kultur und gleichzeitig Jurypräsident für den Wettbewerb, begrüsste die Kunstschaffenden im sogenannten Werkstattraum. Er stellte seine Jurykollegen kurz vor: David Brunner, Vertreter des Kantonalen Hochbauamtes, Michel Egger, Vertreter des Architektenteams, Paul Loosli, Direktor des Therapiezentrums Schachen, Norbert Eggenschwiler und Alain Gantenbein als Vertreter des kantonalen Kuratoriums für Kulturförderung.

Sinnierend durch die Gänge – wo und wie ist hier Kunst sinnvoll?

Sinnierend durch die Gänge – wo und wie ist hier Kunst sinnvoll?

Ein weiteres Jurymitglied, Thomas Woodtli, war ferienhalber abwesend. Eberlin erklärte, dass man beschlossen habe, einen weiteren Besichtigungstermin durchzuführen, nämlich am Mittwoch, 30. Oktober um 10 Uhr. Es könne für die interessierten Künstler nützlich sein, die Räume nochmals zu besichtigen. Architekt Michel Egger informierte über die Materialbeschaffenheit und das Farbkonzept in der JVA und bezeichnete zusammen mit Franz Ackermann, Sicherheitschef der Strafanstalt Schöngrün, beim Rundgang jeweils die Räume, die mit künstlerischem Schmuck ausgestattet werden können.

Es sind dies die Treppenhäuser, die Lichtschächte, die Wohngruppenräume, die Gänge, eine Terrasse, der Spazierhof und ein Teil des Aussengeländes. Die Kunstschaffenden stellten diverse Fragen und man konnte erkennen, dass es keine leichte Aufgabe zu bewältigen gilt. Vor allem die nicht ständige Zugänglichkeit des Objektes stellt eine Herausforderung dar.

Ehrgeiziger Terminplan

Der Terminplan für die Kunst am Bau im Schachen ist ehrgeizig. Im Januar wird die ausgewählte Kunst bekannt gegeben, um in den Monaten Februar bis April 2014 installiert werden zu können.

Die Bevölkerung soll im Mai anlässlich eines Besuchstages dann die fertige JVA besichtigen können, samt künstlerischen Schmuck. Architekt Egger erinnerte die Künstler daran, dass es wichtig sei, für das Gefängnis ein Gefühl zu bekommen. Und Ackermann erinnerte: «Kunst, die ein Risiko darstellt, käme nicht infrage.»