Wirtschaftsapéro
Überholt werden oder mithalten, das ist hier die Frage

Anpassung oder Untergang – die Digitalisierung in der Wirtschaftswelt. Das war Thema am 7. Wirtschaftsapéro in Balsthal.

Philipp Eng
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Am Wirtschaftsapéro dabei (v.l.): Vinzenz Schmid (SRG), Volkswirtschaftsdirektorin Esther Gassler und Reto Baumgartner (MySign). Bruno Kissling

Am Wirtschaftsapéro dabei (v.l.): Vinzenz Schmid (SRG), Volkswirtschaftsdirektorin Esther Gassler und Reto Baumgartner (MySign). Bruno Kissling

Bruno Kissling

«Handy und Computer bestimmen unseren Alltag – das Smartphone ist ein ständiger Begleiter», eröffnet die Vorsteherin des Solothurner Volkswirtschaftsdepartements Esther Gassler den 7. Wirtschaftsapéro in Balsthal. Der Event stand ganz im Zeichen der rasant fortschreitenden Digitalisierung, die vor keiner Branche Halt mache und längst auch Einzug in der Wirtschaftswelt halte. So hält auch Moderator Patrick Bussmann einleitend fest: «Die Digitalisierung wird die Branchen in Gewinner und Verlierer spalten.»

Als Verlierer würde sich Vinzenz Schmid als Vertreter der SRG nicht bezeichnen. Doch vermochte er mit ein wenig Ironie, aber auch Selbstkritik aufzuzeigen, wo Potenzial für ein öffentlich-rechtliches Fernsehen besteht und wo sich allenfalls auch Chancen ergeben könnten, mit den Marktleadern im Unterhaltungsbereich Schritt zu halten.

Eine markante Veränderung, die sich auf die zunehmende Digitalisierung zurückführen lasse, seien gemäss Schmid primär die Gratisangebote, mit welchen sich die Leute via Smartphone bereits kurz nach dem Zeitpunkt des Geschehens aufdatieren lassen können: «Ein Fussballspiel, dessen Resultat man schon seit Stunden kennt, dann am Abend noch am Fernseher zu sehen, ist auch nicht gerade lustig.» Lediglich bei Events, die der Schweizer live übertragen sehen will, könne die SRG wirklich noch mithalten, so Schmid.

SRG «immer mehr unter Druck»

«Durch Spezialsender, die nur ein bestimmtes Unterhaltungsgebiet anbieten» und individuelle Bedürfnisse besser abdecken, komme ein Unternehmen wie die SRG unter immer grösseren marktwirtschaftlichen Druck. Gleichzeitig nehme auch der Druck aus der Politik stetig zu, die Finanzen würden gleichzeitig kleiner und öffentliche Medien müssten vielleicht bald grundlegend hinterfragt werden.

Die SRG sieht jedoch angesichts anderer Medienunternehmen im internationalen Vergleich auch Chancen, mit der Digitalisierung mitzuhalten: «AJ+» (Al Jazeera Media Network) beispielsweise habe die Zeichen der Zeit erkannt und sei auf primär Smartphone-kompatible Videos umgestiegen, die «geliked» «geshared» und kommentiert werden können. Dadurch seien Zielpublikum sowie die Publicity enorm gesteigert worden. Als weitere Beispiele nennt er «Let’s play», wobei Menschen anderen Menschen beim Videospielen zusehen. «Periscope» oder «YouNow» sind Plattformen, die es ermöglichen, live zu streamen, was man gerade mache. Oder auch die Entwicklung des ehemals ausschliesslichen Medienunternehmens der «New York Times», das mit der sogenannten «Virtual Reality» mittels Sichtgeräten und einem Smartphone eine 3-D-Welt gestaltet, mit welcher die Emotionen des Betrachters viel stärker geweckt werden können als mit einem Bild auf weissem Papier.

An alten Konzepten festgehalten

«Viele grosse Unternehmen halten zu lange an ihrem bewährten Konzept fest oder hoffen, dass die Digitalisierung bei ihnen nicht Einzug halten wird», rügt Reto Baumgartner von «MySign» viele Unternehmensstrategien weltweit. So habe auch die Kleiderbranche auf die Kunden gehofft, die das Shoppen im Laden vorziehen würden – «und dann kam Zalando, ein Online-Warenhaus, welches das Konzept von Grund auf veränderte».

Vinzenz Schmid fand jedoch, dass die Schweizer Unternehmen den Anschluss noch nicht verpasst hätten. Gerade durch die «kleinen Distanzen ist der Einkauf und das Treffen von Freunden» auch offline noch sehr einfach. Daher sei der Druck auf die Schweizer Unternehmen noch etwas kleiner. Dennoch verlangt Baumann von den Unternehmen Mut: Mut, die digitale Welt kennen zu lernen und sie zum eigenen Vorteil zu nutzen. Die Zeit der Digitalisierung sei da, entweder man passe sich an, oder man gehe unter.

Nach der Frage, wie unsere Gesellschaft mit der Digitalisierung umzugehen habe, wurde klar, dass sich sowohl das Bildungssystem, wie auch die Verwaltung der heutigen Zeit anzupassen hätten. Einträge ins Handelsregister müssten von jedem Computer aus machbar sein, und in der Bildung müsse ein gutes digitales Verständnis gefördert und ein übermässiger Konsum verhindert werden. Gerade bei Kindern und Jugendlichen sei die Förderung eines vernünftigen Konsums für die Eltern jedoch oft schwierig, so Baumann, da der Nachwuchs schnell mal mehr wisse als die Eltern.

Als Schlusswort und Mahnung an die Gesellschaft fügt Schmid an: «Die Digitalisierung wird uns alle erfassen. Entweder überholt sie uns, oder wir gehen mit.»