Comedy
Über ihn lachen bisher nur die Deutschen: Alain Frei aus Luterbach

Der Luterbacher Alain Frei erobert mit seinem Soloprogramm «Mach dich frei» die Komiker-Szene im Nachbarland Deutschland. In seinem Heimatland ist der Komiker dagegen noch ein «No Name».

Lara Enggist
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Comedian Alain Frei steht nur selten in seiner Heimat auf der Bühne, in Deutschland feiert er Erfolge.

Comedian Alain Frei steht nur selten in seiner Heimat auf der Bühne, in Deutschland feiert er Erfolge.

#MSCHKY;Robert Maschke;

«Es ist schön, wieder einmal Schweizerdeutsch zu sprechen», erklärt der 34-jährige Alain Frei in breitestem Solothurner Dialekt. Der aufgestellte Berufskomiker tourt derzeit mit seinem Soloprogramm «Mach dich frei» quer durch Deutschland und füllt dabei Theatersäle – in der Schweiz hingegen ist er noch ein «No Name».

«Ich war ein miserabler Schüler», erinnert er sich an seine Schulzeit in Luterbach. Sein Bruder sei viel besser gewesen, er selbst sei der Kreative in der Familie gewesen und habe sich nie mit den genormten Lernmethoden der Schule anfreunden können. Frei hätte nach der Schule am liebsten gleich die Schauspielschule in Hamburg besucht, doch sein Vater riet ihm, zuerst einen «anständigen» Job zu lernen. Er bot seinem Sohn sogar an, im eigenen Plattenlegergeschäft eine Lehre zu absolvieren. Dafür ist Frei seinem Vater bis heute dankbar, «da habe ich gelernt, richtig anzupacken».

Doch für ihn war immer klar, dass er von zu Hause wegwollte. Nicht weil er sich in Luterbach nicht wohlgefühlt hätte, sondern weil er so viel wie möglich von der Welt sehen wollte. Mit 20 Jahren zog er zuerst nach Freiburg im Breisgau, einige Monate später für die Schauspielschule nach Hamburg.

Wie wird man zum Komiker?

«Als Kind habe ich an Familienfesten immer etwas Lustiges vorgespielt», versucht er die Anfänge seiner Komiker-Karriere in Worte zu fassen. Aber er habe nicht einmal gewusst, dass der Beruf Komiker existiert. Während der Ausbildung zum Schauspieler sei er das erste Mal richtig mit «Stand-up-Comedy» in Berührung gekommen. Schnell habe er realisiert: «Das ist mein Ding».

Bei dieser Art der Comedy steht ein Komiker alleine auf der Bühne und erzählt einstudierte lustige Geschichten aus seinem Alltag, es soll aber möglichst spontan und locker wirken. Diese aus Amerika stammende Art der Kleinkunst sei zu jener Zeit noch sehr belächelt worden, besonders in der Schweiz. «Als Komiker hatte man den Ruf eines Clowns», sagt Frei belustigt. Aber auch in Deutschland steckte die «Stand-up-Comedy» noch in den Kinderschuhen.

Seit 2011 ist Alain Frei festes Mitglied des Comedyensembles «RebellComedy», welches damals noch vor 100 Zuschauern spielte. «Das hat mein Leben komplett auf den Kopf gestellt», erinnert sich Frei. Mit «RebellComedy» habe er eine Bühne gefunden, auf welcher er sich entfalten kann. Das neunköpfige Ensemble wurde zu seiner zweiten Familie – heute füllen sie Konzerthallen mit 10'000 Zuschauern. Inzwischen werde er in Deutschland auf der Strasse täglich etwa zehnmal erkannt, für den aufgestellten Comedian ein angenehmes Mass.

In der Schweiz hingegen passiere das sehr selten. Der Hauptgrund dafür ist vermutlich, dass der zurzeit in Köln lebende Alain Frei in der Schweiz nur selten auf der Bühne steht. Dies wiederum, weil er in Deutschland genügend Auftritte hat, um gut davon leben zu können.

Auf die beiden Shows in Zürich und St. Gallen im September dieses Jahres freue er sich natürlich trotzdem sehr. Wer sich einen seiner Auftritte im deutschen Fernsehen ansieht, dem fällt schnell auf, womit er sein Publikum gewinnt: mit einem lausbübischen Grinsen, einer Portion Selbstironie und viel Charme. In nur wenigen Minuten hat er die Zuschauer auf seiner Seite.

Auf den ersten Blick scheint es um pure Unterhaltung zu gehen, auf den zweiten erkennt man immer mal wieder gesellschaftskritische Anspielungen. Die Unterschiede zwischen Deutschland und der Schweiz, aber auch Rassismus und Toleranz bilden bei seinen Auftritten die Hauptthematiken. «Ich kann einfach nicht viel mit Nationalstolz anfangen». In der neuen Show habe er versucht, etwas von den Klischees wegzukommen und auch ernstere Themen mit einzubauen. Dies sei aber extrem herausfordernd: Mit Humor eine gesellschaftskritische Message rüberzubringen sei die Königsdisziplin.

Neue Tour bereits geplant

Trotz dieses Senkrechtstarts in der Welt der Comedy will der Komiker noch höher hinaus. Bis im Sommer 2019 wird er noch mit seinem aktuellen Programm in Deutschland, Österreich und auch der Schweiz unterwegs sein, danach macht er ein halbes Jahr Pause um aufzutanken und das neue Programm reifen zu lassen.

Wenn er ins Jahr 2020 blickt, sieht er sich erneut auf einer grossen Tour quer durch Deutschland. «Vielleicht kann ich noch etwas tiefer gehen, noch persönlicher werden». Aber so etwas macht man nicht ein Leben lang. Oder etwa doch? «Mich würde es ehrlich gesagt überraschen, wenn ich nicht mein Leben lang Komiker sein würde», sagt er amüsiert. Er geht sogar so weit und nennt die Comedy seine Berufung.

«Auf der Bühne zu stehen und aus seinem Leben zu erzählen, das ist ein bisschen wie eine Therapie», fügt Frei hinzu. Auf die Frage, was er den Lesern der Solothurner Zeitung mit auf den Weg geben möchte, antwortet er trocken: «Wenn ihr mich auf der Strasse erkennt, sprecht mich unbedingt an, auch wenn ihr mich nicht lustig findet. Einfach, damit ich mir auch in der Schweiz ein bisschen berühmt vorkomme.»

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