Buch
Über den Pioniergeist, Erfolg und Misserfolg der Weissenstein-Sesselbahn

Nicht nur für jene, die der alten Sesselibahn nachtrauern, ist jetzt rechtzeitig zum Start der neuen Gondelbahn ein Buch zur 59-jährigen Geschichte der Bahn auf den Weissenstein erschienen.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Viele Infos über die Bahn, aber auch viele Bilder, um in Erinnerungen zu schwelgen, bietet das neue Sesselibahn-Buc

Viele Infos über die Bahn, aber auch viele Bilder, um in Erinnerungen zu schwelgen, bietet das neue Sesselibahn-Buc

zvg

Nächstes Wochenende ist es so weit: Nach 4 Jahren Unterbruch können alle Naturbegeisterten den Weissenstein wieder per Bahn erobern. Zwar nicht mehr mit dem alten Sesseli; jetzt mit einer modernen Gondelbahn. Jeder weiss, welche Ränke der Neubau dieser Gondelibahn in der ganzen Schweiz auslöste. Im Buch «Die Sesselbahn am Weissenstein» dokumentieren die sechs Autoren Christian Schneider. Benjamin Forter, Wolfgang Wagmann, Katharina Arni-Howald, Toni Kaiser und Peter-Lukas Meier den Pioniergeist, Erfolg und Misserfolg mit Bahn und Kurhaus am Solothurner Hausberg.

Über die Weissensteinbahn, ein typisches Stück Solothurner Geschichte, ist vieles nachzulesen. Im Vorwort schreibt denn auch Regierungsrätin Esther Gassler: «Die alte Bahn gehört der Vergangenheit an, ist aber ein wichtiger Teil der Solothurner Tourismusgeschichte. Und wert, dokumentarisch für die Nachwelt festgehalten zu werden.»

Autor Christian Schneider hat die geschichtlichen Fakten der Bahn detailliert aufgearbeitet. So ist beispielsweise nachzulesen, dass ab der Jungfernfahrt am 29. Dezember 1950 ein Retourbillett auf den Berg und zurück 4 Franken kostete. 59 Jahre später wurde für die gleiche Leistung 19 Franken verlangt. Kurios: Im ersten Jahr wurden 131 268 Fahrgäste befördert, eine Zahl, die während der gesamten Lebensdauer der Sesselbahn nie mehr erreicht oder gar übertroffen wurde. Schneider geht verschiedenen anderen Bahn- und Seilbahnprojekten auf Schweizer Bergen und Höhenzügen nach und berichtet vieles zu technischen und planerischen Details.

In all den Jahren gab es hin und wieder auch Unvorhergesehenes und Unglücke: Sesselentgleisungen, Stützen, die schwankten, oder ein ganz schlimmer Orkan 1959, bei dem mehrere Personen bei Nacht und Nebel aus den Sesseli evakuiert werden mussten. In 59 Jahren, bis zum 1. November 2009, hat man 5,9 Mio. Passagiere befördert. Wolfgang Wagmann berichtet von Erfolgen und Misserfolgen, die auf dem Berg nahe beieinanderlagen; insbesondere in Bezug auf den Betrieb des Kurhauses, denn Bahn und Kurhaus bildeten schon immer eine Schicksalsgemeinschaft.

Seine erfolgreichsten, aber auch seine erfolglosesten Betriebsjahre erlebte das Kurhaus Weissenstein in den 90er-Jahren. Schliesslich kam es so weit, dass der marode Kurhausbetrieb zum Konkurs der Seilbahn führte. «Die Bahn wäre allein lebensfähig gewesen, wir sind am Kurhaus verblutet», wird der damalige VR-Präsident Heinz Frey in einem Ausspruch von 2001 zitiert. Es schlug die Stunde der Swag, der heutigen Betriebsgesellschaft der Gondelbahn auf den Weissenstein. Katharina Arni-Howald und Peter-Lukas Meier gehen dem jüngsten Kapitel um die Sesselbahn auf dem Weissenstein nach, dem Streit um den Erhalt der historischen Bahn. Detaillierte Angaben zu technischen Daten sowie eine CD mit einem einstündigen Film über den Sesselbahn-Betrieb runden das Buch ab. Dieses reich bebilderte Buch vermittelt ein Stück Solothurner Identität und trifft damit mitten ins Herz.

«Die Sesselbahn am Weissenstein 1950– 2009» Solothurn: Rothus Verlag Fr. 48.–. Die Auflage ist nummeriert.