Arbeitsmarkt
Über 50 und arbeitslos: Jobsuche ist schwieriger, aber nicht chancenlos

Die Suche nach einem neuen Arbeitsplatz ist für über 50-Jährige schwierig, aber nicht chancenlos. Insgesamt seien deren Perspektiven intakt, antwortet der Regierungsrat auf eine Interpellation.

Franz Schaible
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Über 50-Jährige haben es schwer auf dem Arbeitsmarkt.

Über 50-Jährige haben es schwer auf dem Arbeitsmarkt.

Peter Lauth

Die Arbeitslosigkeit sei tief, der Wirtschaft gehe es gut, schreibt Kantonsrätin Doris Häfliger (Grüne, Zuchwil) in ihrem Vorstoss vom vergangenen Dezember; also noch vor dem Euroschock. «Doch davon profitieren nicht alle. Wer älter als 50 Jahre ist und arbeitslos wird, hat es schwer. Nur mit Mühe finden Arbeitslose über 50 wieder eine Stelle.» Vielfach werde jungen, flexiblen und gut ausgebildeten Fachkräften der Vorzug gegeben. Deshalb stellt Häfliger in ihrer Interpellation zahlreiche Fragen über die Situation im Kanton Solothurn.

Arbeitslos: jeder Vierte über 50

Die umfassende Antwort des Regierungsrates liefert einige interessante Fakten. So waren Ende Dezember 2014 exakt 994 Arbeitslose gemeldet, die über 50 Jahre alt sind. Zwei Drittel sind Männer und ein Drittel Frauen. Der Anteil der Ü50 an allen Arbeitslosen lag bei 26,7 Prozent. Das heisst, jeder vierte Arbeitslose war älter als 50 Jahre. Auffallend ist, dass der relative Anteil in den vergangenen zehn Jahren wenig schwankte, seit 2010 ist er nahezu unverändert geblieben.

Auch die absoluten Zahlen haben sich nicht massiv verändert. Die Konstanz überrascht, weil sich aufgrund der demografischen Entwicklung der Anteil der älteren Arbeitnehmer am Total der Erwerbspersonen seit 2004 von 25 auf doch 30 Prozent erhöhte.

Altersunabhängige Beratung

Im Gegensatz zu anderen Kantonen verfolge man im Kanton Solothurn eine altersunabhängige und individuell auf die stellensuchenden Personen angepasste Beratungsstrategie. Denn die Altersgruppe der über 50-Jährigen stelle keine homogene Gruppe dar. «Die Arbeitslosen unterscheiden sich dabei bezüglich Qualifikation, Berufserfahrungen, Weiterbildungen aber auch ihrer Motivation.» Die regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) des Kantons Solothurn würden deshalb die Arbeitslosen stufen- und qualifikationsgerecht beraten.

Das Alter spiele dabei eben eine untergeordnete Rolle. Die Erfahrungen zeigten, dass es für die Teilnehmenden am Angebot von entsprechenden arbeitsmarktlichen Massnahmen ein Vorteil sei, wenn sie aus dem Erfahrungsschatz von heterogenen Gruppen profitieren könnten. Sie erhielten einen breiteren Blickwinkel auf die Thematik. «Homogene Gruppen hingegen neigen zur Selbststigmatisierung – wir sind zu alt, wir haben keine Chancen mehr, usw.»

Die Vorgehensweise der Solothurner RAV habe sich insgesamt bewährt. So seien 2014 die Solothurner Arbeitslosen über 50 Jahre im Durchschnitt während 348 Tagen auf der Stellensuche gewesen. Landesweit liege der Durchschnitt bei 352 Tagen.

Alter allein sagt nicht alles

Es entspreche zwar einer Tatsache, dass die Stellensuche für über 50-Jährige schwieriger sei, aber sie sei nicht chancenlos, bilanziert der Regierungsrat. Die Gründe lägen sowohl beim Arbeitgeber wie beispielsweise die Kosten oder die Leistungserwartungen, wie auch bei den Stellensuchenden wie etwa zu hohe Lohnvorstellungen, fehlende Mobilität oder lückenhafte Weiterbildung. Dagegen wiesen ältere Arbeitnehmer auch wichtige Vorteile auf. Genannt werden die langjährige Berufs- und Lebenserfahrung, hohe Sozialkompetenz oder Zuverlässigkeit. Gesamthaft seien die Perspektiven auch für Arbeitslose über 50 Jahre intakt.

Beobachtungen in der Privatwirtschaft zeigten, dass die Firmen regelmässig ältere Personen einstellten. «Das Alter allein sagt nichts über die Eignung, Kompetenzen und Fähigkeiten des einzelnen Menschen.»