Wasserqualität
Über 50'000 Bewohner leben im begehrten Lebensraum des Bielersees

Auf einer Dreiseenfahrt referierte Markus Zeh, stellvertretender Abteilungsleiter des Gewässer- und Bodenschutzlabors (GBL) Bern, vor interessiertem Publikum über die Wasserqualität des Bielersees.

Nadine Schmid
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Nadine Schmid

Der Bielersee ist ein Sammelbecken: Sein Einzugsgebiet erstreckt sich über 8000 Quadratkilometer, was 20 Prozent der Schweizer Landesfläche ausmacht und eine Million Menschen miteinbezieht. Über 50'000 Bewohnern liefert er Trinkwasser, das aufbereitet, von guter Qualität ist. «Seen bieten Lebensraum für verschiedenste Wasserpflanzen und -tiere. Die Algen sind der wichtigste Faktor, damit das Leben im See gewährleistet ist». Das erklärt Markus Zeh am Anfang eines Referats auf der Dreiseenfahrt. Algen würden den kleinsten Wassertieren unter anderem als Nahrung und als Versteck dienen. Wassertieren, die von Fischen verspeist würden.

Es ist noch nicht lange her, dass die Algen im Bielersee ein Problem darstellten. Denn: Wenn Algen sterben, sinken sie auf den Grund, wo Bakterien sie abbauen. Dieser Prozess benötigt Sauerstoff. Über Jahrzehnte hinweg haben viele Schweizer Gewässer einen zu hohen Phosphorgehalt aufgewiesen; Phosphor wird von der Alge benötigt, um zu wachsen. Durch die darauf folgende starke Algenzunahme wurde der Bielersee an tiefen Stellen während der Sommermonate sauerstoffarm und schied als Lebensraum aus. Im Winterhalbjahr (Zirkulationsphase) erholte sich der See, da in dieser Jahreszeit gleichmässig Sauerstoff im Wasser verteilt wird.

Seit Jahren wird gegen das Problem in der Schweiz angegangen: Ab 1986 gab es unter anderem ein Phosphatverbot für Waschmittel und die Abwasserreinigungsanlagen (ARA) wurden in Seeeinzugsgebieten nachgerüstet.

Der Kampf ist für den Bielersee fast gewonnen. Zeh: «In den letzten vierzig Jahren hat der Phosphorgehalt im See um über 90 Prozent abgenommen. Wir stellten durch Messungen fest, dass der Sauerstoffmangel Jahr für Jahr kontinuierlich abnimmt.» Monatlich würden Messungen an der tiefsten Stelle
des Sees (74 Meter) durchgeführt. Noch immer habe es so viel Phosphor, dass
in den Herbstmonaten der Sauerstoff nicht überall gewährleistet ist. Verglichen mit dem Murtensee, in dem
der Sauerstoff bereits im Mai abnimmt, aber ein sehr zufriedenstellendes Re-sultat.

Zeh brachte dem zahlreich erschienenen Publikum auch die Mikroverunreinigungen näher, die gegenwärtig in den Schweizer Gewässern drastisch zunehmen. Dies wegen Gebrauch von Pestiziden, Medikamenten und anderen schwer abbaubaren Produkten. Problematisch: Teilweise sind diese langlebigen Stoffe toxisch und somit Gift für die Lebewesen. Zeh betonte: «Fünf Gramm Permethrin sind in einer Flasche des Insektizids Matil enthalten. Um diese Menge genügend zu verdünnen und so ungefährlich zu machen, braucht es eine achtstündige Wasserzufuhr der Aare.»

Es gibt bereits Massnahmen: 20 Jahre soll die Aufrüstung von 100 Anlagen der ARAs dauern, da es sehr kostspielig ist. Dadurch würden die Verunreinigungen um 50 Prozent reduziert. Genauso müsse ein Umdenken bei der Landwirtschaft erfolgen, die viele Pestizide einsetzt. Und schliesslich kann auch jede Einzelne mit vernünftiger Lebensweise seinen Teil dazu beitragen.