Schneechaos
Über 2 Stunden für Bern–Solothurn – wie es unser Fotograf zumindest noch auf den 2. Termin schaffte

Im Kanton Bern ereigneten sich wegen der Schneefälle fast 60 Unfälle. Unser Fotograf Hanspeter Bärtschi, der bei Bern wohnt, kämpfte sich durchs Schneechaos und kam wie viele andere verspätet zur Arbeit.

Hanspeter Bärtschi
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Hanspeter Bärtschi kam ohne Unfall (hier ein Bild aus Därligen) durch den Schnee. Seinen ersten Termin verpasste er aber.

Hanspeter Bärtschi kam ohne Unfall (hier ein Bild aus Därligen) durch den Schnee. Seinen ersten Termin verpasste er aber.

zvg/bar

Auch das schaffen wir noch. Es ist mein letzter Tag vor den Ferien. Ich schaue zum Fenster raus und weiss, dass ich früher abfahren muss. 20 Zentimeter lockerer Pulverschnee liegen am frühen Morgen auf meinem Auto. Ich wohne in Spiegel bei Bern und arbeite in Solothurn.

Los geht’s, obwohl ich bald nicht mehr vorwärtskomme. Bis zum Autobahnzubringer habe ich über eine halbe Stunde statt acht Minuten. Die erste heikle Passage schaffe ich: den stotzigen Autobahnzubringer in Bümpliz. Wer hier anhält, kann möglicherweise nicht mehr anfahren.
Im Schritttempo geht es ins Grauholz. Für mich wird klar, dass ich den ersten Fotoauftrag aus der Redaktion nicht wahrnehmen kann. Im Schritttempo geht es weiter.

Bald habe ich auch Angst um den zweiten Fototermin: Der Geburtstag eines 100-Jährigen. Der Landammann wird da sein, ebenso der Staatsschreiber. Warten sie? Was ist, wenn ich den Termin verpasse?

Seine Stirn hat er verzweifelt auf das Lenkrad gelegt. Der ausländische Autofahrer mit seinen Sommerpneus kommt am Grauholzstutz nicht mehr weiter, steht still mitten auf der Fahrbahn. Auf Hilfe kann er nicht hoffen. Kein Pannendienst kann zu ihm durchdringen.

Immer wieder gibt es Fahrzeuglenker, die die Spur wechseln und wechseln. Ich glaube, sie verzögern die ganze Sache nur noch. Draussen ist es jetzt minus acht Grad. Drinnen habe ich die Heizung voll aufgedreht. Es ist wohlig warm im Kokon, ein Hauch von Gemütlichkeit kommt auf. Wenn ich sonst im Stau stehe und nicht weiss, wie lange es noch geht, dann bin ich gestresst. Jetzt aber bin ich inmitten von Autofahrern, denen es gleich geht.

Eine gewisse Ruhe kommt über mich, auch wenn der nächste Termin nicht klappt. Alles ist so ausweglos, so eindeutig. Befreiend. Es ist höhere Gewalt, ich kann nicht pressieren. Es ist einfach Winter. Nur keine Aufregung über Verspätungen und Chaos. Morgen schon ist das alles wieder Schnee von gestern.

P.S. Genau mit der Delegation des Regierungsrates komme ich nach über 2 Stunden Fahrt im Schneckentempo beim 100-Jährigen an.

Hanspeter Bärtschi ist Fotograf dieser Zeitung und pendelt im Auto zwischen Bern und Solothurn.

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Kapo SO