Amtsgericht
Türke hat wegen einer Beleidigung auf Landsmann eingestochen

Der 64-jährige Türke, der am 30. Januar 2010 im Treppenhaus des türkischen Kulturvereins in Grenchen mit einem Küchenmesser auf einen Landsmann einstach, muss sich derzeit wegen versuchter vorsätzlicher Tötung verantworten.

Hans Peter Schläfli
Merken
Drucken
Teilen
Der Tatort an der Kirchstrasse in Grenchen.

Der Tatort an der Kirchstrasse in Grenchen.

Oliver Menge

Eigentlich pflegten die beiden Türken Onur K.* und Khan E.* eine langjährige «Familienfreundschaft». Doch als im Januar 2010 das Töffli des 64-jährigen Angeklagten verschwand und er den Sohn seines rund 20 Jahre jüngeren, späteren Opfers verdächtigte, drehte der Wind.

Der Streit artete aus und die beiden Türken bezeichneten sich gegenseitig unter anderem als «Ehrenlose». Khan E. wollte, dass Onur K. vor den gemeinsamen türkischen Bekannten die Anschuldigung gegen seinen Sohn zurücknimmt.

In die Niere gestochen

Die Streithähne vereinbarten also, sich zu einer Art öffentlichen Aussprache im Lokal des türkischen Kulturvereins an der Kirchstrasse 17 in Grenchen zu treffen. Aber Onur K. nahm ein Küchenmesser mit einer 11,5 Zentimeter langen Klinge mit. So kam es gar nicht erst zur Aussprache: Bereits im Treppenhaus kam es zu einem Kampf und Onur K. stach dreimal auf Khan E. ein. Zwei Schnittverletzungen waren harmlos, aber beim dritten Mal stiess der Angeklagte das Messer bis zum Anschlag seitlich in den Rücken seines Opfers und verletzte die linke Niere schwer.

Khan E. musste im Spital behandelt werden und war eine Woche arbeitsunfähig. «Ein nur geringfügig anderer Verlauf des Stichkanals hätte tödliche Blutungen zur Folge haben können», heisst es in der Anklageschrift. Deshalb lautet der Vorwurf nicht auf Körperverletzung, sondern auf versuchte, vorsätzliche Tötung.

Angeklagter bereits vorbestraft

«Er hat meine ganze Familie schlimm beleidigt, das hat mich im Stolz verletzt», erklärte der von der Sozialhilfe lebende Angeklagte seine riesige Wut, die zur Tat geführt hatte. Onur behauptete, zuerst geschlagen worden zu sein und Angst gehabt zu haben. Erst dann habe er sich mit dem Messer gewehrt. Der 64-Jährige ist zucker- und herzkrank und leidet unter Bluthochdruck. Ein Dutzend verschiedene Medikamente muss er nehmen, und er ist auch in psychiatrischer Behandlung. Zum Tatzeitpunkt hatte er zudem ein Alkoholproblem. Zwei einschlägige Vorstrafen zeugen von seinem explosiven Temperament.

«Einen Türken einen Ehrenlosen zu nennen, ist schlimmer als zwei Schläge ins Gesicht, denn damit wird die ganze Familie beschimpft», war sich das Opfer in einem Punkt mit dem Täter einig. Aber Khan E. sagte aus, dass es erst zu einem Handgemenge gekommen sei, nachdem der Angeklagte zugestochen hatte.

Heute Dienstag geht die Verhandlung mit der Anhörung des psychiatrischen Gutachters und den Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung weiter. Die Urteilsverkündung ist für morgen Mittwoch vorgesehen.

Name von der Redaktion geändert.