Gerne hätte diese Zeitung auch nach der am Sonntag erfolgten Abstimmung in der Türkei mit türkischstämmigen Solothurnerinnen und Solothurnern über den Abstimmungsausgang gesprochen. Wie beurteilen diese das knappe Verdikt? Was sagen sie zu den Unregelmässigkeiten, die von internationalen Wahlbeobachtern festgestellt worden sind? Wie wird es mit der Türkei in Zukunft weitergehen? Lässt sich die Spaltung, die quer auch durch die in der Schweiz lebenden türkischen Gemeinschaften geht, wieder kitten?

Wie bereits bei den Recherchen für einen Artikel im Vorfeld des Urnengangs erwiesen sich diese Anfragen jedoch wiederum als ein alles andere als einfaches Unterfangen.

«Das ganze Gestürm satt»

«Ich bin froh, wenn ich mich da raushalten kann», sagt eine angefragte Person aus der Region Olten zur Thematik. Einem anderen potenziellen Gesprächspartner ist das Medium Telefon für Auskünfte zu heikel. Weitere angefragte Personen verweisen auf andere Leute, die sich dazu besser äussern könnten. Diese sind dann aber leider auch nicht erreichbar. Im Falle einer im Kanton befindlichen Moschee sind unzureichende Deutschkenntnisse der Grund dafür, dass das Gespräch nicht weitergeführt werden kann.

Schliesslich lässt sich der stellvertretende Präsident der Beyazit-Moschee in Bellach, Ramazan Durmaz, nochmals erreichen. «Das Resultat ist, wie erwartet, sehr knapp geworden», stellt er fest. Dennoch müsse man dieses nun akzeptieren, eine Wahlwiederholung würde am Ausgang wohl nichts ändern. Auch die Unregelmässigkeiten, über die berichtet wurde, stellen die Legitimität des Ergebnisses für Durmaz nicht infrage. «Von so was wird bei jeder Wahl geredet.» Jetzt solle man sich auf die anderen Probleme der Türkei konzentrieren: die Wirtschaft und den Terror.

Derzeit gebe der Entscheid unter den türkischstämmigen Solothurnerinnen und Solothurnern sicher noch zu reden, aber das werde sich bald beruhigen, sagt Durmaz. «Die Leute haben das ganze Gestürm auch langsam satt.» Sie wünschten sich nun wieder etwas Ruhe, möchten sich wieder ihrem Alltag widmen können.

Und apropos Ruhe gönnen: Ferien wird Durmaz auch künftig in der Türkei machen, daran ändert der Abstimmungsausgang für ihn nichts. Dem «ganzen Theater» um Boykottbestrebungen könne er nichts abgewinnen.