Sie lernten sich im Jahr 2009 bei einer Verlobungsparty in Zürich kennen. Erdal G.*, ein Türke mit Niederlassungsbewilligung in der Schweiz, und Bahar G.*, eine Türkin zu Besuch bei Verwandten. Sie blieben telefonisch in Kontakt. Etwas mehr als ein Jahr nach der Party kam Bahar wieder in die Schweiz; sie heiratete den 17 Jahre älteren Erdal. Die zivile Trauung fand im Dezember 2010 statt.

Ex-Mann tauchte plötzlich auf

Bahar ging anschliessend zurück in die Türkei und reiste erst im August 2012 mit ihrem heute 13-jährigen Sohn endgültig in die Schweiz ein: Beide erhielten die Aufenthaltsbewilligung. Zusammen mit Erdal wohnten sie fortan in einer Wasserämter Gemeinde. Der neue Ehemann und Vater zeigte nun sein wahres Gesicht: Während rund einem Jahr schlug er Bahar, beschimpfte und bedrohte sie sowie ihren Sohn heftig. 

Im August 2013 tauchte dann plötzlich der Ex-Mann von Bahar und Vater ihres Sohnes auf. Es kam zur Schlägerei zwischen ihm und Erdal, die Polizei musste aufgeboten werden. Der Ex erfuhr, dass Erdal sich von Bahar scheiden lassen möchte. Darauf rastete er aus und behauptete gegenüber der Staatsanwaltschaft, dass Bahar und Erdal eine Scheinehe führen würden und er an Erdal insgesamt 35 000 Franken bezahlt habe, damit sein Sohn mit seiner Ex-Frau in der Schweiz leben könne.

Freispruch gefordert

Diese unerwartete Wendung brachte Bahar und Erdal – sie leben inzwischen getrennt – am Donnerstag vor dem Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt wieder zusammen: Sie hatten Berufung gegen einen Strafbefehl wegen Täuschung der Behörden eingereicht. Erdal sah sich zudem noch mit Vorwürfen wegen mehrfacher Tätlichkeiten, mehrfacher Beschimpfungen sowie mehrfacher Drohung konfrontiert. Gleich zu Beginn der Verhandlung wurde betreffend diese drei Anklagepunkte aber ein Vergleich abgeschlossen.

Für Amtsgerichtspräsident Stefan Altermatt galt es daher noch zu klären, ob die Ehe echt war oder nicht. Die Befragung der Beschuldigten brachte dabei nichts Neues zutage: Beide behaupten, es sei keine Scheinehe gewesen und auch kein Geld geflossen.

Dementsprechend forderten auch beide Verteidigerinnen Freisprüche. Einerseits mit dem Argument der fehlenden Beweise (beide Verteidigerinnen), andererseits, weil der Anklagevorsatz verletzt sei (Verteidigerin von Bahar).

Altermatt verurteilte die Eheleute zu bedingten Geldstrafen wegen Widerhandlungen gegen das Ausländergesetz. Erdal erhielt 120 Tagessätze à 70 Franken und Bahar 60 Tagessätzen à 10 Franken. Eveline Roos, Verteidigerin von Bahar, liess durchblicken, dass sie den Entscheid ans Obergericht weiterziehen wird. Dana Matanovic – sie vertrat Erdal vor Gericht – wollte sich noch nicht dazu äussern.

*Namen von der Redaktion geändert