Kein regionaler Boom
Trotz vollen Camping-Plätzen zählt der Kanton Solothurn kaum Wildcampierer

Draussen in der Natur die frische Luft geniessen, das ist nicht nur in Zeiten einer Pandemie ein gutes Rezept, um gesund zu bleiben. Doch Vielen ist es auf den ausgebuchten Campingplätzen zu eng geworden, das Social Distancing ist anstrengend. Trotzdem wird im Kanton Solothurn nur wenig wild gecampt.

Hans Peter Schläfli
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Zwei Camper aus Düsseldorf machten auf dem Dietschi-Hof in Selzach halt, bevor sie auf den Brüggligrat kletterten.

Zwei Camper aus Düsseldorf machten auf dem Dietschi-Hof in Selzach halt, bevor sie auf den Brüggligrat kletterten.

Hans Peter Schläfli

Was spricht eigentlich dagegen, sein Zelt irgendwo am Waldrand aufzuschlagen? «Nichts», beantwortet die Solothurner Kantonspolizei eine entsprechende Anfrage. Grundsätzlich sei das wilde Campen im Kanton erlaubt, so lange man sich an die üblichen Gesetze halte, Rücksicht auf die Natur nehme und keinen Abfall zurücklassen. «Weder das kantonale Waldgesetz noch das Gesetz über Wasser, Boden und Abfall enthalten ein Verbot», schreibt Andreas Mock, Leiter Kommunikation der Kantonspolizei. «Vorgeschrieben wird einzig, dass Wälder ortsüblich und nicht nachteilig genutzt werden dürfen und Uferschutzzonen naturnah zu nutzen sind.» Ausnahmen seien an den aufgestellten Verbotsschildern zu erkennen. Dies gelte etwa für Naturschutzgebiete, in Jagdbanngebieten, in Wildruhezonen oder an Orten, wo ein allgemeines Betretungsverbot herrscht. «Gemeinden dürfen zudem strengere Gesetze erlassen», erklärt Mock. «So haben einige Gemeinden im Kanton Solothurn für bestimmte Zonen absolute Campingverbote erlassen.»

Wo kein Verbotsschild steht, darf also ein Wanderer an einem lauschigen Waldrand unbeschwert ein Zelt aufstellen. Aber aufgepasst: «Das Befahren von Waldstrassen mit Motorfahrzeugen ist gestützt auf Bundesrecht grundsätzlich verboten. Demzufolge ist es nicht erlaubt, mit einem Wohnmobil in den Wald zu fahren, um dort zu übernachten», schreibt die Polizei.

Sich auf angemessene, rücksichtsvolle Weise in der Natur aufzuhalten ist also unser gutes Recht. Andreas Mock bestätigt, dass sich bei uns die wilden Camper an die Regeln halten. In diesem Bereich bekomme die Polizei nur sehr selten Meldungen, es habe dieses Jahr noch keine besonderen Vorkommnisse gegeben. Für Fahrende und Lastwagenchauffeure gelten übrigens dieselben Regeln wir für Camper. Auch sie dürfen in ihre Fahrzeuge im öffentlichen Raum parken und übernachten– sofern es kein Verbotsschild gibt.

Bauern nehmen den Trend auf

Mit der Coronakrise war plötzlich das wilde Campen in aller Munde. Im Mai hatte die Bauernzeitung das Thema in einem grossen Artikel lanciert. «Für einen Stellplatz auf dem Bauernhof braucht es keine spezielle Bewilligung», war zu lesen. Eine gute Idee, fand Markus Dietschi. Nun bietet er über das Internet auf seinem Hof im Selzacher Haag einen solchen Platz an. Ihm sei es wichtig, den Bezug zu seinem Betrieb herzustellen. «Ich verlange nur einen symbolischen Preis von 10 Franken und lade die Gäste zum Kaffee ein. Gerne zeige ich ihnen meinen Bauernhof. So möchte ich einen Beitrag dazu leisten, dass die Bevölkerung die Bedeutung unserer Landwirtschaft kennen lernt.» So haben auch zwei Camper aus Düsseldorf den Weg auf dem Dietschi-Hof gefunden, die auf den Brüggligrat kletterten wollen. «Es sind typischen Kunden», meint Markus Dietschi, «unkomplizierte, gut gelaunte Leute.»

Kein Boom in der Region, dafür «interessante Leute»

Auf den einschlägigen Apps sind Dutzende Plätze im ganzen Kanton zu finden, auf denen man campieren könnte. Bei den meisten handelt es sich aber einfach um öffentliche Parkplätze am Strassenrand oder vor einer Kirche, auf denen es keinerlei Infrastruktur gibt.

Geschenkt ist auch der Stellplatz in Walterswil beim Restaurant Eberg, nur wer Dienstleistungen wie Wasser und Strom nutzen will, bezahlt hier den symbolischen Preis von 5 Franken.

Ein ähnliches Angebot gibt es auch im Naturpark Thal. «Ein bis zwei Mal pro Woche übernachtet jemand bei uns», berichtet Jürg Allemann über seine Erfahrungen in Welschenrohr. «Es kommen interessante Leute. Meistens sind es ältere Semester und dann sitzt man einen Augenblick zusammen und redet über alles Mögliche.» Für eine Übernachtung auf dem Parkplatz des ehemaligen Restaurants Hirschen verlangt er eine Gebühr von 8 Franken, bei vollem Service mit Stromanschluss, Wasser und Abwasser werden es 20 Franken. «Wegen dem Geld mache ich das nicht, es ist einfach eine glatte Sache.»

www.park4night.com

www.stellplatz.info

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