Coronavirus

Trotz Überbrückungsfonds: Kleine Unternehmen nutzen Gutscheine als Zukunftsinvestition

Stefan Frieden hofft, dass er viele Gutscheine verkaufen kann

Stefan Frieden hofft, dass er viele Gutscheine verkaufen kann

Kleine Unternehmen im Kanton Solothurn versuchen, sich in der Coronakrise mit dem Verkauf von Bons ein Einkommen zu sichern.

Kein Feierabendbier, kein Restaurantbesuch, kein Konzertabend mehr – daheim rumsitzen ist schlimm genug. Noch schlimmer ist die Untätigkeit wahrscheinlich für diejenigen, deren Existenz durch die Coronakrise bedroht ist. Für selbstständige Musikerinnen etwa, für Besitzer und Betreiber von Restaurants oder Eigentümerinnen von kleinen Läden. Zwar unterstützt der Kanton Solothurn Selbstständigerwerbende. Er hat per Notverordnung einen Überbrückungsfonds geschaffen, um in besonders schwierigen Lagen Soforthilfe leisten zu können.

Selbstständigerwerbende, die ein Geschäft führen und wegen der Massnahmen im Kampf gegen das Coronavirus Auf­träge verloren haben, erhalten 2000 Franken ausbezahlt. Die Voraussetzung dafür ist, dass sie im Vorjahr mit ihrem Geschäft mindestens 20'000 Franken verdient haben und über keine finanziellen Reserven verfügen, welche 20'000 Franken übersteigen.

Gutscheine dienen als Überbrückungshilfe

Trotz dieser Hilfe haben sich viele Menschen in den letzten Tagen Gedanken darüber gemacht, wie man kleine Betriebe in den nächsten Wochen unterstützen kann. Privatpersonen verbreiteten in den sozialen Netzwerken Aufrufe dazu, beim Onlineshopping kleine Geschäfte aus der Region zu berücksichtigen oder Gutscheine zu kaufen. Auf den Verkauf von Gutscheinen greifen momentan viele Kleinunternehmen zurück, um in den nächsten Wochen Geld zu verdienen.

Eine neue Plattform soll ihnen in den nächsten Wochen dabei helfen, ihre Gutscheine möglichst gut zu verkaufen: Die Plattform Solotharity, die zu der Crowdfunding Plattform Projektstarter.ch gehört. Hinter der Plattform steht das Designatelier in Solothurn. «Unser Ziel ist es, die Menschen in dieser ungewohnten Situation virtuell näher zusammen zu bringen und den Ideenaustausch zu fördern», erklärt Petrouska Mosimann vom Designatelier.

Auf Solotharity können etwa Vereine, Restaurants, Musi­ker oder Kulturveranstalter Gutscheine verkaufen. «Vor allem in den sozialen Medien geistern momentan unzählige tolle Ideen herum, wie man sich in dieser ungewohnten Situation gegenseitig unter die Arme grei­fen kann», schreibt Mosimann.

«Wir möchten die Möglichkeit bieten, diese zu sammeln. Eigentlich eine Ideenbibliothek, die jedem zur Verfügung steht und wo man sich austauschen kann.» Die Plattform erwirtschaftet keinen Gewinn, lediglich die Transaktionskosten müssen von denjenigen, die sich mit ihrem Projekt registrieren, übernommen werden.

Erste zufriedene Stimmen gibt es schon

Bisher seien die Reaktionen auf die Plattform gut gewesen, so Mosimann. «Wenn auch etwas zögerlich. Momentan sind die meisten noch in einer Art Schockzustand und müssen sich erst zurechtfinden», schreibt sie. Im Verlaufe der nächsten Tage erwartet sie, dass sich mehr Betroffene registrieren. Am Donnerstag waren auf der Plattform Solotharity elf Projekte registriert, unter anderem von der Kulturfabrik Kofmehl in Solothurn und vom Dinosauriermuseum in Bellach. Beide bieten auf der Plattform Gutscheine für 20 Franken an, die im Laufe der Jahre eingelöst werden können.

Für das Kofmehl hatten bis zum genannten Zeitpunkt elf Personen Gutscheine bestellt. «Wir sind sehr zufrieden damit», schreibt Geschäftsführer Pipo Kofmehl auf Anfrage. «Vor allem, weil das ganze Projekt Solotharity erst gestartet wurde.» Bei dem Gutscheinverkauf gehe es dem Kofmehl nicht nur um Geld: «Ein Kauf eines Gutscheins ist natürlich auch ein Zeichen an unser gesamtes Team. Ein Zeichen dafür weiterzumachen, sobald der Sturm abflacht.»

Auch die Betreiber des Sauriermuseums in Bellach hoffen, dass sie mit dem Verkauf von Gutscheinen auf der Plattform Solotharity ein bisschen etwas verdienen. «Da wir momentan keine Besucher empfangen dürfen, versuchen wir so, etwas Geld für die Grundkosten wie Miete und Strom zu sammeln und so eine Schliessung zu verhindern», schreibt der Museumsdirektor Stefan Frieden. Bisher konnte das Museum auf der Plattform neun Gutscheine verkaufen.

Das Sauriermuseum in Bellach steht vor schwierigen Monaten: «Da wir das Museum ehrenamtlich führen, haben wir kein Budget wie ein grosses Museum. Unsere Reserven sind schneller aufgebraucht, da wir Einnahmen oft gleich wieder für die Unterhaltskosten gebrauchen oder sie in die Ausstellungen fliessen», so Frieden. Momentan wird im Museum in Bellach umgebaut, diese Arbeiten finden laut dem Museumsdirektor wie geplant statt.

Stefan Frieden und Mitinhaber Jan Müller rechnen bisher mit mehr als 5000 Franken Verlust durch die Schliessung. «Die Monate Januar bis Mai sind die Besucherstärksten im Jahr. Darum trifft es uns schon sehr. Wir waren bis in den Mai bereits ausgebucht und mussten vielen Schulen absagen und andere Buchungen stornieren». Trotzdem wollen Frieden und Müller das Museum nach der Coronakrise wieder öffnen, schreibt Frieden: «Wir haben das Museum noch nie des Geldes wegen geführt, sondern weil wir Herzblut für das Projekt haben und wir wissen, dass wir Kindern und Eltern ein Lächeln ins Gesicht zaubern können. Genau das wird es sein, was es nach Corona braucht.»

Die verschiedenen Projekte finden Sie unter www.solotharity.projektstarter.ch/

Autor

Rebekka Balzarini

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