Ölpreis
Trotz tiefer Preise kein Heizöl-Boom

Zu Beginn der Heizsaison kostet das Heizöl so wenig wie noch nie im laufenden Jahr. Trotzdem überbordet die Nachfrage nicht. Die Tanks sind nämlich bereits gut gefüllt.

Franz Schaible
Drucken
Teilen
Noch ist die Nachfrage nach Heizöl nicht überbordend. archiv/felix gerber

Noch ist die Nachfrage nach Heizöl nicht überbordend. archiv/felix gerber

Die Hausbesitzer freuts: Der Heizölpreis ist in diesen Tagen auf das tiefste Niveau im laufenden Jahr gesunken. Kosteten 100 Liter Heizöl im Januar noch fast 105 Franken, sind es aktuell zwischen 92 und 94 Franken. Bei einer Tankfüllung von 4000 Litern entspricht dies einer Einsparung von rund 480 Franken.

Hauptgrund für diese Entwicklung ist der massiv sinkende Rohölpreis. Nicht nur der weltweit tendenziell stotternde Wirtschaftsmotor sowie das schwächere Wachstum in China haben den Preis für das «schwarze Gold» nach unten gedrückt. Das Angebot an Rohöl ist riesig und übertrifft die Nachfrage deutlich. Roger Perriard, Verkaufsleiter der Schenk Oel AG in Oensingen, spricht von einem Machtkampf zwischen der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) und den USA. Im Normalfall würde die Opec die Rohölförderquote drosseln, damit der Preis nicht weiter sinke. Doch die USA, in der Vergangenheit grösster Importeur von Rohöl, seien dank der umstrittenen Schieferölförderung – kurz Fracking genannt – zum Exporteur geworden. Die Opec-Länder, allen voran Saudi-Arabien, verlören Marktanteile. Deshalb wehrten sich die Saudis vorderhand nicht gegen die sinkenden Preise, weil ab einem gewissen Niveau die Förderung via Fracking nicht mehr rentabel sei und ergo die Amerikaner ihrerseits die Produktion drosselten. Deshalb sei, so Perriard, gut denkbar, dass die Preise für den Rohstoff weiter nachgeben.

Trotzdem. Der Heizölhändler empfiehlt den Konsumenten mit leerem Tank, diesen jetzt zu füllen. «Wer sich auf diesem Niveau nicht eindeckt, ist sehr mutig», meint Roger Perriard. Auch Josef Rüetschli, Brennstoffhändler in Luterbach, beurteilt das Preisniveau als attraktiv. «Denn der effektive Preis ist – die auf Anfang 2014 eingeführte CO2-Abgabe ausgeklammert – rund 15 Prozent tiefer als vor Jahresfrist.» Noch deutlicher wäre die Preisdifferenz, wenn sich der Kurs des US-Dollars gegenüber dem Franken innert Jahresfrist nicht erhöht hätte. Der Wechselkurs hat einen Einfluss, weil das Rohöl in der amerikanischen Währung gehandelt wird. Ob sich der Heizölpreis auch in den kommenden Wochen weiter abwärtsbewege, sei zwar möglich, aber überhaupt nicht garantiert. Das sei, so Roger Perriard, eben abhängig von der geschilderten Entwicklung auf dem Rohölmarkt. «Es gibt keinen idealen Zeitpunkt. Ihn zu treffen, ist wie ein Sechser im Zahlenlotto», ergänzt Francesca Romano, Sprecherin der Erdölvereinigung.

Die Ausgangslage für Hausbesitzer mit einer Ölheizung wäre also günstig. Zu Beginn der Heizperiode sind die Preise tief. «Das ist eine sehr ungewöhnliche Situation», sagt Perriard. Die Zeiten, in denen der Heizölpreis jeweils im Sommer am tiefsten lag, seien zwar vorbei; aber Tiefstpreise im November seien doch sehr selten.

Die günstige Phase für den Heizöleinkauf beflügelt aber die Nachfrage nicht über alle Massen. Diese sei «nicht so gross», Gerold Kofmel, Leiter Agrola-Verkauf bei der Landi Solothurn. Und «nicht schlecht», sagt Josef Rüetschli. Ebenfalls bei der Schenk Oel AG ist die Nachfrage «gut, aber nicht explodierend». Perriard blickt für die Begründung ein Jahr zurück. Im November und Dezember 2013 sei die Nachfrage extrem hoch gewesen. «Die auf Anfang 2014 eingeführte CO2-Abgabe hat den Liter Heizöl auf einen Schlag um 7 Rappen erhöht.» Die meisten Hausbesitzer hätten vor dem Jahreswechsel aufgefüllt und seien so mit einem vollen Tank in den Winter gestartet, der zudem wettermässig überaus mild ausgefallen sei. Das habe dazu geführt, dass viele Tanks aktuell immer noch gut gefüllt seien. Er verweist auf den sogenannten Tankfüllungsgrad. Dieser Indikator zeigt die durchschnittliche Füllmenge der Heizöltanks an. Aktuell liegt dieser bei 58 Prozent. «Das ist überdurchschnittlich hoch», sagt dazu Perriard. In den Vorjahren lag er zum gleichen Zeitpunkt zwischen 45 und 54 Prozent.

Aktuelle Nachrichten