Das sind gute Nachrichten für Menschen, die ihr Lebensziel der eigenen vier Wände erfüllen wollen: Die Finanzierung der Wohnbauhypotheken bleibt auf absehbare Zeit günstig – auch nach der langen Tiefzinsperiode. Zur Erinnerung: Noch vor zehn Jahren kostete eine fünfjährige Festhypothek im Durchschnitt über 4 Prozent. Seit damals ist der Zinssatz fast nur gesunken und hat mittlerweile historische Tiefststände erreicht. Aktuell kostet ein vergleichbarer Grundpfandkredit bei den im Grossraum Solothurn aktiven Banken knapp über 1 Prozent.

Zinsen bleiben im Keller

«Seit 30 Jahren bin ich nun ununterbrochen im Banking tätig. Eine derartige Situation in der Zinsenlandschaft habe ich noch nie erlebt», sagt Markus Boss, Chef der Regiobank Solothurn. Von «einer historisch einzigartigen Tiefzinsphase», spricht Roberto Brunazzi, Sprecher de Baloise Bank SoBa. Und das Ungewöhnliche mutiert zum Gewöhnlichen. Die «Mainstream-Meinung» gehe, so Thomas Vogt, Chef der Spar- und Leihkasse Bucheggberg, immer noch von steigenden Zinssätzen aus.

«Ich gehe eher davon aus, dass die Zinsen nach wie vor tief bleiben werden.» Er nennt als Gründe die Währungsproblematik und die sehr instabile wirtschaftliche und politische Situation in Europa. Das stärke den Schweizer Franken und dessen Funktion als «sicherer Hafen». Für Hans Peter Schrenk, Leiter der Clientis Bank im Thal in Balsthal ist deshalb klar: «Solange in Europa keine nachhaltige wirtschaftliche Besserung eintritt und die Europäische Zentralbank deshalb die Zinsen nicht erhöht, scheint in der Schweiz keine Zinserhöhung möglich zu sein.»

Im Gegenteil. Eine Verschärfung der Negativzinssituation werde gar diskutiert. Boss von der Regiobank sieht eine Tendenz zu höheren Zinsen. Er verweist auf die USA. Die dortigen Zinserhöhungen werden – wenn auch deutlich verzögert – auch in Europa und in der Schweiz Tatsache werden. Kurz: Alle befragten Bankenchefs erwarten, dass sich das Zinsniveau für Hypotheken bis Ende Jahr nicht oder nur in homöopathischen Dosen erhöhen wird.

Abwarten oder «zuschlagen»?

Daraus lässt sich ableiten, mit dem Abschluss einer Hypothek nicht zuzuwarten, sondern «zuzuschlagen». Denn selbst wenn die Zinsen noch leicht sinken sollten, wäre der Zinsvorteil nur noch marginal. «Für einen risikoscheuen Kunden, der Wert auf Budgetsicherheit legt, kann der Abschluss einer längerfristigen Festhypothek zum heutigen Zeitpunkt sinnvoll sein», meint Schrenk von der Clientis Bank im Thal.

Sein Berufskollege von der Bucheggberger Bank, Thomas Vogt, würde entweder eine zweijährige Festhypothek abschliessen und die Situation dann wieder beurteilen. «Oder auf acht oder zehn Jahre hinaus die historisch tiefen Sätze langfristig anbinden.»

Wohneigentum als Fata Morgana?

Trotzdem entpuppe sich der Erwerb von Wohneigentum für viele Haushalte als «Fata Morgana», heisst es in einer kürzlich publizierten Studie der Credit Suisse zum Immobilienmarkt. Aufgrund des erreichten Preisniveaus und der strengeren Finanzierungsrichtlinien könne eine wachsende Anzahl von Haushalten den Hauskauf nicht mehr stemmen. Die tiefen Zinsen seien in diesem Kontext nur «eine optische Täuschung». Dazu ein einfach gehaltenes Beispiel.

Das Haus kostet 900 000 Franken. Für eine Hypothek braucht es 20 Prozent Eigenmittel oder 180 000 Franken. Falls diese erste Hürde genommen ist, gewährt die Bank eine Hypothek für 720 000 Franken. Für die Tragbarkeitsberechnung rechnet die Bank mit einem kalkulatorischen Zinssatz von 5 Prozent (36 000 Franken), plus 1 Prozent Amortisation (7200 Franken) plus 1 Prozent Nebenkosten vom Kaufpreis (9000 Franken). Das ergibt eine Summe von 52 200 Franken.

Die Wohnkosten sollten maximal ein Drittel des Bruttoeinkommens ausmachen. Das heisst, die Familie muss über ein Einkommen von 156 600 Franken verfügen. Ohne hohe Eigenmittel und ein sehr anständiges Lohneinkommen bleibt der Hauskauf also ein Traum.

«Potenzial nicht ausgeschöpft»

«Daraus folgt», so Hans Peter Schrenk von der Balsthaler Bank, «dass gewisse Nachfragerkreise von vorneherein ausgeschlossen sind». In seinem ländlichen Marktgebiet seien aber die Baulandpreise im Vergleich zu den grossen Ballungszentren noch erschwinglich. Deshalb sei der Kreis an Hypothekarnehmern grösser. Auch Markus Boss von der Solothurner Regiobank beobachtet, dass das Preisniveau in «seinem» Marktgebiet im Vergleich zu den Hotspots wesentlich tiefer sei und sich noch in einem vernünftigen Rahmen bewege.

«Die Nachfrage nach Finanzierungen von selbstbewohntem Eigentum ist sehr gut. Und die Bedingungen sind für die potenziellen Hausbesitzer erfüllbar.» Auch die Bank SoBa sieht «das Potenzial in der Region Solothurn noch nicht ausgeschöpft».