Weihnachtsferien
Trotz Terror bleibt die Reiselust der Solothurner gross

Die Weihnachtsmärkte-Saison ist seit mehreren Wochen voll im Gange. Die ersten Anlässe konnte man schon im November besuchen. Doch wie gross ist dieses Jahr die Nachfrage?

Vera Harvda
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Weihnachtsmärkte im In- und Ausland bleiben ein Publikumsrenner.

Weihnachtsmärkte im In- und Ausland bleiben ein Publikumsrenner.

Solothurner Zeitung
WeihnachtsferienSO

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Werden die Weihnachtsmärkte wie in den Vorjahren gerne und häufig besucht oder haben Schweizer und Schweizerinnen wegen der jüngsten Terror-Anschläge in Paris Angst vor Massenveranstaltungen?

Und wie sieht es mit den traditionellen Weihnachtsfeiern aus? Kerzenschein, Glühwein und Weihnachtsgebäck – gehört dies bald der Vergangenheit an, weil Schweizer vermehrt über die Winter- und Feiertage an die Sonne fliegen und die Wärme am Meer geniessen?

Nachfrage war schon grösser

Auch dieses Jahr gebe es zwar ein grosses Angebot an Weihnachtsmarkt-Reisen, doch die Nachfrage sei schon grösser gewesen, sagt Martina Mezzodini, Reiseberaterin beim Reisezentrum Solothurn der Aare Seeland mobil AG. Stimmt es also, dass viele Menschen die Festtage und Weihnachtszeit im Ausland verbringen?

«Der die Tradition liebende Schweizer bleibt zu Hause. Trotzdem gibt es viele, die die Sonne lockt. Vor allem die Karibik ist in den Wintermonaten heiss begehrt», erklärt Mezzodini. Andere zögen eine Städtereise vor. Berlin, Prag oder London seien vor allem an Silvester sehr beliebt.

«Paris-Shopping ist weggefallen»

«Fahrten zu Weihnachtsmärkten bieten wir nicht an. Das übernehmen vor allem die Car-Unternehmen», sagt Heinz Schachtler, Geschäftsführer des Travellino Reisebüro in Solothurn. Und wie sieht es mit der Reise-Nachfrage nach den jüngsten Ereignissen in Paris aus?

«Das kann ich im Falle der Weihnachtsmärkte nicht beurteilen. Das alljährliche ‹Paris Weihnachtsshopping› ist aber dieses Jahr komplett weggefallen», so Schachtler. Und wie sieht es mit Reisen an die Wärme aus? Es treffe zu, dass der Trend gross sei, die Feiertage am Meer zu verbringen.

Doch das sei nichts Neues, meldet der Reiseprofi. «Die Menschen wollen dem Weihnachtsstress entkommen. Dank den günstig gelegenen vielen Feiertagen ist der Zeitpunkt ideal für Reisen ins Ausland.» Die häufigsten Reiseziele seien Thailand, die Karibik und die Kanarischen Inseln.

«Die ersten Buchungen für Ferien während der Weihnachtszeit bekommen wir jeweils schon im März, die letzten dann kurzfristig am 23. Dezember», sagt Schachtler.

München und Elsass sind beliebt

Im Gegensatz zu Travellino bietet das Tui Reisebüro in Olten viele Weihnachtsmarkt-Reisen an. Egal, ob mit Car, Schiff oder Zug. «Die Nachfrage ist hoch. Vor allem die Märkte in München, Strassburg oder in anderen Städten im Elsass sind für viele interessant», sagt Filialleiter Erich Schneeberger.

Ob die Nachfrage an Reisen wegen der Vorfälle in Paris zurückgegangen sei, könne er aber momentan noch nicht sagen. «Das können wir erst in fünf bis sechs Monaten beurteilen.»

Paris sei allgemein eher im Frühling oder Herbst ein begehrtes Reiseziel. Viele Schweizer, die dem kalten Wetter nicht mehr trotzen wollen, fliegen an die Sonne. Vor allem die Kanarischen Inseln seien ein häufiges Reiseziel, bestätigt er Aussagen anderer Reisebüros.

«Auch Thailand steht ganz oben auf der Liste. Doch für eine Woche fliegen wenige Sonnenhungrige so weit. Es kommt immer darauf an, wie viele Freitage die Kunden ‹opfern› wollen. Wenn sie auf Wochentage fallen, lohnt es sich», beobachtet Schneeberger.

An Silvester lägen vor allem Städtereisen im Trend. «Auch hier ist noch offen, ob die Nachfrage zurückgegangen ist. Es gab aber bislang keine einzige Annullierung. Die Menschen verreisen weiter über die Festtage.»

Kaum kurzfristige Buchungen

Ein Spezialist für Carfahrten vor und während der Feiertage ist die Gast AG in Utzenstorf. «Seit über 35 Jahren bieten wir ein- und mehrtägige Fahrten an Weihnachtsmärkte in Deutschland und Frankreich sowie in den letzten Jahren auch an Märkte in der Schweiz an», sagt Daniel Gast, Mitglied der Geschäftsleitung.

Dieses Jahr führt das Familienunternehmen zwölf verschiedene Märkte-Reisen durch. «Die Fahrten sind häufig gut gebucht und geben unserer Firma während der Winterzeit eine willkommene Grundauslastung», so Gast. «Bei uns hat sich die Nachfrage seit den Terroranschlägen im November in Paris nicht wesentlich verändert.»

Ein Grund dafür sei womöglich die oft schon frühe Buchung der Reisen. «Kurzfristige Anmeldungen sind in diesem Jahr aber eher die Ausnahmen. Annullationen hatten wir keine zu verzeichnen.»

Die Kunden seien gegenüber Car-Reisen positiv eingestellt. «Ab und zu fragt jemand, ob es denn sicher sei; aber ernst gemeint ist das nicht wirklich. Die Menschen wollen zum Glück immer noch reisen und lassen sich nicht einschüchtern», sagt Gast.

Weniger Mehrtagesfahrten

Auch beim Carreiseunternehmen Schneider Reisen in Langendorf sind die Terror-Anschläge in Paris kaum spürbar. «Wir haben sehr viele Weihnachtsmarkt-Buchungen.

Gegenüber dem Vorjahr haben die Buchungen für Mehrtagesfahrten allerdings leicht abgenommen, was sicher mit den Ereignissen in Paris zu tun hat», berichtet Sarah Schmitter-Lüthi, Mitglied des Reiseteams von Schneider Reisen.

Die Tagesfahrten hätten aber im Vergleich zum letzten Jahr zugenommen. «Für uns sind die Weihnachtsmarkt-Fahrten eine gute Ergänzung zu unserem übrigen Reiseangebot.»

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