Der Kampf um Hotelgäste wird immer härter geführt. Nicht nur buhlen jeweils mehrere Hotels in derselben Region um Gäste, plötzlich spielen auch ausländische Anbieter aktiv mit. So liess das Wellnesshotel Fini-Resort aus dem süddeutschen Badenweiler kürzlich Flyer am Wochenmarkt in Solothurn verteilen. Geworben wird mit Schlemmer-Weekends – fast zu Dumpingpreisen. Da kostet das Weekend mit zwei Übernachtungen, Halbpension und unzähligen Extras 179 Franken pro Person, notabene in einem Vier-Sterne-Hotel. Möglich macht dies der starke Franken, welcher Urlaub im benachbarten Deutschland noch günstiger macht.

Trotz dieser Avancen und trotz Frankenstärke hat sich die Hotellerie im Kanton Solothurn im ersten Halbjahr 2015 gut geschlagen. Während landesweit die Zahl der Logiernächte um 0,6 Prozent gesunken ist, wurden in den Solothurner Hotels mit rund 186 000 stolze 5,2 Prozent mehr Übernachtungen als im Vorjahreszeitraum registriert. Erstaunlich dabei ist, dass sowohl die Gäste aus der Schweiz wie aus dem Ausland deutlich zugelegt haben.

Innerhalb der wichtigsten Destinationen im Kanton gibt es aber grosse Unterschiede. Sehr gut entwickelte sich mit einer Zunahme von fast 16 Prozent die Hotellerie in Egerkingen, direkt am Autobahnkreuz A1-A2. «Diese Entwicklung können wir mit einem Plus von 11,5 Prozent bestätigen», erklärt Ute Dirks, Geschäftsleiterin des Mövenpick Hotels, mit 137 Zimmern und 220 Betten das grösste Haus am Verkehrsknotenpunkt. Es sei aber nicht so, dass der starke Franken nicht spürbar wäre. Der Anteil der Gäste aus Deutschland nimmt ab. Viele individuelle Gäste übernachteten in den anliegenden Euroländern, wie Dirks beobachtet. Laut Angaben des Bundesamtes für Statistik haben in allen Hotels in Egerkingen in den ersten sechs Monaten 30 Prozent weniger Deutsche genächtigt. Das Mövenpick hat bereits vor drei Jahren auf diese Entwicklung reagiert. «Wir haben begonnen, uns auf andere Segmente wie das Gruppenreisengeschäft zu konzentrieren. Das wirkt sich positiv aus und wir können den Verlust aus den Euroländern ausgleichen», berichtet Dirks. Auch hier liefert das Bundesamt die Bestätigung: In Egerkingen stieg die Zahl der Gäste aus Indien um 13 Prozent, jene aus China hat sich auf über 4000 mehr als versechsfacht.

Neben Grenchen (plus 12,3 Prozent) hat auch die Oltner Hotellerie zweistellig zulegen können. Einerseits sei die Nachfrage der Businessgäste für Seminare, Tagungen und Kongresse konstant hoch geblieben, erläutert Stefan Ulrich, Geschäftsführer von Olten Tourismus. Die Bemühungen der Hotels, der Wirtschaftsförderung und auch von Region Olten Tourismus/Olten Meetings trügen erste Früchte. Andererseits habe auch ein statistischer Effekt zum guten Halbjahresergebnis geführt, gesteht Ulrich ein. Das Hotel Oltnerhof mit 30 Zimmern und 45 Betten sei erst im Mai 2014 eröffnet worden. «Das Angebot dieses Hotels konnte im laufenden Jahr während sechs Monaten gerechnet werden, hingegen im Vorjahr nur während knapp zwei Monaten.» Auch die Zahl der Logiernächte ausländischer Gäste ist gegen den nationalen Trend um immerhin zwei Prozent gewachsen. Städtische Destinationen wie Olten hätten sicher weniger unter dem starken Franken als ländliche und alpine Destinationen gelitten, beobachtet Ulrich. Es werde sich aber im zweiten Halbjahr zeigen, ob und wie der Wechselkurs via Abschwächung der Wirtschaft und Spardruck die Buchungszahlen beeinflussen werde. Insgesamt rechnet er damit, dass der letztjährige Rekord mit fast 60 000 Logiernächten erreicht werden könne.

Zwar bleibt die Stadt Solothurn mit fast 40 000 Übernachtungen im ersten Halbjahr Klassenprimus im Kanton. Aber das sind 4,2 Prozent weniger als in der Vorjahresperiode. Insbesondere wurden deutlich weniger Schweizer Gäste gezählt. Vorab in den Frühjahrsmonaten sei der Rückgang deutlich gewesen, erklärt der Solothurner Verkehrsdirektor Jürgen Hofer. Er vermutet, dass die lange und gute Skisaison das ihre dazu beitrug. «Und angesichts des starken Frankens machen wohl tatsächlich mehr Schweizer Ferien im Ausland, was letztlich auch Städtedestinationen tangiert.» Über alles gesehen hätten sich die Stadtsolothurner Hotels aber auf einem sehr guten Belegungsniveau und vor allem auf einem guten Preisniveau gehalten. «Es gibt keinen Grund für Alarmstimmung, auch wenn das letztjährige Rekordergebnis wohl nicht erreicht wird.» Für das Hotelgewerbe gelte es dranzubleiben. «Das Potenzial für mehr Logiernächte in Solothurn ist durchaus vorhanden.»

Ähnlich schätzt Daniel Siegenthaler, Direktor des Ramada, die Lage ein; obwohl das grösste Haus am Platz im ersten Halbjahr 2015 einen leichten Rückgang der Logiernächte verzeichnete. «Wir modernisieren derzeit alle 100 Zimmer und haben daher zeitweise nur rund zwei Drittel der Kapazität zur Verfügung», begründet er unter anderem das Minus. Ab Mitte August werde dann wieder die volle Kapazität zur Verfügung stehen. «Der Herbst ist schon wieder sehr gut gebucht.» Es werde aber schwierig werden, das Rekordjahr 2014 mit rund 34 000 Logiernächten zu toppen. «2015 sollte dennoch trotz teilweise weniger Kapazitäten und einem kleinen Einfluss der Frankenstärke ein sehr gutes Jahr werden.»