Sein Herumgeballere mit einer Pistole sei keine Gefährdung des Lebens gewesen. Das hat das Solothurner Obergericht heute entschieden. Deshalb muss Alban K.* nicht ins Gefängnis. Der Kosovare kommt damit vor dem Obergericht glimpflicher weg als vor dem Amtsgericht Thal-Gäu.

Die Tat war im Februar 2016 geschehen. Alban K.* war Mitinhaber einer Maler-, Gipser- und Baufirma. Franz S. hatte bei ihm den Bau einer Mauer in Auftrag gegeben, obwohl er wusste, dass er dies nicht mehr bezahlen konnte. Franz` Geschäft ging bald nach Auftragserteilung Konkurs. Als Alban erfuhr, dass Franz blank war, fuhr er wütend mit einer Pistole zu ihm und schoss auf offenem Betriebsareal drei Mal in den Boden. Das Amtsgericht Thal-Gäu verurteilte den Kosovaren wegen Gefährdung des Lebens, Nötigung sowie weiterer Delikte zu einer Gefängnisstrafe von 18 Monaten, wovon 12 nur bedingt ausgesprochen wurden, 6 Monate hätte er tatsächlich absitzen müssen.

Alban bestritt nach diesem erstinstanzlichen Urteil, dass er Franz` Leben gefährdet haben soll und legte Berufung ein. Er wollte vor allem nicht ins Gefängnis. Ein Erfolg: Das Obergericht mit den Richtern Daniel Kiefer, Marcel Kamber und Barbara Streit-Kofmel erachtete es gestern als nicht bewiesen, dass Alban auf Franz gezielt oder auf ihn geschossen hat. Es geht davon aus, dass die Schüsse zehn Meter von Franz einschlugen, und dass der Schütze nicht direkt auf ihn geschossen hat.

Im mündlichen Urteil würdigte das Gericht die Argumente des Staatsanwaltes betreffend Lebensgefährdung nicht, etwa dass Alban vorher noch nie mit einer Pistole geschossen hat und dass er als Rechtshänder mit der linken Hand geschossen hat und dazu erst noch mit geschlossenen Augen. Ebensowenig dass er sehr aufgebracht war. Es hielt aber fest, dass es unter den damals fünf Anwesenden keine unabhängigen Zeugen gegeben habe. Und es gab an, dass es die Einschussdistanz von zehn Metern «in dubio pro reo» festlege. Allerdings habe Alban bewusst eine Waffe mitgenommen, damit Franz ihn ernst nehme. Franz habe nicht mit ihm sprechen wollen, «was er als herablassend empfunden hat».

Für die verbleibenden Delikte musste das Gericht ein Strafmass festsetzen. Beim höchsten davon, der versuchten Nötigung, sagte Kiefer, Alban K. habe damit erreichen wollen, dass Franz mit ihm spreche. «Das ist ein massives Nötigungsmittel. Es ist gefährlich, herumzuschiessen.» Alban kassierte eine bedingte Freiheitsstrafe von 10 Monaten bei einer Probezeit von drei Jahren. Bezahlen muss er zudem eine Geldstrafe von 110 Tagessätzen zu 120 Franken, eine Busse von 200 Franken, Verfahrenskosten für das erstinstanzliche Urteil und einen Viertel der Verfahrenskosten des zweiten Verfahrens.

*Namen geändert