Film ab

Trotz schlechtestem Jahr bleiben die Kinobetreiber zuversichtlich

Die Betreiber hoffen auf Kassenschlager, die die Kinos füllen.

Die Betreiber hoffen auf Kassenschlager, die die Kinos füllen.

Viele Kinosäle im Kanton Solothurn blieben noch nie so leer wie im 2014. Dazu beigetragen hat auch die Fussball-WM. Regionale Besitzer hoffen für dieses Jahr auf bessere Produktionen.

Es war kein gutes Jahr für die Schweizer Kinobetreiber. Die Besucherzahl sank 2014 gegenüber dem Vorjahr um gut eine halbe Million. Der Branchenverband Procinema rechnet mit insgesamt 13,1 Millionen verkauften Tickets; zwei Jahre vorher waren es noch 15,5. Damit geht 2014 in die Geschichte ein als das schlechteste Kinojahr, seit überhaupt Besucherzahlen erfasst werden – also seit 1955.

Inwiefern sind die Solothurner Betreiber von dieser Flaute betroffen? Müssen sie bald um ihre Existenz fürchten? «Im Gegenteil», sagt Angel Rodriguez, Betreiber der Kinos Palace und Rex in Grenchen. Die genauen Zahlen habe er zwar noch nicht, doch 2014 sei sogar besser gewesen als das Vorjahr. Wirtschaftliche Sorgen macht sich Rodriguez deshalb nicht, zumal dieses Jahr vielversprechende Filme auf die Leinwand kämen: «Fifty Shades of Grey», «Fast and Furious 7», der letzte Teil von «The Hunger Games», ein neuer «Star Wars»-Film, der neue James Bond. Zumindest in Grenchen scheint die Kinowelt also in Ordnung.

Konkurrenz nimmt zu

Nicht ganz so rosig sieht es Robert Hediger, der Besitzer des Kinos Onik in Oensingen: «Derart schlecht lief es in unserem 13-jährigen Bestehen noch nie», sagt er und fügt an: «Wenn es so weitergeht, müssen wir wohl bald schliessen.»

Allein in den letzten beiden Jahren gingen beim «Onik» die Besucherzahlen jeweils um 10 Prozent zurück. Für ihn, als Betreiber eines kleinen Nischenkinos, sei es doppelt schwierig, sagt Hediger. Erstens könne er nicht mit dem Multiplexkino in Oftringen konkurrieren, zweitens setzte er auf anspruchsvolle Filme. Das Problem: Je anspruchsvoller der Film, desto schlechter laufe der Kiosk. Und dieser sei neben der Werbung die wichtigste Einnahmequelle. Hediger hofft nun auf die Unterstützung der Gemeinde. Zwar müsse er als Pensionär mit dem Kino keinen Gewinn erwirtschaften, weitere Verluste könne er indes auch nicht länger tragen. Deshalb wünsche er sich eine Defizitgarantie, damit das «Onik» erhalten bleibe. Zumindest in diesem Jahr soll dies noch der Fall sein – dank der namhaften Filme, die auf die Leinwand kommen.

Besucherzahlen rückläufig

Dass es schwieriger geworden ist, stellen auch die Betreiber in Solothurn fest: «Man merkt schon, dass die Besucherzahl nach und nach zurückgeht», sagt Ines Frey, die Co-Betreiberin des «Canva». An den Filmen liege es indes nicht. Vielmehr verstärke sich durch die Multiplexkinos die Konkurrenz. Und mit immer grösser werdenden Fernsehern richteten sich manche Leute zu Hause selber kleine Kinos ein. Aufgeben wollen die «Canva-Betreiber jedoch nicht. Frey: «Noch immer ist Kino ein spannendes Metier.»

Für Heinz von Gunten, der die Solothurner Kinos Palace und Capitol führt, ist es absehbar gewesen, dass 2014 kein gutes Jahr würde. Er rechnet mit einem Rückgang von sieben bis acht Prozent. Wie erklärt er sich das schlechte Jahr? Gewiss sei es heute härter geworden, gegen die Freizeitindustrie zu konkurrieren, sagt er. Mit speziellen Angeboten wie den Kindervorführungen, dem Seniorenkino oder der Ladies Night will von Gunten attraktiv bleiben.

Zum schlechten Resultat habe aber vor allem eines beigetragen: die Fussball-WM. Diese verursachte gewaltige Einbussen: Weil weniger Besucher gekommen seien und weil die Verleiher in dieser Zeit keine Filme herausgebracht hätten. Das «Capitol» und das «Palace» blieben deshalb je für zwei Wochen geschlossen. Immerhin sorgte vor Weihnachten der letzte Teil der «Hobbit»-Trilogie doch noch für einen versöhnlichen Abschluss. «Ein schöner Endspurt», sagt von Gunten.

Allein ein schlechtes Jahr kann einen erfahrenen Kinobetreiber wie von Gunten nicht aus der Ruhe bringen: Während der 42 Jahre in der Branche, habe er so manche Schwankung miterlebt. «Mal lief es, mal nicht.» Das könne sich von Jahr zu Jahr ändern. Und 2015 habe bereits gut begonnen. «Wir erwarten ein erfolgreiches Jahr», sagt er.

Ein Film macht Unterschied

Die Kinobetreiber müssten sich nicht allzu grosse Sorgen machen. Davon ist jedenfalls René Gerber, der Geschäftsführer von Pro Cinema überzeugt. Im vergangenen Jahr hätten die gezeigten Filme den Zuspruch des Publikums nicht erreicht. Aber: Bereits ein erfolgreicher Film könne die Besucherzahl massiv nach oben treiben. 2012 habe «Skyfall», der letzte Bond-Film, über eine Million Eintritte gebracht. Gut möglich, dass dies beim neuen Bond-Film 2015 wieder der Fall sein wird.

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