Tourismus
Tourismus-Chef Jeger will die Neandertaler ins Schwarzbubenland holen

Der Präsident des Schwarzbubenland Tourismus Fabio Jeger äussert sich zu künftigen Projekten, die in der Region durchgeführt werden. Vor allem für Tagestouristen sei das Schwarzbubenland attraktiv.

Simon Tschopp
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Fabio Jeger: «Was soll ich sagen? Ich bin Thiersteiner.»

Fabio Jeger: «Was soll ich sagen? Ich bin Thiersteiner.»

Juri Junkov/Fotograf

Herr Jeger, das Schwarzbubenland ist keine typische Feriengegend. Wie positioniert sich Ihr Verein?

Fabio Jeger: Unsere Region ist eine für Kurzaufenthalter. Wir leben primär vom Tagestourismus, der auch rege genutzt wird. Unser Ziel ist aber, Angebote zu schaffen, damit wir den Gast länger im Schwarzbubenland halten können, vielleicht für eine Übernachtung oder für ein verlängertes Wochenende. Inzwischen existiert ein solches Angebot: Via Surprise. Das Projekt steht in der Vermarktungsphase. (Via Surprise setzt sich aus einer Rundroute, unterteilt in sieben Tagesetappen, und den Zubringern aus den umliegenden Städten zusammen. Von Basel und Liestal ist die Rundroute innerhalb eines Tages zu erreichen, Anm. d. Red.).

Die Region besteht aus den Bezirken Dorneck und Thierstein. Welches ist touristisch gesehen der attraktivere?

Was soll ich sagen? Ich bin Thiersteiner (lacht). Im Dorneck läuft momentan deutlich mehr – mit dem Goetheanum in Dornach und dem Kloster Mariastein. Das sind absolute Highlights. Natürlich gehört auch das Museum für Musikautomaten in Seewen dazu. Das Plateau auf dem Gempen ist sehr beliebt, dasjenige im Dreieck Metzerlen-Mariastein-Hofstetten ist an Wochenenden ebenfalls stark frequentiert. Auch das Passwanggebiet dürfen wir nicht ausser Acht lassen. Kurz: Wandern, Biken im Thierstein, Sehenswürdigkeiten im Dorneck.

Geniesst das Dorneck einen besonderen Status in Ihrer Vermarktung?

Nein. Das Kloster Mariastein vermarktet sich selber sehr erfolgreich, ebenso das Goetheanum. Die Anthroposophen haben Besuch aus der ganzen Welt. Künftig werden wir den Fokus vermehrt auf Dornach legen, um von diesen Frequenzen profitieren zu können. Wir zügeln nächstes Jahr unsere Geschäftsstelle ins neue Gebäude des Neuen Theaters am Bahnhof. Wir wollen dort unsere Klientel darauf aufmerksam machen, dass es in der Region noch andere Leckerbissen gibt als das Kloster Mariastein und das Goetheanum.

Tritt Ihr Verein auch in anderen Regionen auf, um das Schwarzbubenland bekannt zu machen?

Sofern es finanziell möglich ist, machen wir das. Wir waren als Gastregion an der Herbstmesse Solothurn vor zwei Jahren und mit einem Stand vertreten. Auch auf dem Stoos waren wir schon an einer Ausstellung.

Vor zwei Jahren erklärten Sie gegenüber der bz, das Vernetzen mit den verschiedenen Playern für Pauschalangebote sei eine Hauptaufgabe, aber auch enorm zeitintensiv. Sind Sie weitergekommen?

Das Problem ist, dass uns hier die Ressourcen fehlen. Mit Via Surprise haben wir jedoch ein erfolgversprechendes Projekt realisieren können. Dank finanzieller Mittel aus der Neuen Regionalpolitik des Bundes (NRP) können wir professionell arbeiten und gegebenenfalls Aufträge an Dritte abgeben. Dieses Projekt unter Federführung von Kanton Solothurn Tourismus wird vom Naturpark Thal geleitet und dauert vier Jahre. Hier können wir neue, äusserst interessante Player mit ins Boot holen. Das Verhandeln über Preise und Vermittlungsbeiträge ist aber schwierig, weil dies zum Teil für unsere Partner ein völlig neues Thema ist. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen. Und es braucht Zeit. Trotzdem stimmen uns erste Erfolge sehr zuversichtlich.

Die Gegend, die Sie vermarkten, ist ein Naturgebiet. Tourismus bedeutet mehr Verkehr. Ein Zielkonflikt, oder?

Logisch. Aber wir halten dagegen, indem wir primär nicht mehr Besucher zu uns locken, sondern die bestehende Kundschaft besser abholen wollen. Diese soll über neue Angebote mehr Wertschöpfung generieren. Derzeit planen wir einen zusätzlichen Themenpfad, der vor allem für Familien interessant sein dürfte. Ähnliche Modelle gibt es schon in der Schweiz, beispielsweise in Meiringen mit dem «Muggestutz». Uns schwebt ein «Neandi-Pfad» über die Neandertaler vor. Wo und wann genau er entstehen wird, ist noch offen.

Sie haben die Geschäftsstelle in den letzten Jahren sukzessive ausgebaut und das Arbeitspensum der Geschäftsführerin erhöht. Das kostet Geld.

Die Teilzeitstelle und die Lokalmiete in Gempen verschlingen den Löwenanteil unseres Budgets. Deshalb bleibt fürs Marketing wenig Geld übrig. Unsere Projekte können wir nach wie vor weitgehend mit Sponsorengeldern finanzieren.

Trägt der Ausbau der Geschäftsstelle Früchte?

Ich denke schon. Unser Verein hat zwei Hauptaufgaben: die Region zu vermarkten und Angebote zu schaffen sowie die Region fit zu machen für den Tourismus. Für Letzteres ist das Schwarzbubenland noch nicht so weit. Es herrscht zum Teil die Meinung, eine touristische Vermarktung hätte negative Auswirkungen auf die Region, die sich für dieses Marktsegment nicht eigne. Wir sind aber überzeugt, das Schwarzbubenland über den Tourismus als Wohn-, Arbeits- und Freizeitregion bekannt machen zu können. Dies führt unweigerlich zu einer Verbesserung der Angebote in der Region und zur Steigerung der Lebensqualität für alle.

Nächstes Jahr feiert Schwarzbubenland Tourismus sein 20-Jahr-Jubiläum. Haben Sie etwas Spezielles geplant?

Auf die Jubiläumsgeneralversammlung 2015 ist ein neues, rund 170 Seiten umfassendes Wanderbuch geplant mit dem Titel «Das Schwarzbubenland von Gempen bis Kleinlützel». Wir werden dieses als Jubiläumsgeschenk gratis abgeben. Stark diskutieren wir derzeit auch, wie wir nach dem Umzug nach Dornach künftig mit der Wirtschaftsförderung Forum Regio Plus zusammenarbeiten wollen. Denn: Tourismusförderung ist auch Wirtschaftsförderung. Wir möchten die Synergien noch besser nutzen. Eine Fusion ist denkbar.