Dokfilm
Toll aufgewärmt

Der Dokfilm, den SRF im April über Grenchen gezeigt hatte, löste in der Uhrenstadt wütende Reaktionen aus. Der Ombusmann vom SRF wies die Beschwerden jedoch ab. Es sei die Freiheit der Journalisten, wie sie ihren Beitrag gestalten, findet er.

Theodor Eckert
Theodor Eckert
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Der Dokfilm «Die schweigende Mehrheit» löste heftige Reaktionen aus.

Der Dokfilm «Die schweigende Mehrheit» löste heftige Reaktionen aus.

Karin Bauer

Zuhauf werden uns Ranglisten – Pardon Rankings – vorgesetzt, die uns weismachen wollen, welches die attraktivsten Hotels, die beliebtesten Politiker, die reichsten Eidgenossen oder die attraktivsten Wohngemeinden sind. Na ja, für einige mag das unterhaltsam sein. Bezüglich Tops und Flops sind sie zumindest ein Fundus für weitere Mediengeschichten. Mittelmass interessiert nicht. So ist Grenchen als Goldküsten-Kontrapunkt ins Visier einer Filmemacherin geraten – und arg unter die Räder gekommen. Zumindest in der Uhrenstadt ist man dieser Meinung. Unbeteiligte Betrachter neigen eher zum Schmunzeln.

Nun, die schonungslose Annäherung an zielsicher ausgesuchte Hauptdarsteller könnte längst Schnee von gestern sein. Ist es aber nicht, da die aufgewühlten Grenchner Seelen den Ombudsmann des Schweizer Fernsehens bemühten und sich Streicheleinheiten erhofften. Doch dessen Anteilnahme besteht lediglich darin, dass er wortreich Medienkunde betreibt, für die Entstehung des Films und die Beweggründe der TV-Frau Verständnis zeigt und deren handwerkliche Kunst nicht in Zweifel ziehen mag. Was ja auch nicht ernsthaft zu erwarten war.

Wer sich durch den Papierstapel des Ombudsmannes kämpft, entwickelt eine gehörige Portion Bedauern: Mit dem Verfasser der unzähligen Seiten zum einen und zum andern mit den Grenchnern, denen das Debakel jetzt auch noch in schriftlicher Form – zum Einrahmen und Aufbewahren – um die Ohren fliegt. Dabei hätte sich das Gequassel ins Fernseh-Mikrofon längst verflüchtigt gehabt.

theodor.eckert@azmedien.ch