Unfall Oberbuchsiten

Tödlicher Unfall im Januar 2016: Winterdienst nimmt erstmals Stellung zu Vorwürfen

Bei einem Unfall zwischen einem Lieferwagen und einem Pkw im Januar 2016 in Oberbuchsiten kam der 21-jährige Lenker des Kleinwagens ums Leben. Weil auf der Fahrbahn winterliche Verhältnisse herrschten, wurde unter anderem die Schuld beim Winterdienst gesucht. Dieser nimmt nun erstmals Stellung.

Am Dienstag verurteilte das Amtsgericht einen Lieferwagenlenker wegen fahrlässiger Tötung. Vor knapp vier Jahren, am 18. Januar, verlor der damals 51-Jährige erfahrene Lieferwagenchauffeur auf der Hauptstrasse zwischen Oberbuchsiten und Egerkingen die Kontrolle über sein Fahrzeug und kollidierte mit einem Kleinwagen. Der 21-jährige Pkw-Lenker erlag anschliessend seinen Verletzungen. Aufgrund nächtlicher Schneefälle und Temperaturen weit unter Null herrschten auf der Fahrbahn an jenem Morgen prekäre Verhältnisse.

Aus diesem Grund löste der Unfall damals eine Diskussion um den Winterdienst aus: War die Strecke richtig enteist worden? Im Anschluss an den folgenschweren Unfall in Oberbuchsiten im Jahr 2016 ging diese Zeitung der Frage nach, ob der Winterdienst funktioniert hatte. In Oberbuchsiten, Egerkingen und Härkingen kam es damals zu einer Häufung von Unfällen. Bei der Gerichtsverhandlung am Dienstag griff die Verteidigung des Angeklagten diese Thematik auf und äusserte Vorbehalte. Der Winterdienst habe an jenem Morgen schlecht gearbeitet, argumentierte die Anwältin in ihrem Plädoyer. Urs Strähl vom Kreisbauamt nimmt auf Anfrage dieser Zeitung erstmals Stellung und streitet die Vorwürfe vehement ab. Im Winter 2016 äusserte sich das Kriesbauamt nur verhalten, da die Staatsanwaltschaft ermittelte.

Strähl hatte als Strassenmeister des Kreis II am Morgen des 18. Januars 2016 Pikettdienst. An den Unfalltag erinnert er sich genau. «Eine Stunde vor dem Unfall wurde auf der Strecke gesalzen», sagt er. Das wisse er aufgrund eines Überwachungssystems, das sich auf jedem einzelnen Fahrzeug befindet, das zum Winterdienst ausfährt. Es halte fest, wann, wo, wie viel und wie breit gesalzen und gepflügt wurde, erklärt Strähl. Nach der Salztour werde jeweils ein Kontrollfahrzeug nachgeschickt, das die Temperatur des Bodens messe. «Sobald es wieder glatt wird, wird erneut der Salzstreuer aufgeboten.» 

Der Winterdienst sei sich daher keines Fehlers bewusst. Auch die damals erbrachten Vorwürfe, dass in der Region Oensingen besserer Winterdienst geleistet würde, weist er von sich. Er habe in seinen 16 Jahren im winterlichen Pikettdienst nie bemerkt, dass unter den Regionen unterschiedliche Strassenverhältnisse bestünden. Er begründet: «Dasselbe Salzfahrzeug, das auf der besagten Unfallstrecke unterwegs war, war von Niederbipp her gekommen und hatte eine Runde über Egerkingen, Hägendorf und Kestenholz gemacht.» So habe der Winterdienst nach dem tödlichen Unfall von Oberbuchsiten auch nicht die Räumungs-Praxis angepasst. Auch Strähl sieht den Fehler beim Fahrer, der die Strassenverhältnisse falsch eingeschätzt hatte. 

Schliesslich fällte das Gericht am Dienstag das Urteil, dass der Fehler beim Lieferwagenlenker lag und nicht an äusseren Faktoren: Der Mann habe gewusst, wie prekär die Verhältnisse auf den Strassen waren und habe dennoch mit deutlich überladenem Fahrzeug auf der Hauptstrasse in Oberbuchsiten in Richtung Egerkingen fahrend beschleunigt und die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren. (gue)

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