Obergericht
«Todesfahrer von Zürich» weist Vergewaltigungs-Vorwurf von sich

Der Mann, der 2009 in Schönenwerd versucht haben soll, eine Frau zu vergewaltigen, weist den Vorwurf vehement von sich. «Die Frau erzählt Schwachsinn», meinte der als «Todesfahrer von Zürich» bekannte Oliver B. vor Gericht.

Hanspeter Schläfli
Merken
Drucken
Teilen
Vor der «Lambada Bar» an der Zürcher Langstrasse raste der Schönenwerder 2012 in eine Menschengruppe, die vor der Bar stand. (Archiv)

Vor der «Lambada Bar» an der Zürcher Langstrasse raste der Schönenwerder 2012 in eine Menschengruppe, die vor der Bar stand. (Archiv)

Newspictures

Am 15. November 2009 soll Oliver B.* in einer Wohnung oberhalb der Schönenwerder Latino-Bar versucht haben, Mary P.* zu vergewaltigen. Der in einem anderen Strafverfahren unter der Schlagzeile «Todesfahrer von Zürich» bekannt gewordene, heute 29-jährige Schweizer wehrt sich aber vehement gegen die Vergewaltigungsvorwürfe.

Das Amtsgericht Olten-Gösgen sprach Oliver B. der versuchten Vergewaltigung schuldig und das Solothurner Obergericht bestätigte das erstinstanzliche Urteil. Das Bundesgericht hob dann aber den Schuldspruch wieder auf, weil dem Angeklagten das Recht auf eine Konfrontation mit dem Opfer nicht gewährt worden war. So wurde in den Räumen der Solothurner Kantonspolizei eine neue Vernehmung des Opfers und des Angeklagten mittels Videoübertragung durchgeführt, die sich in zwei unterschiedlichen Räumen aufhielten. Die Öffentlichkeit war von diesem Teil des Verfahrens ausgeschlossen.

Nur ein Seitensprung?

Wie die Vorgänge in den Räumen oberhalb der Latino-Bar zu interpretieren sind, da waren sich die Parteien gar nicht einig. In der Anklageschrift steht, Oliver B. habe sein Opfer brutal die Treppe hinaufgetrieben, minutenlang ins Gesicht geschlagen und gezwungen, sich auszuziehen und seinen Penis in den Mund zu nehmen. «Die Aussagen des Opfers sind immer gleich, der Ablauf ist immer identisch», sagte Staatsanwältin Judith Zimmermann in ihrem Plädoyer. «Die Aussagen des Opfers sind glaubhaft. Wenn man ihr zuhört, dann kann man sich den Ablauf bildlich vorstellen.»

Ganz anderer Meinung war Rechtsanwalt Stefan Ioli, der Oliver B. verteidigte. Der Lärm hätte in dem ringhörigen Haus den dort anwesenden Zeugen alarmieren müssen. «Während zehn langen Minuten gab aber Mary P. im Zimmer keinen Laut von sich», war eine seiner Kernaussagen. «Das kann nur dadurch erklärt werden, dass sie keinen Grund hatte und gar nicht schreien wollte.» Der Verteidiger sprach deshalb von einem einvernehmlichen Seitensprung. Beide Beteiligten hätten zu diesem Zeitpunkt in festen Beziehungen gelebt.

Dann habe es genau wegen unbedachter Äusserungen über die jeweiligen Lebenspartner einen heftigen Streit gegeben. «Den Lärm des Streites hörte der zukünftige Schwiegervater, der darauf die beiden in flagranti erwischt hat», sagte der Verteidiger und lieferte damit das Motiv für eine mögliche falsche Beschuldigung. «Sie hat den missglückten Seitensprung zu einer versuchten Vergewaltigung aufgebauscht, weil sie um ihre Ehre und um die geplante Heirat mit dem Vater ihres Kindes fürchtete.» Gegen die Schilderung des Opfers spreche auch, dass die gerufene Polizei nur eine kleine Beule rapportiert hatte. «Wenn sie während mehr als 10 Minuten immer wieder brutal ins Gesicht geschlagen worden war, wie sie behauptet, dann hätte die Polizei viel schwerere Verletzungen feststellen müssen.»

Die Staatsanwältin war mit dieser Interpretation der Ereignisse nicht einverstanden. «Sie hätte innert Sekunden von der einvernehmlichen Affäre umschalten und eine Vergewaltigung erfinden und schauspielern müssen. Das ist kaum vorstellbar.» Die Staatsanwaltschaft forderte deshalb einen Schuldspruch, eine Zusatzstrafe von 18 Monaten zur bestehenden Freiheitsstrafe und eine Massnahme zur Behandlung der Alkoholsucht des Angeklagten. Die Verteidigung forderte, das Urteil sei aufzuheben und der Angeklagte vollumfänglich freizusprechen.

Kein unbeschriebenes Blatt

«Wir sind heute nicht hier, weil ich um die Länge meiner Haftstrafe feilschen will», sagte Oliver B., als er sein Recht auf das letzte Wort wahrnahm. «Ich bin zu Recht im Gefängnis. Aber ich kämpfe gegen eine Verurteilung wegen Vergewaltigung, weil ich für etwas beschuldigt werde, das ich nicht gemacht habe. Die Frau erzählt Schwachsinn.»

Oliver B. ist nämlich kein unbeschriebenes Blatt. Bereits einmal hatte er sich erfolgreich gegen Vergewaltigungsvorwürfe gewehrt. Im Februar 2012 brauste er betrunken mit seinem goldfarbenen Chrysler durch die Langstrasse und fuhr vor der Lambada-Bar einen Mann tot. Vier weitere Personen wurden verletzt.

Amokfahrt an der Langstrasse
13 Bilder
 «Es gab mindestens einen Toten und mehrere Verletzte», sagt René Ruef, Sprecher der Stadtpolizei Zürich.

Amokfahrt an der Langstrasse

Newspictures

Zudem sollte er kurz vor der tödlichen Fahrt eine Frau mit einer Stahlrute zusammengeschlagen und dann vergewaltigt haben. Vom Zürcher Obergericht wurde er wegen fahrlässiger Tötung zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren und sechs Monaten verurteilt, aber von den Vorwürfen der Vergewaltigung freigesprochen.

Das Urteil wird am kommenden Montag verkündet.

Namen von der Redaktion geändert.