Interview

Tobs-Schauspielchefin: «Corona-Auswirkungen werden noch bis in die übernächste Spielzeit reichen»

Katharina Rupp im Stadttheater Solothurn, welches seit 16. März geschlossen ist. (Archivbild)

Katharina Rupp im Stadttheater Solothurn, welches seit 16. März geschlossen ist. (Archivbild)

Katharina Rupp, Schauspielchefin des Theaters und Orchesters Biel Solothurn (Tobs), über die Theatersituation.

Welches war die letzte Vorstellung des Tobs im Stadttheater Solothurn und wie erlebten Sie diese?

Katharina Rupp: Es war die erst zweite Vorstellung von «Romeo und Julia» am 10. März. Wir hatten damals schon die Auflage, das Publikum auf 150 Personen zu beschränken. Es sind aber bereits etwas weniger erschienen. Die Corona-Vorsicht war spürbar. Für uns war es ohnehin bedrückend, weil wir ahnten, dass jetzt der Abbruch kommt. Ab 16. März musste dann der Proben- und Vorstellungsbetrieb eingestellt werden. Wir arbeiten seither vorwiegend im Homeoffice.

Wie arbeiten Sie derzeit mit den SchauspielerInnen? Proben sind ja abgesagt.

Wir können uns weder versammeln noch proben. Das Abstandsgebot wäre nicht einzuhalten und die Schauspieler wären natürlich einer Tröpfchenübertragung ausgeliefert. Das Ensemble ist dabei, mit Lesungen, Songs in digitalen Formaten auf unserer Homepage den Kontakt zum Publikum zu halten. Auf unserer Website findet man unter der Rubrik tobs@home mehrere Videogrüsse aus allen Sparten, die fortlaufend erweitert werden. Und untereinander sind wir natürlich weiterhin im Austausch.

Wie gestaltet sich Ihre persönliche Arbeit derzeit?

Ich habe einen fast normalen Büroalltag, der Arbeitsweg hat halt nur Flurlänge. Es gibt viel abzuklären, wie mit den unterbrochenen Produktionen und mit Verschiebungen umgegangen werden kann. Die rechtlichen Fragen sind auch für Theater und Behörden neu und komplex. Besprechungen machen wir telefonisch, Sitzungen per Skype oder Zoom. Unsere Teams kommen so trotzdem oft zusammen. Wir versuchen trotz vieler Ungewissheiten eine Planung anzugehen, also muss alles in mehreren Versionen bedacht werden. Denn alles was wir verschieben hat einen Dominoeffekt zur Folge. Ab späteren Nachmittag mache ich Textarbeit oder lese im Hinblick auf die zukünftige Spielplanung.

Wie planen Sie in diesen Zeiten?

Die Corona-Auswirkungen werden noch bis in die übernächste Spielzeit reichen. Wir müssten eigentlich weit im Voraus und bis ins Jahr 2022 planen können und müssen nun mehrere Versionen bereithalten. Entsprechend hoch ist auch der Stapel mit den Stücken, die es zu lesen gilt.

Sie können jetzt zwar Zukunftsmodelle erarbeiten, wirklich entscheiden wird sich aber erst nach dem 8. Juni etwas.

Über unsere Auftrittsmöglichkeiten im Vorsommer wissen wir hoffentlich bald mehr. Aber da die Entwicklung auch für Experten und Politik ständig neu zu bewerten ist, werden auch wir noch eine Weile mit rollender Planung leben müssen. Unsere Direktion ist in ständigem Austausch mit Behörden, Stiftungsrat und den Theatern. Viele Künstler kommen aus dem Ausland. Die Reisebeschränkungen und Quarantäne-Vorschriften sind streng und auch das hat Planungsauswirkungen.

Wie steht es eigentlich mit den finanziellen Entschädigungen für die im Kulturbereich Tätigen. Klappt es für die Theaterschaffenden?

Mitte März hörten wir vom Bundesrat, dass alles «schnell und unbürokratisch» geregelt wird. Kaum einer konnte sich zu ­diesem Zeitpunkt vorstellen, welche Konsequenzen dieser Lockdown haben würde. Der Aufwand für all die Unterstützungsanträge ist gross und einige Stellen in Verwaltung und Buchhaltung arbeiten dafür auf Hochtouren. Für die ersten Wochen gab es für die Theater bald finanzielle Unterstützungsgarantien. Unterdessen gibt es vermehrt Kurzarbeit. Viele freischaffende Mitarbeitende werden von den Ausfällen auf Dauer besonders betroffen sein, das macht mir Sorge.

Was passiert mit den nun nicht stattfindenden Theaterstücken «Romeo und Julia» und «Nichts geschenkt!»?

«Romeo und Julia» wollen wir so bald als möglich wieder aufnehmen, die Versionen dazu sind vorgeplant. Die Arbeiten für «Nichts geschenkt! – Eine kurze Geschichte der Frauenrechte in der Schweiz» mussten wir unterbrechen, werden sie aber fortsetzen. Wir haben fast ein Jahr dafür recherchiert. Mirjam Neidhart hat dafür ein Stück geschrieben und das Projekt wird vermutlich noch punktgenauer zur Feier von fünfzig Jahren Frauenstimmrecht zur Uraufführung kommen.

Normalerweise findet im Juni jeweils die Vorstellung der neuen Spielsaison statt. Wie stehts damit?

Wir hoffen, dass wir noch vor dem Sommer eine Präsentation des neuen Spielplans für die Zuschauer bieten können. Die Medienpräsentation dazu wird jedenfalls stattfinden.

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