Zoobericht
Tierschutz kritisiert Show-Tiger und Zucht weisser Tigerbabys

Der Schweizer Tierschutz hat den diesjährigen Zoobericht veröffentlicht. Beim Raubtierpark Subingen wird die Haltung der Katzen zu reinen Dressurzwecken bemängelt. Auf der Siky Ranch gibt die Zucht von weissen Tigern Anlass zur Kritik.

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Wurden unter die Lupe genommen: René Stricklers Raubtierpark in Subingen und die Siky Ranch in Crémines.

Wurden unter die Lupe genommen: René Stricklers Raubtierpark in Subingen und die Siky Ranch in Crémines.

AZ

«Die Grosskatzenhaltung zu reinen Showzwecken entspricht überhaupt nicht den Vorstellungen des Schweizer Tierschutz (STS) von einer sinnvollen und artgerechten Tierhaltung», heisst es im Zoobericht über René Stricklers Raubtierpark.

Die Auftritte in der Manege bedeuteten für die Raubtiere zwar eine Abwechslung, würden «das natürliche Verhaltensrepertoire und ungenügende Haltungsbedingen» aber nicht verbessern.

Jedoch seien «das Herzblut für seine Tiere» sowie die nötigen Fachkenntnisse bei René Strickler eindeutig vorhanden, relativiert der Tierschutz. Weiter handle es sich bei den Tieren um überzählige Zootiere, die ohne Stricklers Übernahme eingeschläfert worden wären.

Grössere Gehege erwünscht

Mit rund 300 Quadratmeter pro Tier stünde den Raubkatzen in Subingen mehr Platz zur Verfügung als es die «minimalistische Tierschutzverordnung erfordert». Bemängelt wird dabei jedoch, dass in den doch eher kleinen Gehegen häufig ganze Raubtiergruppen untergebracht werden. In manchen Gehegen - vor allem auch bei den Leoparden- seien zusätzliche Versteck- und Klettermöglichkeiten erwünscht.

Der Tierschutz hofft, dass mit dem möglichen Standortwechsel «auch eine klare Verbesserung in Bezug auf Fläche und Struktur der Tiergehege verbunden wird».

René Strickler wehrt sich gegen die Vorwürfe. Er betont, dass die gesetzlichen Platzanforderungen um ein Mehrfaches übertroffen werden. Besonders hebt Strickler hervor, dass seine Tiere täglich beschäftigt werden. «Tierverhaltensforscher in den USA haben herausgefunden, dass dies besonders wichtig ist.

Der grösste Feind der Tiere ist die Langeweile», so der erfahrene Dompteur. Weil die Gehege durch Tunnel verbunden sind, könnten die Raubtiere die Gehege wechseln und würden durch die Gerüche anderer Tiere wieder gefordert. Weiter ortet Strickler fachliche Mängel im Bericht, etwa wenn der Tierschutz seine Raubkatzen als handzahm beurteilt. «Ein Wildtier kann niemals handzahm sein», so Strickler.

Zucht weisser Tiger fragwürdig

Der Zoo Siky Ranch in Crémines bot dem Tierschutz schon seit längerem Anlass zur Kritik. Generell fragwürdig sei die Zucht von weissen Tigern. Auch dass die Jungtiere häufig von der Mutter verstossen werden und von Hand aufgezogen werden müssen, sei besorgniserregend und lasse auf Probleme in der Haltung schliessen.

«Möglicherweise kommt diese Problematik aber den Betreibern zugute, können künstlich aufgezogene Tiere doch für Auftritte in der Zirkus-Manege genutzt werden, was mit artgerecht aufgewachsenen Tigerjungen nicht geht», mutmasst der Tierschutz.

Zu viel Lärm

Die meisten Tiere seien zwar akzeptabel untergebracht, jedoch in «eher kleinen Gehegen». Bemängelt wird aber der häufige Lärm: «Die regelmässige Veranstaltung von lauten Musik- und Tanz-Events auf der Siky Ranch, durch welche empfindliche Wildtiere massiv gestresst werden können, ist fragwürdig.»

Würden alle Gehege zu einem zusammengelegt und die Anzahl Tiere auf zwei reduziert, wäre auch auf der Siky Ranch eine tierfreundliche Haltung möglich, schätzt der Tierschutz.

Die Siky Ranch war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. (ckk)