Um zehn Uhr waren am Mittwochvormittag alle Stühle im Plenarsaal des Alten Spitals in Solothurn besetzt. Die, die als Letzte hineintröpfelten, mussten mit dem Fussboden als Sitzgelegenheit vorliebnehmen. Doch das störte niemanden, weil sich die Begrüssungsrede anlässlich des zehnten Jugendpolittages des Kantons Solothurn nicht in die Länge zog. Dieser wird seit 2007 alljährlich vom Jugendparlament Solothurn organisiert – mit dem Ziel, Jugendliche für die Politik zu begeistern. Unter dem Motto «So geht Demokratie» bietet das Jugendparlament den jungen Teilnehmern die Gelegenheit, Politikluft zu schnuppern und zu lernen, wie man mit gestandenen Politikern debattiert.

Andreas Zoller, Teamleiter «Gründung und Support» des Jugendparlaments, verkündete zu Beginn des diesjährigen Jugendpolittages die verschiedenen Themen, über die am Vormittag in einzelnen Gruppen diskutiert werden konnte. Per Handhochhalten, ganz im demokratischen Stil, signalisierten die Jugendlichen, für welches Thema sie sich am meisten interessieren.
Während «Mobilität» und «Datenschutz im Internet» auf grosses Interesse stiessen, reckten sich bei «Altersversorgung 2020» und «Politische Bildung» nur hie und da ein paar vereinzelte Hände in die Höhe. «Umweltpolitik» und «Flüchtlingspolitik» nahmen auf der Beliebtheitsskala denselben Platz ein. Die sechs Gruppen mit je acht bis zwölf Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 25 Jahren verteilten sich, begleitet von jeweils einem Diskussionsleiter aus dem Jugendparlament, in den Sälen des Alten Spitals, um sich ganz ihrer Thematik widmen zu können.

Sorgen von heute

Während zweier Stunden erarbeiteten die jungen Politiker ganz spezifische Diskussionspunkte, die sie am Nachmittag mit Kantonsräten im Solothurner Rathaus vertiefen wollten. «Ich wäre für eine Erhöhung der Höchstgeschwindigkeit auf der Autobahn» wurde beispielsweise am Tisch «Mobilität» laut. Nach einigem Hin und Her kam man zu dem Schluss, dass diese Forderung aus verschiedenen Gründen unzulässig sei.

Doch die Gruppe liess sich nicht entmutigen. In puncto Mobilität, vor allem im Bereich des öffentlichen Verkehrs, kamen viele Anliegen der Jugend zur Sprache.

Dies wurde auch spürbar, als die jungen Besucher während der kurzen Vormittagspause ihre politischen Wünsche für die Zukunft verrieten (siehe unten). Diese äusserten sie später im Kantonsratssaal auch gegenüber den rund 20 anwesenden Kantonsrätinnen und Kantonsräten, die auf diese Weise in Erfahrung bringen konnten, was sich die Jugend von heute für morgen wünscht.