Vierfachmord Rupperswil
Thomas N. stand schon vor der Haustür: Anwalt fordert Genugtuung für Solothurner Familie

Am zweiten Prozesstag im Falle des Vierfachmordes in Rupperswil AG ist Rechtsanwalt Samuel Neuhaus zu Wort gekommen. Er vertritt die beiden Familien aus den Kantonen Solothurn und Bern, die Thomas N. schon im Visier für nächste Taten hatte.

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Der angeklagte Thomas N. fasste bereits seine nächsten Opfer ins Auge.

Der angeklagte Thomas N. fasste bereits seine nächsten Opfer ins Auge.

Chris Iseli/TeleM1/Montage:az

Der zweite Prozesstag über den Vierfachmord von Rupperswil stand ganz im Zeichen der Plädoyers. Als erstes zu Wort kamen dabei die Opferanwälte der Hinterbliebenen, welche Schuldsprüche im Sinne der Anklage sowie hohe Schadenersatz- und Genugtuungszahlungen forderten.

Gleich danach war es an Rechtsanwalt Samuel Neuhaus vor dem Gericht zu sprechen. Neuhaus vertritt die Familien aus den Kantonen Solothurn und Bern, die der angeklagte Thomas N. nach der Bluttat von Rupperswil ins Visier genommen und ausgekundschaftet hatte.

Der Beschuldigte hatte gemäss Staatsanwaltschaft Vorbereitungshandlungen getroffen, um erneut eine Familie in seine Gewalt zu bringen, Geld zu erpressen, einen Jungen sexuell zu missbrauchen und die Familienmitglieder zu töten und das Haus der Familie in Brand zu setzen. Die entsprechenden Utensilien fanden sich nach seiner Festnahme in seinem Rucksack.

Der Angeklagte führte für diesen Zweck nicht nur ein ausführliches Notizbuch über seine künftigen Opfer, sondern gab selbst zu, zumindest noch einen weiteren Überfall geplant zu haben. Als potenzielle Opfer vermerkte N. dabei auch einen Knaben aus dem Kanton Solothurn sowie einen aus dem Kanton Bern in eben diesem Büchlein.

Die Bilder vom Rupperswil-Prozess vor dem Bezirksgericht Lenzburg Der Angeklagte Thomas N. (hinten) und Verteidigerin Renate Senn am zweiten Prozesstag in Schafisheim.
31 Bilder
Thomas N. wird zu einer lebenslänglichen Haft verureilt, das Bezirksgericht Lenzburg ordnet zudem eine ordentliche Verwahrung an. Im Bild ist der Angeklagte mit seiner Pflichtverteidigerin Renate Senn am ersten Prozesstag zu sehen.
Opferanwalt Markus Leimbacher in seinem Plädoyer am zweiten Prozesstag: «Thomas N. kann auch Richter, Therapeuten und Gutachter manipulieren.»
Nach dem ersten Prozesstag Ein ziviles Polizeifahrzeug der Kantonspolizei Aargau verlässt mit Thomas N. im Wagen die Tiefgarage der Mobilen Polizei.
Staatsanwältin Barbara Loppacher in ihrem Plädoyer am zweiten Prozesstag: «Er redet sich und die ganze Welt schön.»
Zwischenfall während der Mittagspause am Dienstag: Ein religiöser Eiferer fordert lautstark die Todesstrafe für Thomas N. und wird von der Polizei abgeführt.
Staatsanwältin Barbara Loppacher: «Es liegt keine psychische Störung vor, mit der die Morde erklärt werden können. Somit liegt keine Störung vor, die therapiert werden kann. Der Beschuldigte ist folglich untherapierbar.»
Thomas N. am ersten Prozesstag: Er spricht deutlich, verliert nie die Fassung.
«Ich bin pädophil», sagt der geständige 34-Jährige vor Gericht.
Er wünsche sich eine Therapie, gibt er zu Protokoll.
Das Gericht: René Müller (SVP), Margrit Kaufmann (CVP), Schreiber Lukas Fischer, Präsident Daniel Aeschbach (SVP), Marianne Bitterli (SVP), Luca Cirigliano (SP).
Thomas N. (Mitte) verfolgt den Prozess neben seiner Anwältin Renate Senn.
Den Kopf hat er meist auf seine rechte Hand gestützt, mit Zeigfinger und Daumen hält er sich die Nasenwurzel.
Thomas N. vor Gericht.
Die Richter hören Gutachter Josef Sachs zu.
Thomas N. wird zu einer lebenslänglichen Haft verureilt, das Bezirksgericht Lenzburg ordnet zudem eine ordentliche Verwahrung an. Im Bild ist der Angeklagte mit seiner Pflichtverteidigerin Renate Senn am ersten Prozesstag zu sehen.
Staatsanwältin Barbara Loppacher (vorne).
Blick in den Gerichtssaal mit dem Angeklagten Thomas N. (rechts aussen).
Vor dem Prozessbeginn: Nicole Payllier, Sprecherin der Gerichte Aargau, begrüsst Opferanwalt Markus Leimbacher begrüssen sich.
Tim Hemmi, ehemaliger FC-Aarau-Profi, beobachtet den Prozess als Jus-Student.
Roland Wenger, Sprecher der "Seetal Selection", einem Verbund der Juniorenteams des SC Seengen und des FC Sarmenstorf, wo Thomas N. als Koordinator tätig war.
Ein Gerichtszeichner skizziert erste Szenen vor dem Gebäude.
In den Räumen der Mobilen Polizei in Schafisheim findet der Prozess statt.
Journalisten vor dem Eingang.
Aufmarsch der Kantonspolizei Aargau.
Zuschauerin Annina Sonnenwald.
Der Prozess gegen N. dauerte vier Tage.
Weitere Bilder aus Schafisheim.

Die Bilder vom Rupperswil-Prozess vor dem Bezirksgericht Lenzburg Der Angeklagte Thomas N. (hinten) und Verteidigerin Renate Senn am zweiten Prozesstag in Schafisheim.

Marco Tancredi

Die geplante Tat wäre wahrscheinlich genau gleich wie jene in Rupperswil abgelaufen, schlussfolgerte Neuhaus aus einer Einvernahme des Beschuldigten. Doch damit nicht genug: «Er wollte seine Tat verbessern», so der Anwalt. N. habe beispielsweise auf seinem Mobiltelefon im Internet danach gesucht, wie man eine Person richtig fesselt. «Er hat selber gesagt, dass er nicht mehr wolle, dass sich eine Person befreien konnte», zitierte Neuhaus an dieser Stelle den Angeklagten.

Für Neuhaus handelte es sich somit um eine klare Sache: «Wenn Polizei und Staatsanwaltschaft nicht so gearbeitet hätten, wie sie es taten, wäre es noch einmal so weit gekommen.»

Die betroffenen Familien befinden sich momentan in psychologischer Behandlung. Aus diesem Grund forderte Neuhaus für die betroffenen Eltern eine Genugtuung von je 4000 Franken. (ajs)