Aargau/Wallis
Therapieresistenz: «Chloroform-Unhold» wird verwahrt

Vor einem Monat stand er vor dem Walliser Straf- und Massnahmenvollzugsgericht in Sion: der 69-jährige Sexualstraftäter U.B., der auch als «Chloroform-Unhold» bekannt ist. Nun liegt das Urteil auf dem Tisch: Der 69-Jährige wird verwahrt.

Noëlle Karpf
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Das Urteil liegt nun auf dem Tisch: Der «Chloroform-Unhold (69) soll verwahrt werden. (Symbolbild)

Das Urteil liegt nun auf dem Tisch: Der «Chloroform-Unhold (69) soll verwahrt werden. (Symbolbild)

KEYSTONE/AP/MIGUEL VILLAGRAN

U.B (Name der Redaktion bekannt) wird verwahrt. Vor einem Monat wurde sein Fall vor dem Walliser Straf- und Massnahmenvollzugsgericht in Sion behandelt. Diskussionspunkt: die stationäre therapeutische Massnahme – die «kleine Verwahrung» – des 69-Jährigen.

Zu dieser war B. 2012 wegen mehrerer Sexualdelikte verurteilt worden. Wiederholt stieg er in deren Häuser ein, um Mädchen mit Chloroform zu betäuben und sich an ihnen zu vergehen. Für eben diese Delikte war er bereits in den Achtzigerjahren im Kanton Aargau verurteilt worden, wo er mehrfach zugeschlagen hatte und deshalb seither auch bekannt ist als «Chloroform-Unhold».

«Chloroform-Unhold» im «Badener Tagblatt», 19.6.1980

«Chloroform-Unhold» im «Badener Tagblatt», 19.6.1980

An der Gerichtsverhandlung letzten Monat ging es nun darum, ob B. weiterhin in Massnahmenhaft bleiben soll. Das Amt für Sanktionen und Massnahmen hatte eine Neubegutachtung beantragt. Denn: B. gilt laut Gutachten als therapieresistent und zeigt keine Tateinsicht.

Aus diesen Gründen hat das StMV nun die Aufhebung der Massnahme beschlossen, wie es am Mittwoch mitteilt. Die Fortführung der Massnahme sei «aussichtslos». Jetzt wird B. verwahrt.

Im Gegensatz zur «kleinen Verwahrung» läuft diese Massnahme nicht nach fünf Jahren aus und muss dann verlängert werden. Dies, weil dem Sexualstraftäter «ein nach wie vor hohes Rückfallrisiko sowie eine unverändert schlechte Kriminalprognose attestiert wird», so das Gericht. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Chronologie:

1977 bis 1979

- U. B. steigt im Aargau und in Hitzkirch LU über 50 Mal in Häuser ein und versucht, junge Mädchen mit Trichloräthylen zu betäuben und sexuell zu missbrauchen. In 5 Fällen konnte ihm später eine Vergewaltigung nachgewiesen werden. Am 14.8.79 wird er verhaftet.

Juni 1980

- U. B. bricht aus der Justizvollzugsanstalt Lenzburg aus. Zwei Tage später wird er in Brugg wieder aufgegriffen.

1981

- U. B wird vom Bezirksgericht zu 12 Jahren Haft verurteilt, das Obergericht senkt später die Strafe wegen verminderter Zurechnungsfähigkeit auf 10 Jahre. 1987 wird er entlassen.

90er-Jahre bis 2007

- U. B. lebt im Wallis und überfällt dort weiter Mädchen. 2007 wird U. B. zufällig vom Vater eines seiner Opfer in Olten überwältigt und dann verhaftet.

2011

- Das Kreisgericht im Wallis verurteilt U. B. erstinstanzlich zu 13 Jahren Haft plus Verwahrung. Das Kantonsgericht senkt 2012 die Strafe auf 11 Jahre und 8 Monate und hebt die Verwahrung auf, stattdessen verfügt es eine therapeutische Massnahme, die B. in der Justizvollzuganstalt Solothurn verbüsst. (NRO)

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