«Bierbotschafter»

Thaler wird Biersommelier – und will vielleicht sogar an Schweizermeisterschaft teilnehmen

«Wir haben so eine schöne Bierlandschaft»: Roger Peyer versteht sich als Botschafter dieser Vielfalt.

«Wir haben so eine schöne Bierlandschaft»: Roger Peyer versteht sich als Botschafter dieser Vielfalt.

Roger Peyer aus Aedermannsdorf ist frisch ausgebildeter Biersommelier. Er versteht sich auch als Bierbotschafter - in seinem Getränkemarkt in Balsthal und im Weinland Schweiz.

Wer in der Beiz eine «Stange» bestellt, erhält ein Glas Bier. Meist helles Lager. Ganz anders beim Wein. «Wenn ich ein Glas Rotwein bestellte», sagt der 55-jährige Roger Peyer, «würde das nie passieren.» Stattdessen würde er gefragt, welche Sorte es sein soll. «Welches Bier? – das wurde ich noch nie gefragt», so Peyer. Was schade sei. «Wir haben, auch im Kanton Solothurn, so eine schöne Bierlandschaft.»

Die Schweiz sei halt ein Weinland. Peyer will nun aber auch das Bier vermehrt an den Mann und die Frau bringen. Zumindest in seinem Laden, im Rio-Getränkemarkt in Balsthal. Seit kurzem ist Peyer nämlich Biersommelier – «Bierbotschafter», wie er sagt.

Viel degustiert – es geht aber nicht nur ums Trinken

Aufgewachsen ist der zweifache Vater – hörbar – in Zürich. Heute lebt er in Aedermannsdorf. Es gefalle ihm. «Hier sagen die Leute noch Grüezi», so Peyer.

Schon nach der Schulzeit stieg Peyer in den Detailhandel ein. Und auf das Bier gekommen ist er ebenfalls damals. «Als junger Mann hat man ja spätestens mit Beginn der Rekrutenschule Kontakt mit Bier», erzählt er. An den Wochenenden sei man jeweils in der Dorfbeiz gesessen, habe gejasst und Bier getrunken. Diese Zeit – vor den 90er-Jahren – war die Zeit der Bierkartelle in der Schweiz. Erst nach deren Zerfall, so Peyer, habe es wieder vermehrt kleinere Brauereien und eine grössere Vielfalt gegeben.

Ein Biersommelier kennt sich mit allen Sorten aus, weiss, wie man degustiert, ausschenkt und den Gerstensaft der Kundschaft vermittelt. Seit seinem Abschluss diesen Monat ist auch Peyer Biersommelier. Acht Tage zu je zehn Lektionen dauerte der Kurs von Gastro Suisse und dem Schweizer Brauereiverband. Peyer lernte etwas über die Geschichte, die Herstellung, aber auch die Gefahren von Bier; respektive Alkohol. Er degustierte während der Ausbildung über 200 Sorten, erzählt er. Als Abschlussarbeit musste er eine Bierkarte für einen Betrieb mit 30 bis 40 Sorten erstellen. «Das war nicht ohne», so der stolze Sommelier.

Dass er Bier wirklich mag, wird im Gespräch schnell klar. Zwar sagt Peyer auch, er wisse gar nicht, wann er zuletzt einfach für sich eine Flasche Bier aufgemacht habe. Er kommt aber ins Schwärmen, wenn er über verschiedene Aromen – «süss bis total bitter» –, Farben – «hell bis kohlrabenschwarz» –, und Konsistenzen – «ölig, schaumig oder cremig» – von Bier spricht.

Oder von dessen Einsatz in der Küche. «Zu jedem Essen gibt’s das passende Bier.» Etwa könne man den Braten mit Schwarzbier marinieren und dieses dazu trinken. Oder: «Ein Cordon bleu mit Ananas, dazu ein süsses IPA. Herrlich.» Zwar halte sich das Vorurteil, beim Bier gehe es einfach ums Saufen. Aber: «Es geht um den Genuss. Ein Sommelier ist auch Geniesser.» Er beispielsweise könne auch mehrere Minuten lang einfach an seinem Lieblingsbier – einem Chocolate Stout – riechen. «Schon beim blossen Riechen erfährt man, ob ein Bier etwas taugt.»

Vielleicht auch an die Schweizer Meisterschaft

Diesen Duftsinn trainiert Peyer nun fleissig mit zwei bis drei verschiedenen Sorten täglich. Denn: Der 55-Jährige würde im Herbst gerne an den Schweizer Meisterschaften der Biersommeliers im Berner Bierhübeli teilnehmen.

In erster Linie habe er den Kurs aber für seine Kundschaft gemacht, erklärt Peyer. «Wir sind ein Fachgeschäft, bei uns kann man fast alles degustieren, wird persönlich beraten.» Wie andere Lebensmittelläden darf der Rio-Getränkemarkt übrigens noch offen haben. Bier wird sicher nicht ausgehen, meint Peyer. Er beobachte aber, dass die Leute davon derzeit mehr kaufen; ebenso auch Wasser.

Hier im Balsthaler Laden will Peyer seine Rolle als Bierbotschafter wahrnehmen, Biervielfalt vermitteln – vielleicht auch denjenigen, die meinen, sie mögen kein Bier – «und nur das helle Lager kennen».
Vielleicht tue sich dann was. Auch dank der Biersommeliers im Gastrobereich, hofft Peyer. Sodass man, wenn man eine «Stange» bestellt, gefragt wird: «Welches Bier denn?»

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