Obergericht

Thaler hat von Sozialhilfe und Einbrüchen gelebt

Die ehemalige Bäckerei Flückiger mit Laden und Tea-Room in der Klus wurde von den Einbrechern gleich zweimal heimgesucht.

Die ehemalige Bäckerei Flückiger mit Laden und Tea-Room in der Klus wurde von den Einbrechern gleich zweimal heimgesucht.

Pedro K. musste sich vor Obergericht wegen 14 Einbruchdienstählen verantworten. Das Gericht bestätigte das Urteil der Vorinstanz: Der 26-jährige Thaler muss 25 Monate hinter Gitter.

Seit April 2014 sitzt Pedro K. * jeden Tag in seiner Wohnung und weiss nichts mit sich anzufangen. Einer Arbeit geht er nicht nach. Immerhin ist er ab diesem Datum nicht mehr straffällig geworden, wie der amtliche Verteidiger des 26-jährigen Mannes am Mittwoch vor dem Obergericht in Solothurn erwähnte. Dort musste sich der Thaler wegen 14 Einbruchdienstählen verantworten, welche er mit drei weiteren Männern innerhalb von sechs Monaten verübt hatte.

Das Amtsgericht Thal-Gäu hatte die Männer in erster Instanz wegen Gewerbs- und Bandenmässigem Diebstahl, mehrfacher Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch und Hehlerei zu Freiheitsstrafen zwischen 23 und 26 Monaten verurteil. Pedro K. fasste 25 Monate Gefängnis unbedingt. Er befand seine Strafe als zu hoch und hatte des deshalb Berufung eingelegt.

Vor allem in Balsthal aktiv

Die ersten Einbrüche begingen die damals 19, 23, 24 und 27 Jahre alten Männer am 10. April 2012, die letzten am 15. Oktober 2012. Noch während des laufenden Verfahrens kamen Mitte 2014 unter Beteiligung von Pedro K. weitere Einbrüche dazu. Heimgesucht wurden in der ersten Serie von dem Quartett vor allem Liegenschaften und Einrichtungen in Balsthal. Zweimal betroffen war die inzwischen geschlossene Bäckerei-Konditorei Flückiger in der Klus. Bei ihrem ersten «Besuch» im April 2012 erbeuteten die Einbrecher dort Zigaretten und Bargeld im Wert von 738 Franken, bei zweiten Einbruch am 6. Oktober liessen sie eine Armbanduhr im Wert von 500 Franken mitlaufen.

Fette Beute machten die Männer am 27. Juni 2012 in der Badi in Balsthal, wo sie aus dem Kiosk 1800 Franken entwendeten. Bei der Eingangskasse mussten sie sich mit 30 Franken zufriedengeben. In derselben Nacht brachen die Männer auch in das Klubhaus des FC Klus-Balsthal und in die Minigolfanlage im Moos ein. Beute in Form von Zigaretten, alkoholischen Getränken sowie eines Feuerlöschers im Wert von 650 Franken machten sie jedoch nur in der Minigolfanlage.

Das Geld stand im Vordergrund

Am 3. und 4. Juli 2012 folgten Einbrüche in das Gebäude der Taufer AG in der Klus und in einen auf dem Bahnhofplatz Balsthal aufgestellten Bürocontainer. Zu holen gab es dort ebenso wenig wie im Vereinslokal in der Kegelbahn vom Restaurant Schmitte und im Gebäude der Rütti AG in Balsthal, wo die Männer am 4. Juli und am 1. Oktober 2012 gewaltsam eingedrungen waren. Am 7. Oktober machten die Einbrecher einen Abstecher nach Luterbach, wo sie in den Bahnhofkiosk einbrachen. Weil sie gestört wurden, flüchteten sie ohne Beute. Mitte Oktober folgten Einbrüche beim Fürobe Beck in Balsthal, bei der Eggenschwiler Transporte AG sowie in die Küche des «Rampenpintli» beim OeBB-Bahnhof.

Auf Einbruchstour sei er des Geldes wegen gegangen, meinte der etwas schlaksig und unbeteiligt wirkende Sozialhilfebezüger auf Nachfrage des vorsitzenden Oberrichters Hans-Peter Marti. Beisitzer waren Oberrichter Daniel Kiefer und Ersatzrichter Stefan Hagmann. Regelmässig gearbeitet hat Pedro K. seit dem Abbruch seiner Vorlehre als Koch im Alter von 18 Jahren nicht mehr, wie er einräumte. Letzmals habe er vor zwei Jahren als Reinigungskraft gearbeitet. Seither sei er auf der Arbeitssuche, versicherte er, ohne dabei den Eindruck zu erwecken, dass er sich dabei anstrengt.

300 Tage in Untersuchungshaft

Helfen lassen von den Behörden will sich Pedro K. nicht. Er habe mit seinem von der Sozialregion Thal-Gäu gestellten Beistand schlechte Erfahrungen gemacht. Im Gegenzug beteuerte er, von der rund 300 Tage dauerenden Untersuchungshaft geläutert zu sein. Straffällig werde er darum sicher nicht mehr. Wenn er dennoch ins Gefängnis müsse, so mache ihm das nichts aus.

Verteidiger Urs Tschaggelar widersprach seinem Mandanten. Dieser wolle hier den starken Mann markieren. Pedro K. habe kein Selbstwertgefühl und wolle dies mit solchen Auftritten überspielen. Im gleichen Stil habe er auch seine Mittäter bei den Verhören durch die Behörden gedeckt, obwohl er von diesen schlecht behandelt worden sei. Sein «intellektuell limitierter» Mandant habe keine führende Rolle bei den Einbruchstouren gespielt. Er wolle die Einbrüche und Diebstähle – unter anderem auch in eine Kirche – nicht bagatellisieren, finde die Strafe von 25 Monaten Gefängnis aber unangemessen hoch. Er stellte den Antrag, die Freiheitsstrafe auf 20 Monate zu reduzieren, 10 davon bedingt ausgesprochen.

Erhebliche kriminelle Energie

Davon wollte Staatsanwältin Kerstin von Arx nichts wissen. Sie erinnerte an den über 40 000 Franken hohen Schaden und attestierte dem Angeklagten erhebliche kriminelle Energie. Zudem zeige er weder Reue noch Einsicht. Mit Blick auf die während des laufenden Verfahrens dazugekommenen Delikte und die schlechte Zukunftsprognose plädierte sie auf eine Erhöhung der Strafe auf 34 Monate Gefängnis.

Der Straftatbestand des Gewerbs- und bandenmässigen Diebstahls sieht sie als erfüllt, weil der arbeitslose Mann seinen Lebensunterhalt mit den Einbrüchen finanziert habe, quasi von Berufs wegen Einbrecher war.

Das Gericht folgte den Ausführungen der Staatsanwaltschaft im Wesentlichen, bestätigte aber das Urteil der Vorinstanz von 25 Monaten Freiheitsstrafe unbedingt. Unter Anrechnung der Untersuchungshaft könnte Pedro K. nach sechs Monaten Haft bedingt entlassen werden, wie Oberrichter Marti in Aussicht stellte. Eine Gefängnisstrafe erachte das Gericht aber als zwingend. In der Hoffnung, dass der offenbar unbelehrbare Angeklagte dies als Warnung verstehe, wenn er wieder auf freiem Fuss sei.

* Name von der Redaktion geändert

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