Das Jahr 1919 gilt weltweit als Gründungsjahr des Luftverkehrs, ohne den die heutige globalisierte Welt nicht denkbar wäre. Und im Jahr 1919 begann auch in der Schweiz der zivile Flugverkehr. Vor 100 Jahren wurden erstmals Post und Passagiere auf einer regelmässigen Fluglinie zwischen Dübendorf und der Westschweiz transportiert. Die Post gibt aus diesem Grund eine Sondermarke heraus. Auf dieser ist ein Flugzeug des aus dem Bezirk Thal stammenden Konstrukteurs August Haefeli abgebildet.

Die am 8. Januar 1919 eröffnete Flugpostlinie zwischen Dübendorf und Bern wurde dann nach Lausanne und Genf erweitert. Bis Ende Oktober 1919 führte die Schweizer Luftwaffe, die damals Fliegerabteilung genannt wurde, diese Kurierflüge durch. Als erstes Schweizer «Linienflugzeug» wurde die Haefeli DH-3 eingesetzt. Das war eine zweiplätzige Maschine, die hauptsächlich für Beobachtungs- und Fotoflüge verwendet wurde.

Vor 100 Jahren war diese Maschine des Thaler Ingenieurs August Haefeli das Standardflugzeug der Fliegerabteilung. Es war auch das erste Flugzeug, das in der Schweiz mehr als 100 Mal gebaut worden war. Schon 1944, zum 25-Jahre-Jubiläum des Flugverkehrs, zierte eine Haefeli DH-3 die damalige Luftpost-Sondermarke.

Wieder mit Haefelis DH-3

Zum Jubiläum «100 Jahre Schweizer Luftverkehr» gibt die Post nun wieder eine Sondermarke heraus. Darauf ist die Haefeli DH-3 zu sehen sowie die Bombardier CS 100, das derzeit modernste Flugzeug der Swiss. Die von Beat Felber gestaltete 1-Franken-Marke enthält zudem das Schweizerkreuz auf dem Seitensteuer, das weltweit als Symbol des eidgenössischen Flugverkehrs gilt sowie im Hintergrund die ersten Flugpoststrecken aus dem Raum Zürich bis Genf.

Die vier Jahre des Ersten Weltkriegs brachten in der Technik des Flugzeugbaus einen gewaltigen Fortschritt. Zudem wurde die Kulturtechnik des Fliegenkönnens aus militärischen Gründen an viele junge Menschen vermittelt. In der Schweiz bildete die Fliegerabteilung unter ihrem Cheffluglehrer Oskar Bider während dem Ersten Weltkrieg 74 Piloten aus. Major Arnold Isler (1882 – 1941) war 1919 Kommandant der Fliegertruppe und initiierte die Flugpostlinie mit den Militärpiloten. Dies nicht zuletzt aus der Sorge heraus, dass die Schweiz nach dem Krieg den technischen und wirtschaftlichen Anschluss an den Flugverkehr nicht verliert.

Gedenkflug mit Mach 2

Von Dübendorf führte die Route zuerst nach Bern-Beundenfeld, dann ab April nach Oberlindach, wo sich bis 1922 der Flugplatz von Bern befand. Anschliessend führte die Strecke weiter nach Lausanne-La Blécherette und ab 1. September 1919 bis zum damaligen Genfer Flugplatz Saint-Georges. Zuerst war es ein reiner Dienst für die militärische Post. Aber ab April 1919 öffnete Arnold Isler den Dienst auch für die Allgemeinheit. 1920 wurde er der erste Direktor des neu geschaffenen eidgenössischen Luftamtes, des heutigen Bazl.

Am 8. Januar 1969, zum 50-Jahr-Jubiläum des Flugverkehrs, führte Adjutant-Unteroffizier Ernst Otth mit einer Mirage III RS den Gedenkflug zwischen Dübendorf und Payerne aus. Er startete um 14.04 Uhr und ging über Romanshorn auf Kurs in die Überschallschneise 3. Um 14.12 Uhr erreichte er über Grosshöchstetten Mach 2 oder 2440 km/h. Um 14.19 Uhr landete er in Payerne.

Der Gedenkflug der Luftwaffe zum 100-Jahr-Jubiläum wird dieses Jahr langsamer ausfallen: Mit einem Pilatus PC-6 Porter soll der Flug auf der Route Dübendorf–Bern–Lausanne–Genf durchgeführt werden. Dies anlässlich der Tage der Aerophilatelie, die am 27./28. April auf dem Flugplatz Dübendorf stattfinden.