Öffentlicher Verkehr
Thal soll Anschluss nicht verlieren

Ab Juni 2021 wird der Weissensteintunnel für anderthalb Jahre geschlossen. Nun erklärt der Kanton Pläne, wie die Thaler in dieser Zeit pendeln sollen.

Daniela Deck
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Von Juni 2021 bis Dezember 2022 wird wegen der Sanierungsarbeiten kein Zug durch den Weissensteintunnel fahren können. Hanspeter Bärtschi

Von Juni 2021 bis Dezember 2022 wird wegen der Sanierungsarbeiten kein Zug durch den Weissensteintunnel fahren können. Hanspeter Bärtschi

hanspeter baertschi

Stündliche Busverbindungen Gänsbrunnen–Moutier. Dazu in der Stosszeit am Morgen und Abend halbstündlich Schnellbusse von Welschenrohr über Herbetswil bis zur Thalbrücke. Die Planung des öffentlichen Verkehrs während der Schliessung des Weissensteintunnels Juni 2021 bis Dezember 2022 von BLS, SBB und Kanton konkretisiert sich.

Voraussichtlich wird vor dem Berg, zwischen Solothurn und Oberdorf, für zweimal sechs Wochen die Sperrung der Bahnlinie nötig sein. In dieser Zeit sollen nach Auskunft der BLS zwischen Solothurn und Lommiswil Schienen, Schwellen und Schotter ersetzt werden. Auf dem Abschnitt Lommiswil–Oberdorf sind Unterhaltsarbeiten (Schotterverdichtung) geplant. Ausserdem wird das Geisslochviadukt im Wald bei Langendorf komplett erneuert.

Unbehagen, vor allem bei der Seilbahn Weissenstein, schafft die Bahnschliessung Solothurn–Oberdorf von rund zwölf Wochen in diesen anderthalb Jahren. «Ein Ausfall der Bahnstrecke während der Sommerferien wäre für uns bei der Seilbahn unglücklich. Eine Idee, die am letzten Treffen des Forums Weissenstein (vor zwei Wochen) im Raum stand.» Das sagt Konrad Stuber, Geschäftsführer der Seilbahn Weissenstein. Er hofft, dass die Schliessung der Solothurn-Moutier-Bahn zumindest teilweise in die Zeit der Seilbahnrevisionen im März und November fallen wird. Denn die Ansprüche an die Seilbahn wachsen: Mit der Eröffnung des Seminarhotels gibt es auf dem Weissenstein bekanntlich einen gewichtigen neuen Faktor, der von den Gondeli profitiert.

Solange in dieser Frage keine Daten und Busfahrpläne festgelegt sind, lässt man sich bei Kanton Solothurn Tourismus keine grauen Haare wachsen über mögliche Einbussen beim Freizeitverkehr. «Wir erwarten eine adäquate Bahnersatzlösung. Ich bin zuversichtlich, dass das gut kommt», sagt Tourismusdirektor Jürgen Hofer. Diese Zuversicht teilen die übrigen Anrainer. «Der Kanton schaut wirklich gut zu uns und berücksichtigt die Anliegen der betroffenen Gemeinden», freut sich Stefan Schneider, Gemeindepräsident von Welschenrohr, über die nun bekannten Eckpunkte in der Verkehrsplanung.

Schnellbus und Mitfahrdienst

«Durch die Lösung mit dem Schnellbus in den Stosszeiten können wir den Verkehrsschwierigkeiten in der Bauzeit die Spitze brechen», ist der Abteilungsleiter Öffentlicher Verkehr beim Kanton, Kjell Kolden, überzeugt. «Die Gemeinden im Thal haben natürlich trotzdem eine Einbusse, vor allem bei den Fahrzeiten für die Pendler. Doch für diese Region gibt es keine bessere Alternative zur Sanierung des Tunnels.»

Doch warum soll man auf die Tunnelsperrung warten, um die Mobilität im Thal zu verbessern? Das hat sich die Gemeinde Welschenrohr gefragt und mit dem Naturpark und dem Mobilitätsausschuss gleich die ganze Nachbarschaft «ins Auto» geholt. Das Ergebnis: HitchHike Thal, ein Mitfahrdienst basierend auf einer Web-App. Das ist ein Ansatz zur Entspannung der Verkehrsproblematik, besonders im Nadelöhr Klus, und startet bereits nächsten Monat.

Unkomplizierter wegkommen

Warum soll man nicht gleich mitfahren können, wenn der Nachbar so oder so die gewünschte Strecke fährt? Eine neue Web-App soll den Thalern helfen, unkompliziert und kostenlos Fahrgemeinschaften zu bilden. Die App heisst HitchHike Thal. Sie startet bereits ab dem 1. Juni.


Zentrale Mitfahrpunkte in den Dörfern sind beschildert. Bisher sind es zehn. Weitere Mitfahrpunkte in der Region befinden sich an den Bahnhöfen Oensingen, Olten und Solothurn. Je mehr Autolenkende und Mitfahrende sich registrieren, desto besser funktioniert die Plattform. Ein allfälliger Beitrag an die Benzinkosten wird individuell vereinbart.


Das Ziel ist es, die Auslastung der Fahrzeuge zu verbessern – heute sitzen pro Auto 1,1 Personen zur Stosszeit im Pendlerverkehr. Damit würden zugleich der Stau und die Umweltbelastung durch Abgase abnehmen. Sowohl für die Klus wie auch für das Naherholungsgebiet Weissenstein sind beides wichtige Argumente.
HitchHike wurde 2011 gegründet und ist mittlerweile die grösste Mitfahrplattform der Schweiz. Auch regional zeigt die App Wirkung. Gemäss Mitteilung von Naturpark Thal hat die Lösung, die letztes Jahr im Kanton Zug lanciert wurde, bereits über 1000 Nutzerinnen und Nutzer. (dd)


Weitere Informationen:
www.hitchhike.ch/thal