«Pizza Bombing»

Teurer Spass: Ausgedachte Bestellungen halten Lieferservice auf Trab

Bleibt immer wieder auf Essen sitzen: «Cimmi’s Kebab» in Biberist.

Bleibt immer wieder auf Essen sitzen: «Cimmi’s Kebab» in Biberist.

Mehrere Lieferungen in das Schöngrün-Quartier stellen sich für «Cimmi's Kebab» als fingierte Bestellung heraus. So klingeln die Kuriere vergebens: Bestellt wurde nichts, und die Ware wird nicht bezahlt. Das geht ins Geld - und auf die Nerven.

Es war mal wieder ein einziger Reinfall. Kurz vor 21 Uhr stand der Kurier vom Biberister Lieferservice «Cimmi’s Kebab» im Schöngrün-Quartier in Solothurn, um eine Bestellung auszuliefern. Döner und Pizzen für fast 50 Franken. Doch auch an diesem Septemberabend war der Kurier vergebens in die Stadt gefahren.

Denn der junge Mann, der ihm die Türe öffnete, hatte gar nichts bestellt. Der Kurier blieb auf dem Essen sitzen. Döner und Pizzen musste er wegschmeissen.

Ali Oerde neigt eigentlich nicht zu Verschwörungstheorien. Doch was derzeit passiert, kann sich der Imbissbesitzer nur so erklären. Immer wieder liefern er und seine Kuriere ihre Speisen ins Schöngrün – und stossen auf Menschen, die nichts bestellt haben.

«Das kostet uns Nerven und jede Menge Zeit», sagt Oerde. Und weil der Lieferservice bei den vermeintlichen Kunden natürlich nicht auf der Bezahlung besteht, geht die Sache auch ganz schön ins Geld.

Mit einem Jux hat das für Oerde nichts mehr tun. Da erlaube sich jemand einen schlechten Scherz. Einen teuren Spass.

Die fingierten Bestellungen erhält «Cimmi’s Kebab» meist über das Formular auf seiner Website, manchmal auch per SMS. Ali Oerde hält es für möglich, dass diese von ein und derselben Person kommen. Häufig greift er nun zum Telefon, wenn wieder eine Bestellung aus dem Schöngrün-Quartier eintrifft.

Er schützt sich mit Anrufen und Adresskontrollen. Umso grösser ist der Ärger, wenn er seine Kuriere trotzdem mal wieder losschickt und sich eine unverdächtige Bestellung für ein paar Franken als Jux herausstellt.

Geradezu überauffällig war eine andere Bestellung, die diese Woche eintraf: Esswaren im Wert von 700 Franken sollte «Cimmi’s Kebab» an die Sandmattstrasse liefern. «Dieser Fall war klar», sagt Oerde. Tatsächlich versicherten die angeblichen Besteller am Telefon, dass sie keinen so grossen Appetit verspüren.

Hemmschwelle ist tief

Auch andere Anbieter in der Region bestätigen, dass sie immer mal wieder fingierte Bestellungen erhalten. Manche Solothurner bekamen schon Dutzende von Pizzen nach Hause geliefert, ohne dass sie diese geordert hatten. Im Internetzeitalter liege die Hemmschwelle für eine Prellerei tiefer, vermutet Ali Oerde.

Im Englischen hat dieses Phänomen bereits einen Namen: «Pizza bombing». Unmengen von Fast Food werden an die Adresse des Opfers bestellt. Dieses, so hoffen zumindest die Streichespieler, muss daraufhin die Rechnung übernehmen. Fälle ähnlichen Ausmasses wie im Schöngrün-Quartier sind jedoch keine bekannt.

Imbissbesitzer Oerde überlegt sich jetzt, die Polizei einzuschalten. Wer die fingierten Bestellungen in Auftrag gegeben hat, könnte die sogenannte IP-Adresse zeigen. Diese bekommt jeder Internetnutzer zugewiesen.

Im Kanton Zürich wurde ein «Pizzakurier-Betrüger» nach einem zivilrechtlichen Urteil kürzlich zu einer Schadenersatz-Zahlung verdonnert.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1