SBB
Tests in Zuchwil zeigen: Weisse Farbe könnte Gleisverformungen vorbeugen

Nachdem die Hitze mehrere Gleise verformt hatte, testen die SBB verschiedene Massnahmen, die dies in Zukunft vorbeugen sollen. So auch in Zuchwil: Auf einem Abstellgleis wurden einzelne Abschnitte weiss eingefärbt. Eine spezielle, isolierende Farbe schaue besonders vielversprechend aus: Um bis zu sieben Grad kühler blieben diese Gleise.

Raphael Karpf
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Weisse Schienen Zuchwil SBB
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 Norbert Krebs, Leiter Technologisches Anlagemanagement Fahrbahn bei der SBB, leitete die Versuche.
 Auf einem Abstellgleis wurden die Schienen abschnittweise weiss bemahlt. Einmal mit konventioneller Farbe, einmal ohne Farbe, einmal mit einer speziellen, isolierenden Farbe und einmal ohne Farbe aber mit Wasserkühlung.
Eine Woche lang wurden die Temperaturen dann gemessen.
Die isolierende Farbe sehe nun besonders vielversprechend aus. Um bis zu sieben Grad kühler waren die Gleise dort.

Weisse Schienen Zuchwil SBB

Raphael Karpf

Heiss wars. So heiss, dass sich einzelne Gleisabschnitte in der Schweiz verformten, Züge fielen deswegen aus. Auf den 7000 Gleiskilometern in der Schweiz kommt dies laut den SBB etwa zehnmal jährlich vor. Diese Woche machten die SBB aus der Hitzewelle nun aber eine Tugend: In Zuchwil testeten sie, ob weisse Farbe hilft, dass sich die Schienen bei extremen Temperaturen nicht ganz so stark erhitzen.

Auf einem Abstellgleis wurden verschiedene Varianten getestet: Ein Abschnitt wurde mit konventioneller Farbe bestrichen, ein Abschnitt mit einer neuen Farbe, die isolierend wirkt und weniger schmutzempfindlich sein soll. Ein Abschnitt blieb ohne Farbe, dieser wurde aber einmal täglich mit Wasser gekühlt. Auf einem letzten Abschnitt schliesslich wurden gar keine Massnahmen getroffen. Während einer Woche wurden dann die jeweiligen Temperaturen der Gleise gemessen. Nun stehen die Resultate fest: Bis zu 55 Grad heiss wurden die Schienen. Die Wasserkühlung brachte nur kurzfristig eine Abkühlung. Der konventionelle Anstrich verringerte die Temperatur um rund drei Grad, die neue, isolierende Farbe um bis zu sieben Grad.

Auf einzelnen Abschnitten eine mögliche Lösung

Grundsätzlich seien die Gleise darauf ausgelegt, solche Temperaturen auszuhalten, betont Norbert Krebs, der die Tests der SBB leitet. Aber bei alten Gleisen oder auf Baustellen könne es vorkommen, dass gerade bei lang anhaltenden Extremtemperaturen die Gleise verformt würden. Genau dort könnte diese neue, weisse Farbe eine mögliche Lösung sein. «Sieben Grad könnten genau dort durchaus einen Unterschied ausmachen», sagt Krebs. Dass das Schienennetz aber dereinst flächendeckend weiss daherkommt, das werde nicht passieren.

In Stein gemeisselt ist allerdings noch gar nichts. Zuerst wird weiter geprüft, zum Beispiel wie umweltverträglich diese neue Farbe ist, die schliesslich im Boden versickert. Oder in den Worten von Krebs: «Die Tests haben gezeigt, dass die weisse Farbe eine von verschiedenen Möglichkeiten ist, die bei der nächsten Hitzeperiode zur Anwendung kommen könnte.»

Auch andere Bahnbetriebe testen

Gleichzeitig testen die SBB auch andere Möglichkeiten im Kampf gegen die Hitze. Zum Beispiel die sogenannte Schotterverklebung. Dabei wird der Schotter mit einem Kleber zusätzlich stabilisiert, wodurch es zu weniger Gleisverformungen kommen soll.

Auch andere Bahnbetriebe testen, was weisse Schienen nützen könnten. Zum Beispiel die Rhätische Bahn oder die Österreichischen Bundesbahnen. Erste Erkenntnisse fallen dort gleich aus wie in Zuchwil. Mittelfristig werden die SBB all ihre Versuche auswerten. Und sollte es nächsten Sommer wieder zu solchen Extremperioden wie heuer kommen, sollen erste Massnahmen zum Einsatz kommen.