Soletta 13
«Terroristen» verschanzen sich in Fabrik - Sondereinheit im Einsatz

Im Rahmen der Übung «Soletta 13» hat die Sondereinheit Falk der Kantonspolizei am Mittwochmorgen die ehemalige «Papieri» gestürmt. Alle sechs «Terroristen» wurden gefasst.

Christoph Neuenschwander
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Zugriffsübung der Sondereinheit Falk auf dem Gelände der Sappi Biberist.
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Militär und Polizei besprechen den Einsatz
Auch ein Helikopter kam zum Einsatz
Zugriffsübung der Sondereinheit Falk auf dem Gelände der Sappi Biberist.
Zugriffsübung der Sondereinheit Falk auf dem Gelände der Sappi Biberist.
Zugriffsübung der Sondereinheit Falk auf dem Gelände der Sappi Biberist.
Die Sondereinheit Falk absolvierte eine Zugriffsübung auf dem Gelände der Sappi in Biberist.
Zugriffsübung der Sondereinheit Falk auf dem Gelände der Sappi Biberist.
Gute Tarnung ist die halbe Miete.
Zugriffsübung der Sondereinheit Falk auf dem Gelände der Sappi Biberist.
Zugriffsübung der Sondereinheit Falk auf dem Gelände der Sappi Biberist.
Die «Terroristen» verschanzten sich in der Sappi Biberist
Die Sondereinheit Falk kriegte die «Terroristen» zu fassen
Die Sondereinheit Falk kriegte die «Terroristen» zu fassen
Die Sondereinheit Falk kriegte die «Terroristen» zu fassen

Zugriffsübung der Sondereinheit Falk auf dem Gelände der Sappi Biberist.

Felix Gerber

Die schlechte Nachricht vorne weg: In einem Gebäude der ehemaligen «Sappi» in Biberist haben sich sechs Mitglieder einer Terrorzelle verschanzt - und sie führen nichts Gutes im Schilde. Aufklärer der Armee beobachten aufmerksam, wie sich die Lage vor Ort entwickelt.

Im Verwaltungsschutzbau (Veso) in Solothurn arbeitet man derweil an der Lösung des Problems. Die Einsatzleiter der Polizei haben sich im Bunker eingerichtet, Landkarten, Fotos und Gebäudeskizzen hängen an der Wand, Armeeangehörige halten sich an den Funkgeräten bereit, der «Battle Captain» des Infanteriebataillons 56 instruiert seine Truppen über das weitere Vorgehen. Es ist kurz nach acht Uhr: Noch an diesem Morgen wird die Sondereinheit Falk der Kantonspolizei das Bürogebäude in Biberist stürmen und die Terroristen festnehmen.

Sicherungsringe um das «Sappi»-Areal

Die Spannung im Raum ist deutlich spürbar. Kaum etwas lässt darauf schliessen, dass es sich bei der ganzen Sache lediglich um eine Übung handelt; bestimmt nicht die pulsierenden Schläfen des Falk-Einsatzleiters. Der Mann in der schwarzen Uniform plant und leitet die Intervention seines Teams vom Veso aus. Er ist hoch konzentriert.

Bestätigt ist im Moment erst die Anwesenheit von vier Terroristen im Gebäude. Laut Informationen des Militärs fehlen noch zwei. Während das Bataillon zwei Sicherungsringe um das gesamte «Sappi»-Areal vorbereitet, werden die Mitglieder der Sondereinheit in drei Helikopterflügen von Oensingen eingeflogen. Beim Landeplatz warten drei «Taxis» auf sie: Schützenpanzer, die das Falk-Team direkt zum Eingang des Gebäudes bringen werden.

Einige Schwächen bei der Zusammenarbeit zwischen Militär und zivilen Behörden habe die dreitägige Übung «Soletta 13» bereits offenbart, erklärt Diego Ochsner, Chef des Kantonalen Führungsstabs (KFS). Auch beim laufenden Einsatz konnte ein fundamentales Missverständnis bereits aus der Welt geräumt werden: «Als es um den Standort der Zielpersonen im Gebäude ging, haben wir bemerkt, dass das Militär die Stockwerke von oben her nummeriert, die Polizei aber von unten nach oben.»

Funktionieren würde die Zusammenarbeit in einem Ernstfall bestimmt, da sind Ochsner und Brigadier Daniel Keller sicher. «Die Übung war bisher für beide Seiten extrem lehrreich», sagt der KFS-Chef.

Demonstranten greifen Armee an

Um 9.15 Uhr sorgt ein Funkspruch für Aufregung. Demonstranten haben in Biberist die Armee angegriffen und eines der drei «Taxis» in ihre Gewalt gebracht. Eigentlich ein Fehler im Übungsablauf: Der Angriff hätte erst nach Beginn des Polizeieinsatzes stattfinden sollen, der äussere Sicherungsring war noch nicht geschlossen.

Schliesslich sind alle zwölf Falk-Polizisten auf dem Gelände. Auch die Terroristen sind vollzählig im Gebäude gesichtet worden. Der Einsatzleiter der Sondereinheit gibt die Schussfreigabe durch. Die Waffe darf nur bei Notwehr und Notwehrhilfe (zum Schutz einer Drittperson) abgefeuert werden. Schüsse zur Fluchtverhinderung sind dem Sicherungsring des Militärs überlassen. Der Taser-Einsatz ist - übungsbedingt - untersagt. Um 9.52 Uhr dringt die Einheit ins Gebäude ein, um 9.55 Uhr erhält sie grünes Licht, nach oben vorzustossen und die Intervention zu starten.

Funkstille. «Das ist für mich die angespannteste Zeit», sagt der Einsatzleiter und trinkt einen Schluck Kaffee. «Ich vertraue meinen Leuten, aber man weiss nie, was passiert.» Auch Gesamteinsatzleiter Roland Fringeli zeigt Nerven: «Da kribbelt es immer.» Ein Flüstern über Funk, Sprengfallen wurden entdeckt, das Vordringen verzögert sich. Auch beim Militär wird gefunkt: erneute Auseinandersetzungen mit Demonstranten.

Dann kommt das grosse Aufatmen. Die Sondereinheit meldet, dass alle sechs Terroristen verhaftet sind. Ein Sprenggürtel wurde neutralisiert. Fringeli stellt sich im Veso vor die versammelte Mannschaft und sagt zufrieden: «Wir haben erfüllt.»

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