Experiment
«Telefonieren» mit der Katze: So können Haustierbesitzer mit ihren Liebsten Kontakt aufnehmen

Tierkommunikatoren nehmen für die Besitzer Kontakt mit deren Haustieren auf – klingt schräg, ist heute aber gefragt

Noëlle Karpf
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Ein Foto, auf dem der Kopf und Augen der Katze gut zu sehen sind, genügt. Damit könne sie Kontakt aufnehmen, sagt Tierkommunikatorin Trudi Binz.

Ein Foto, auf dem der Kopf und Augen der Katze gut zu sehen sind, genügt. Damit könne sie Kontakt aufnehmen, sagt Tierkommunikatorin Trudi Binz.

zvg

«Ich starte jetzt die Verbindung.» Trudi Binz sitzt an ihrem Esstisch. Darauf eine Kerze, drei Schutzengel und das Foto einer grauen Katze. Mila. Mit ihr will die Tierkommunikatorin Kontakt aufnehmen. Sie schaut sich das Foto an, atmet tief durch, lehnt sich zurück und schliesst die Augen.

«Ich habe starkes Herzklopfen», berichtet Binz. «Ich denke, Mila hat so etwas noch nie gemacht.» Zuerst erzählt die Tierkommunikatorin, wie sie die Katze einschätzt: «Sie ist sehr sensibel und scheu. Eine verschmuste Katze», so Binz. Mila sei sehr auf ihre Besitzerin bezogen und «e Fiini». «Jetzt gerade liegt sie auf einer Polstergruppe auf einer viereckigen Decke und es sind noch zwei andere Personen im Raum.» Die Katze sei oft an diesem Ort.

Mit Tierkommunikatorin gegen Krähenplage

Tierkommunikation: ein Fall für spleenige Esoteriker? Unlängst sorgte das Kantonsspital Aarau für Aufsehen, weil es eine Tierkommunikatorin engagierte. Seit Jahren hat man dort Probleme mit Krähen, die in den grossen Bäumen auf dem Areal nisten und einen Heidenlärm machen. Man wolle dem Problem nicht beikommen, indem man Krähen abschiesse oder Bäume fälle, hiess es seitens des Spitals. Also sollte eine Tierkommunikatorin herausfinden, was die Tiere umtreibt.

Und das scheint ihr auch gelungen zu sein. Die Tiere würden das Spital nicht einfach zum Plausch heimsuchen, rapportierte Spitalsprecherin Andrea Rüegg. Die Vögel seien auf dem Areal, weil hier sehr viele Emotionen und belastende Gedanken anfallen. Diese würden sie auflösen. Das Spital hat darauf Klangelemente aufgehängt. Damit versucht man den Krähen zu signalisieren: Wir haben euch verstanden, ihr müsst nicht mehr so viel «arbeiten» und könnt weiterziehen.» (szr)

Binz ist seit mehreren Jahren Tierkommunikatorin. Sie nimmt für Besitzer Kontakt mit den Tieren auf und stellt ihnen Fragen. Es sei eine Art «Telefonieren» – halt einfach mit einem Tier. Normalerweise bespricht sie die Antworten persönlich mit den Besitzern. Bei diesem Experiment erzählt die Besitzerin Julia im Nachhinein, was sie von den Aussagen hält.

Erster Eindruck: Stimmt

«Zum Zeitpunkt des Experiments waren tatsächlich zwei Personen im Raum», sagt Katzenbesitzerin Julia Steiner aus Selzach. Mila liege zudem oft auf der Polstergruppe im Wohnzimmer – allerdings auf einem Kissen, nicht auf einer Decke. «Von dort aus schaut sie gerne hinaus.» Es stimme auch, dass Mila eine sensible und scheue Katze sei. Ebenso sei Mila zierlich – allerdings könne man das wohl schon auf dem Foto erkennen.

Andere Tiere: Stimmt teilweise

Nebst Mila hat Julia noch eine zweite Katze: Lou. Binz fragt Mila, was sie von anderen Tieren hält. Dabei hält sie die Augen geschlossen und redet «telepathisch» mit der Katze – dann gibt sie die Antwort durch. «Ich habe das Gefühl, die andere Katze ist ein Männchen – ein bisschen der King», so Binz.

Die andere Katze im Haushalt ist ein Weibchen. «Sie ist wohl eher die Queen, als der King», lacht Julia. Die zweite Katze sei schon sehr dominant. Die beiden Katzen sind nämlich Geschwister, einen Wurf auseinander. «Lou zeigt Mila regelmässig, wo es langgeht.»

Bindung zu Frauchen: Stimmt

Die Bindung zwischen Julia und Mila sei wohl sehr stark, sagt die Tierkommunikatorin. «Julia gibt ihrer Katze Sicherheit.» Die zweite Katze im Haushalt wende sich eher anderen Personen zu.

Julia wohnt mit fünf Geschwistern und ihren Eltern zusammen. «Beide Katzen sind vor allem auf mich bezogen», sagt sie. «Sie rennen auf mich zu, wenn ich nach Hause komme, oder kriechen aus ihrem Versteck, wenn ich den Raum betrete.» Lou lasse sich auch auf die anderen Familienmitglieder ein – Mila gar nicht.

Niemand da: Stimmt teilweise

«Mila lebt gerne dort», fährt Binz mit geschlossenen Augen fort. «Die Menschen sind aber selten zu Hause.» Sie habe ausserdem das Gefühl, dass jemand über längere Zeit weggehe. «Ich glaube, es ist Julia.»

Julia hat keine Ferien geplant. «Ich bin am Wochenende aber häufig weg.» Unter der Woche komme es häufig vor, dass niemand zu Hause sei.

Eigentlich hätte die Besitzerin noch mehr Fragen gehabt. Aber: «Mila ist erschrocken, sie versteckt sich», sagt Binz plötzlich. Dann schüttelt sie den Kopf. «Die Verbindung ist abgebrochen.» Sie versucht noch einmal, Kontakt aufzunehmen. «Nein, fertig. Ich bedanke mich noch.» Dann öffnet Binz wieder ihre Augen. «Ich denke nicht, dass alle Eindrücke der Realität entsprechen», sagt Binz im Anschluss an das Experiment. «Ich glaube aber, dass vieles zutrifft.»

Fazit: Kaum nur geraten

«Ich bin überrascht vom Ergebnis», sagt Julia. «Ich hätte nicht gedacht, dass man nur aufgrund eines Fotos so viel herausfindet.» Sie könne sich nicht vorstellen, dass das alles nur geraten sei. «Ich denke, es gibt einfach Leute, die das eher können – so wie manche mehr Empathie haben als andere.» Auch Binz sagt, dass eigentlich jeder mit Tieren Kontakt aufnehmen könnte. Dann zuckt sie zusammen. «Ich habe gerade gemerkt, dass ich die Verbindung noch beenden muss.»

Das sei wie Auflegen nach einem Telefongespräch. Mila habe das Gespräch zwar beendet – die Tierkommunikatorin müsse aber auch «abkoppeln». Binz lehnt sich erneut mit geschlossenen Augen zurück. Für einige Sekunden herrscht Stille. «So», sagt Binz mit einem erleichterten Lächeln. «Jetzt sind wir wirklich fertig.»

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