Heizölpreise
Tank füllen oder zuwarten?

Die Heizölpreise haben jüngt angezogen – trotzdem ist ein überhasteter Einkauf nicht zwingend.

Franz Schaible
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Der Winter steht vor der Tür: Die Brennstoffhändler sind gerüstet für mehr Arbeit. zvg/Erdölvereinigung

Der Winter steht vor der Tür: Die Brennstoffhändler sind gerüstet für mehr Arbeit. zvg/Erdölvereinigung

zvg/Erdölvereinigung

Nach dem zwischenzeitlichen Kälteeinbruch Anfang Oktober rückt das Thema Heizölpreis auf breiter Front definitiv in den Vordergrund. Sind doch immer noch fast die Hälfte aller Gebäude und Wohnungen in der Schweiz mit einer Ölheizung ausgestattet.

Damit gilt die Schweiz als Europameisterin im Heizen mit Erdöl. Deshalb stellen sich unzählige Haushalte die Frage, wie sich der Heizölpreis entwickeln wird und ob – daraus abgeleitet – der Öltank jetzt oder erst später gefüllt werden soll.

Abhängig von Weltpolitik

Und diese Frage muss jeder Konsument für sich selbst entscheiden. «Es ist heute unmöglich, die Preisentwicklung verlässlich vorauszusagen», sagt Raffael Weber. Er ist Verkaufsleiter bei der Wyssbrod Heizöl AG in Biel und gleichzeitig Vizepräsident von Swissoil Bern-Solothurn, dem Regionalverband der Brennstoffhändler in den beiden Kantonen.

Das Basisprodukt für den Brennstoff, das Rohöl, sei ein Spekulationsgut, und dessen Preisentwicklung hänge stark von weltpolitischen und -wirtschaftlichen Ereignissen sowie dem Wetter ab. Ein Beispiel: Ende September einigte sich die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) auf eine Obergrenze bei der Rohöl-Förderung.

Ziel: Wenn weniger gefördert wird, sinkt das Angebot und der Preis steigt. Sofort reagierte der Rohölpreis und sprang erstmals seit Monaten wieder über die Grenze von 50 Dollar je Barrel (159 Liter). Folgerichtig kletterte in der Schweiz der Heizölpreis um fast zehn Prozent auf rund 77 Franken je 100 Liter, nachdem er zuvor um die 70 Franken dümpelte.

Hinzu kommen, so Weber, hohe Frachtkosten auf dem Rhein. Bei einem optimalen Pegelstand koste der Transport von Rotterdam nach Basel 1.50 Franken pro 100 Liter, derzeit seien es 4.50 Franken. Nach dem trockenen Wetter sei der Wasserstand tief und die Tanker könnten nicht vollladen. So ist aktuell das Heizöl mit rund 77 Franken so teuer wie noch nie in diesem Jahr (siehe Grafik).

Trotzdem spricht Weber von «einem günstigen Preis». Auch nach der massiven Erhöhung der CO2-Abgabe auf Anfang Jahr – sie verteuerte die Wärmeenergie um 6 Franken je 100 Liter – liege er immer noch unter 80 Franken.

Aber «ein überstürzter Einkauf» sei nicht generell nötig. Weber differenziert zwischen zwei Ausgangsszenarien: Wenn der Heizöltank in absehbarer Zeit leer sein wird, dann empfiehlt er, jetzt Brennstoff zu bestellen. Wer aber noch bis im Frühling über genügend Heizöl verfüge, dem rät er, abzuwarten. Es könne sich nämlich lohnen, das Risiko weiter steigender Preise einzugehen.

Opec-Entscheid Ende November

Josef Rüetschli, Brennstoffhändler in Luterbach, bestätigt diese Ratschläge. Ergänzend verweist er auf ein neueres Phänomen. «Die alte Faustregel, Heizöl im Sommer zu kaufen, weil dann die Preise am tiefsten sind, stimmt so nicht mehr.» Im Gegenteil.

Gerade in den vergangenen Jahren habe sich gezeigt, dass die Wärmeenergie jeweils in den Monaten Januar und Februar am günstigsten gewesen sei. Das könne sich dieses Mal durchaus wiederholen. Grund ist, dass das Preisniveau für Heizöl ziemlich genau die sich rasch ändernde Lage auf dem Weltmarkt abbildet. Rohölpreis, Dollarkurs und Rheinfracht sind matchentscheidend.

Allerdings verweist Raffael Weber speziell auf einen Risikofaktor. «Am 30. November könnten alle Prognosen hinfällig werden.» Dannzumal treffe sich die Opec zu einem weiteren Treffen, wo die Förderpolitik definitiv besiegelt werden soll. Wenn dort alle Rohölproduzenten einheitlich eine Drosselung beschliessen, dann könnte der Rohölpreis markant steigen. «Mit den entsprechenden Folgen für die Heizölpreise.»

Aktuell halte sich die Nachfrage nach Heizöl aber noch in Grenzen, so Weber. «Mittelmässig», definiert Josef Rüetschli den Bestellungseingang. Das Wetter sei noch zu wenig winterlich. Auch trage der vergangene, sehr milde Winter dazu bei. Der Heizölverbrauch sei tief gewesen und die Öltanks seien entsprechend noch gut gefüllt.