Wer hat sie in den letzten Wochen noch nicht gemacht - die unangenehmen Erfahrungen mit Wespen. Egal, ob beim Feierabendbier, beim Bräteln im Wald oder zu Hause beim Essen mit der Familie - ständig stören Wespen die gemütlichen Momente. Manch einer fragt sich: Haben wir eine Plage?

Schädlingsbekämpfer uneinig

Geht es nach Alfred Reust, Geschäftsführer der Schädlingsbekämpfungsfirma ARS-Insect ist die Antwort klar: «Zurzeit müssen wir doppelt so viel Ausrücken wie zum gleichen Zeitpunkt im letzten Jahr.» Anfangs Juli habe das Telefon angefangen sturmzuläuten. «Die Wespen sind überall ein Problem, sei es bei Privaten zu Hause oder in der Gartenwirtschaft.»

Anders als bei ARS-Insect spricht man bei der Egerkinger Schädlingsbekämpfungsfirma Oltex AG nicht von einer Plage. Geschäftsführer Daniel Müller: «Wir rücken nicht mehr aus als in anderen Jahren. Im Moment sind es pro Tag zwei bis drei Nester, die wir vernichten.» Aus Selbstschutz rät er zurzeit von Eigeninitiativen wie zum Beispiel dem Vernichtungsspray aus dem Baumarkt ab: «Jetzt sind die Nester grösser, also unbedingt den Profi rufen.»

Feuerwehr: «Zunahme bemerkt»

Auch bei der Solothurner Feuerwehr stellt man eine Zunahme der Wespenvölker fest. «Zurzeit habe ich jeden Tag rund zwei Wespennester, die ich kontrollieren muss», sagt Gottfried Arnold, Materialverwalter der städtischen Feuerwehr. Ein Anruf bei der Feuerwehr bedeutet aber nicht automatisch, dass diese auch ausrückt.

Grundsätzlich lasse er sich jeweils die Lage erklären, um anschliessend zu entscheiden, ob das Nest vernichtet werden muss oder nicht. «Manchmal ist auch ein Augenschein vor Ort nötig, um darüber zu entscheiden.» Klar sei aber: Falls es gefährlich werde, greife die Feuerwehr ein. Nicht immer wird ein Nest aber vernichtet.

«Wenn man den Leuten vor Ort erklärt, dass man die Wespen vergiftet, überlegt sich der ein oder andere, ob sie wirklich so störend sind, wenn das Nest zum Beispiel hinter dem Haus ist», sagt Arnold. Es gehe nicht darum, jede Wespe zu retten, aber diese hätten auch ein Recht auf Leben und seien ausserdem Teil des Kreislaufs der Natur.

«Wespen sind zudem hilfreich, wenn es um andere Plagen geht. Ein Wespenvolk verputzt pro Tag ein halbes Pfund anderer Insekten, wie Fliegen oder Mücken», erklärt der Spezialist. Heuer falle ihm auf, dass viele der «lästigen» Wespen unterwegs seien, die auch die «hässlichen» Waben bauen. «Die Gemeine und die Deutsche Wespe sind extrem aggressiv und bauen ihre Nester in Ritzen, Storenkästen und Erdlöchern», so Arnold.

Kanton: «Viele Nester in Löchern»

Dem kantonalen Bieneninspektor Marcel Strub ist die Vielzahl Wespen ebenfalls aufgefallen. Er meint, sie seien aber eher unterschiedlich unterwegs. «Am Aeschisee hat es extrem viele, aber in der Umgebung Solothurn/Riedholz eher wenige.»

Strub glaubt, dass unsere heutige «Abfallkultur» auch einen Grossteil dazu beitrage, dass wir so viele Wespen hätten. Als Beispiel nennt er Take-away Essen: «Man isst auf der Strasse und zwischendurch fällt mal etwas runter und das ist natürlich leicht gefundenes Fressen für die Wespen.»

Die Insekten würden nämlich nicht nur auf Süsses abfahren, sondern sie würden auch fleischiges Eiweiss sammeln, um ihre Brut zu ernähren. Normalerweise würden sie dieses Eiweiss bei toten Insekten sammeln, «aber wenn Fleisch auf dem Servierteller bereitsteht, holen sie sich es halt dort», so Strub.

Spitäler: «Zunahme von Patienten»

Auch in den Notfallstationen des Bürgerspitals Solothurn und des Kantonsspitals Olten verzeichnet man in den letzten zwei Wochen eine Zunahme von Patienten mit Wespenstichen. Eric Send, stellvertretender Leiter Kommunikation der Solothurner Spitäler AG: «Oft kommen diese Patienten eher gegen Abend, der grössere Teil von ihnen kann auf unseren ambulanten Notfallstationen behandelt werden, die sogenannten ‹Hausarzt-Notfallsstationen›».

So seien es währen den schönen und heissen Tagen zwischen drei und acht Patienten mit Wespenstichen. Die Symptome seien vielfältig. «Oftmals sind es lokale Reaktionen, also eine Schwellung und Rötung der Stichstelle, selten aber entzündete sich die Haut», so Send. Einige der Patienten hätten aber auch allergische Reaktionen gezeigt.

«Wie lange es anhält ist unklar»

Egal ob Plage oder nicht, eins ist klar. Mit der Äpfelernte im September und dem Verfaulen der Früchte werden die Schädlingsbekämpfungsfirmen, die Feuerwehr sowie die Spitäler wohl noch länger mit den Wespen zu tun haben.

Isabelle Landau, Mediensprecherin des Schädlingsbekämpferverbandes: «Wie lange es anhält, kann man nicht sagen, weil niemand weiss wie sich das Wetter entwickelt.» Bei den beiden häufigsten Wespenarten, den Deutschen und den Gemeinen, könne es bis Oktober oder November dauern. «Die letzten Arbeiterinnen sterben beim ersten Frost.»