Kanton Solothurn

Tageskarten sind ein Renner – aber werden sie in den Gemeinden teurer?

Während der Ferien und an Wochenenden sind die Tageskarten oftmals restlos ausverkauft.

Während der Ferien und an Wochenenden sind die Tageskarten oftmals restlos ausverkauft.

Sie ist ein Renner auf den Gemeindekanzleien: die SBB-Tageskarte für die Einwohnerschaft. Nun verlangen die Bundesbahnen von den Gemeinden höhere Preise. Die meisten Gemeinden im Kanton Solothurn wollen jedoch nicht nachziehen.

Die Einwohner etlicher Gemeinden profitieren von den Gemeindetageskarten und nutzen kantonsweit das Angebot in vollen Zügen. Während den Ferien und an Wochenenden sind die Karten oftmals ausverkauft.

Doch nicht nur für spezielle Anlässe scheinen die Tageskarten gefragt zu sein. Die Grenchner Stadtschreiberin Luzia Meister berichtet, dass die Auslastung «über das ganze Jahr gesehen bei über 95 Prozent liegt». Markus Dietler, Stadtschreiber in Olten, hat ähnliche Zahlen: «In den letzten zehn Jahren schwankte die Auslastung zwischen 90 und 100 Prozent.»

Eine vergleichbare Lage zeichnet sich auch in Hägendorf, Solothurn und Derendingen ab. Doch nicht nur in grösseren Ortschaften wird das Angebot gerne genutzt, so werden auch in Messen und Laupersdorf stets viele Karten ausverkauft.

Unterschiedliche Preise

Zuständig für die Gemeindetageskarten sind verschiedene Unternehmen, die SBB dienen lediglich als Vermittler, damit die Gemeinden die Tageskarten für ein ganzes Jahr beziehen können. Es handelt sich dabei um 12 Monatsblöcke mit vordatierten Tageskarten.

Die Preise für den gemeindeinternen Vertrieb der Karten können die jeweiligen Ortschaften autonom festlegen. Demzufolge variieren die Preise: Die Kosten für eine Karte betragen im Kanton zwischen 38 und 45 Franken. Folglich unterscheidet sich auch die Gewinnbeteiligung der verschiedenen Gemeinden.

Dienstleistung für die Gemeinde

Für die Gemeinden scheint der Gewinnaspekt sekundär. Stefan Schaad, Gemeindeschreiber in Laupersdorf, erklärt, es sei Aufgabe der Verwaltung, solche Dienstleistungen für die Einwohner zu erbringen. Ähnlich sieht das Luzia Meister: «Die Leute lieben die Tageskarten. Es reicht, wenn einfach die Kosten gedeckt werden.» Und auch Markus Dietler sagt: «Das Ziel ist es, die Kosten zu decken.» Der Gewinn, den die Gemeinden mit dem Tageskartenverkauf erzielen, ist eher bescheiden.

Simone Jermann, Gemeindeschreiberin von Breitenbach, erklärt, dass es wichtig sei, auch «Profit zu machen, sonst würde es sich ja nicht lohnen». Viele Verwaltungen sehen jedoch in den Tageskarten die Möglichkeit, der Bevölkerung die Nutzung des öffentlichen Verkehrs näher zu bringen. Zudem seien die Menschen eher animiert, an einem freien Tag etwas zu unternehmen.

Ähnliches erklärt auch Reto Schärli, Mediensprecher der SBB: «Es ist ein Angebot, um die Nutzung des öffentlichen Verkehrs möglichst vielen Leuten zu ermöglichen.»

Nicht nur die Preise hängen von der jeweiligen Kommune ab, sondern auch das Verkaufspublikum: Einige Gemeinden stellen die Tageskarten nur Einheimischen zur Verfügung, andere bieten diese auch für auswärtige Personen an.

Reto Schärli erklärt, dass dies «ein Dauerthema» sei. «Eigentlich ist die Idee der Gemeindetageskarten, dass sie nur Einheimische kaufen dürfen.» Ausgenommen davon seien Gemeinden mit weniger als 2000 Einwohnern, welche die Karten bei Nachbargemeinden beziehen dürfen. Schärli: «Dass sich nicht alle genau an die Regeln halten, ist klar. Es wird beobachtet.»

«Weiterhin angeboten»?

Die befragten Gemeinden – Solothurn, Olten, Grenchen, Laupersdorf, Breitenbach, Hägendorf, Messen und Derendingen – sind überzeugt: Die Tageskarten werden auch weiterhin angeboten, wie alle bestätigen.

Ebenso versichern sie, dass die Preise nicht erhöht werden sollen. Und das, obwohl die Gemeindetageskarten ab Dezember seitens den SBB teurer verkauft werden. Für zwölf Monatsblöcke mussten bisher 13'300 Franken bezahlt werden, neu wird der Preis um 700 Franken erhöht. Reto Schärli erklärt die Erhöhung mit dem Anstieg der Tarife in der Gesamtbranche.

Walterswil schafft Karten ab

Anders sieht es in Walterswil aus. Der Gemeinderat wird der Gemeindeversammlung vorschlagen, die Tageskarten abzuschaffen. Wie Gemeindepräsidentin Marie-Louise Wilhelm erklärt, sei dieser Entscheid nicht nur rein finanziell motiviert: «Es macht keinen Sinn, das Angebot zu behalten, wenn nur zehn Prozent der Karten an Einheimische verkauft werden.»

Es wäre möglich, dass die Karten dennoch im Angebot bleiben, so Willhelm. «Vielleicht merken die Einwohner, dass die Karten abgeschafft werden könnten und sie das Angebot doch behalten und nutzen wollen.»

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