Amtsgericht

Täter missbraucht 13-Jährige - ihre Mutter bleibt mit ihm zusammen

«Er hat seine vaterähnliche Stellung missbraucht», sagte der Staatsanwalt über den Angeklagten, der im «Böhse Onkelz»-Pullover vor Gericht erschien. (Symbolbild)

«Er hat seine vaterähnliche Stellung missbraucht», sagte der Staatsanwalt über den Angeklagten, der im «Böhse Onkelz»-Pullover vor Gericht erschien. (Symbolbild)

Ein 37-Jähriger wurde vom Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt wegen sexuellen Handlungen mit einem Kind zu einer bedingten Strafe verurteilt. Die Mutter des geschändeten Mädchens lebt weiter mit ihm zusammen.

Wenn ein wegen sexuellen Handlungen mit einem Kind Angeklagter beim Gerichtstermin einen Pullover mit der Aufschrift «Böhse Onkelz» trägt, dann setzt er damit ein deutliches Zeichen. Auch sein Käppi zog Kevin R* trotz Aufforderung nicht ab. Gerichtspräsident Stefan Altermatt war darüber zwar sichtlich verärgert, insistierte dann aber nicht, damit die Verhandlung vorangehen konnte.

Selbst bei seinem Pflichtverteidiger schien Kevin R. keine Sympathien zu geniessen, denn dieser stellte gleich zu Beginn den Antrag, aus dem amtlichen Mandat entlassen zu werden. Das Gericht machte ihm den Gefallen nicht. «Objektiv betrachtet haben sie ihre Aufgaben korrekt ausgeführt und es ist kein Grund ersichtlich, weshalb wir sie aus dem Mandat entlassen müssten», sagte der Gerichtspräsident.

«Es geht mir Scheisse», beschrieb Kevin R. sein Leben. Er sei schwer krank und warte auf eine Spenderniere. Zu den Anklagepunkten wollte der 37-jährige Deutsche keine Aussagen machen. Das war aber für eine Verurteilung auch nicht nötig. Bei einer der polizeilichen Einvernahmen hatte Kevin R. zugegeben, dass die Beschreibungen stimmten, die sein 13-jähriges Opfer in einer Videoeinvernahme gemacht hatte.

Somit sah es das Gericht als erwiesen an, dass Kevin R. mehrmals das in seiner Entwicklung zurückgebliebene Mädchen mit der Hand unter den Kleidern zwischen den Beinen gestreichelt hatte. «Das ist kein Bagatelldelikt. Das Mädchen nannte ihn Papi. Er hat seine vaterähnliche Stellung missbraucht», sagte Staatsanwalt Marc Finger, der eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten beantragte.

Seltsame Rolle der Mutter

«Wie würden sie ihre Beziehung zur Mutter des Opfers beschreiben?», wollte der Staatsanwalt vom Angeklagten wissen. «Ist es ein Verbrechen, dass ich mich mit ihr gut verstehe?», antwortete Kevin R. mit einer Gegenfrage. Tatsächlich leben der Täter und die Mutter des Opfers weiterhin zusammen in derselben Wohnung, wo die Übergriffe geschahen.

«Für das Gericht ist es völlig unverständlich, dass sich die Mutter gegen ihr eigenes Kind und für eine Beziehung mit diesem Mann entschieden hat», sprach der Gerichtspräsident bei der Urteilsbegründung die seltsame Rolle der Mutter an. Dass die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde KESB das 13-jährige Mädchen bei einer Pflegefamilie unterbringen musste, war damit erklärt.

So wurde Kevin R. zu einer bedingt ausgesprochenen Freiheitsstrafe von 16 Monaten mit einer Bewährungsfrist von drei Jahren verurteilt. Seinem Opfer muss er eine Genugtuung von 4000 Franken für den erlittenen seelischen Unbill zahlen. «Das Mädchen macht sich selber Vorwürfe, weil die Familie zerstört und sie fremdplaziert wurde», lautete die Begründung.

Dazu erteilte das Amtsgericht die Weisung, dass sich Kevin R. einer Psychotherapie unterziehen muss. «Das ist der zentrale Punkt des Urteils, nicht die Strafe. Ich habe den Eindruck, dass er das Vorgefallene nicht aufgearbeitet hat. Von Reue war während der Verhandlung nichts zu spüren. Er sieht sich in der Opferrolle und verhält sich renitent», erklärte der Gerichtspräsident. «Deshalb muss er sich nun in eine psychotherapeutische Behandlung begeben, an sich arbeiten und sein Delikt thematisieren.»

* Name von der Redaktion geändert.

Meistgesehen

Artboard 1