Enttäuscht reagiert Ronnie Bernheim, Co-Chef der Uhrenfabrik Mondaine und Mitgründer der IG Swiss Made, auf den Entscheid des Nationalrates, die Swissness-Vorlage nicht aufs Eis zu legen. Die Unterstützung der landwirtschaftlichen Anliegen habe wohl den negativen Ausschlag gegen die Verschiebung und administrative Entschlackung gegeben, sagt er.

«Viele Nationalräte aus allen Parteien haben die Nöte der KMU erkannt, welche durch den starken Franken und das sehr scharfe Swissness-Gesetz entstanden sind.» Er bleibt dabei: Es sei unrealistisch, dass die Zulieferindustrie Fabriken und Kapazitäten so ausbauen kann, um die grosse Menge an bisher importierten Uhrenteilen hier herzustellen. «Ausserdem wird nun ein Teil der Uhrenproduktion ins Ausland verlagert, weil günstige Uhren sonst zu teuer werden», warnt er.

Blösch: «Bin sehr erleichtert»

Daran glaubt Peter Blösch nicht. «Wer diesen Schritt ins Auge fasst, muss bedenken, dass damit das Label Swiss Made als Alleinstellungsmerkmal verloren gehen wird», erklärt der Leiter der Grenchner Blösch-Gruppe, welche unter anderem Zifferblätter produziert, Uhrengläser und -gehäuse veredelt. Jeder Unternehmer müsse letztlich selber darüber entscheiden, wie viel ihm das Label wert sei.

Jedenfalls werde mit dem neuen Gesetz das Trittbrettfahren unterbunden. Er selbst reagiert «sehr erleichtert» über den Entscheid des Nationalrates. Die bereits getätigten Investitionen in den Ausbau der Produktion seien der richtige Schritt gewesen. Im Gegensatz zur IG Swiss Made ist Blösch überzeugt, dass die Zulieferindustrie den Mehrbedarf werde abdecken können. Die Uhrenindustrie sei durch den starken Franken und die Absatzprobleme in Asien schon genug gefordert. «Eine starke Marke Schweiz nützt Uhrenherstellern wie Zulieferern.»

Bernheim seinerseits setzt nun auf die Vernehmlassung zur Swiss-Made-Uhrenverordnung, welche bis zum 2. Dezember dauert. «Die IG vertritt die Interessen vieler Uhrenfirmen im unteren und mittleren Preisbereich und wird deren Bedürfnisse einbringen.» Man sei zwar auch für eine starke Marke Schweiz, aber gegen eine nochmalige Verschärfung der Auflagen gegenüber dem neuen Gesetz und der Industrie-Verordnung.

«Da gibt es Diskussionsstoff.» Die vom Bundesrat in die Vernehmlassung geschickte Verordnung basiert auf einem Vorschlag des Verbandes der Uhrenindustrie. Demnach müssen für eine Schweizer Uhr künftig nicht nur mindestens 60 Prozent der Herstellungskosten in der Schweiz anfallen, zusätzlich muss auch die technische Entwicklung der Uhr oder des Uhrwerks hierzulande erfolgen. (FS)