Festnetz
Swisscom verliert Kunden – und Solothurner Anbieter legen zu

Die Swisscom schaltet analoge Telefon-Anschlüsse ab. Künftig läuft alles digital. Ehemalige Kunden wechseln nun zu Anbietern im Kanton.

Noëlle Karpf
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Die Swisscom verdient weniger mit Festnetztelefonie und stellt auf digital um. Das verwirrt Kunden.

Die Swisscom verdient weniger mit Festnetztelefonie und stellt auf digital um. Das verwirrt Kunden.

Steffen Schmidt/Key

Wer telefoniert heute noch mit einem Fesnetz-Telefon? Immer weniger, sagt die Swisscom. Sie gab nach dem ersten Quartal 2017 bekannt, dass sie Kunden in ihrem einstigen Kerngeschäft – der Festnetz-Telefonie – verliert. Die Swisscom setzt denn auch nicht mehr auf analoge, sondern auf digitale Anschlüsse.

Konkret bedeutet das: Ab 2018 gibt es keine Anschlüsse mehr über die Telefondose. Stattdessen werden alle Kabel, also auch die für Internet und Fernsehen, an einer Box angeschlossen. Das führt dazu, dass einige Kunden ihre Installationen zu Hause umstellen und dafür Elektriker aufbieten müssen. Die Anbieter von Festnetzanschlüssen im Kanton Solothurn scheinen davon zu profitieren: «Wir konnten in diesem ersten halben Jahr 2017 einen extremen Zuwachs an Neukunden feststellen», erzählt beispielsweise Kurt Hohler, Geschäftsleiter der Gemeinschaftsantenne Grenchen (GAG).

Pluspunkt: Kundennähe

Laut Kohler hat die GAG im ersten Halbjahr 2017 etwa 400 neue Kunden gewonnen. So viele waren es im ganzen Jahr 2016. Obwohl die GAG auch ausschliesslich digitale Anschlüsse anbietet. Den Kunden störe dies aber nicht grundsätzlich. «Die Wechselbereitschaft der Kunden ist da, solange das Umstellen einfach geht», so Kohler.

Ähnliches berichtet Philipp Wagner, stellvertretender Kommunikationsleiter der EWK Herzogenbuchsee, die ebenfalls nur digitale Anschlüsse anbietet. «Viele waren nicht bei uns Kunden, weil wir nur Anschlüsse via Modem verkauft haben», erklärt Wagner. Jetzt, da die Leute eh umstellen müssten, täten sie das lieber bei einem Anbieter in der Nähe. «Gerade viele ältere Leute sind überfordert», erklärt Wagner.

Analog – Digital: Die Swisscom stellt um

Die Swisscom verdient mit ihrem einstigen Kerngeschäft Festnetztelefonie weniger. Das habe aber nichts mit der Umstellung auf den 1. Januar 2018 von analog auf digital zu tun. «Das Festnetztelefon wird von immer mehr Kunden durch das Mobiltelefon ersetzt», teilt Armin Schädeli von der Swisscom auf Anfrage schriftlich mit.

Es handle sich dabei um eine Entwicklung, die man schon seit mehreren Jahren beobachte. «Die herkömmliche, analoge Festnetztelefonie ist über 100 Jahre alt und entspricht nicht mehr den Bedürfnissen der Kunden und dem Wirtschaftsstandort Schweiz.» Umfragen der Swisscom würden auch zeigen, dass Kunden nach der Umstellung zumindest gleich zufrieden mit ihrem Anschluss sind.

«Die Bereitschaft zum Wechsel ist sehr hoch», so Schädeli. Mittlerweile würden rund drei Viertel der Kunden von Vorteilen der IP-Telefonie, also einem digitalen Anschluss, profitieren. Dazu gehören auch Callfilter zum Blockieren von Werbeanrufen oder etwa Sperrlisten für Telefonnummern. (NKA)

Diese würden mit ihren Fragen zum regionalen Anbieter gehen. Da die EWK momentan dabei ist, ihr Netz umzubauen, und deshalb bei vielen Leuten zu Hause ist, um dort neue Kabel zu ziehen, sprechen bei dieser Gelegenheit viele Kunden ihre Unsicherheiten aus. Und wechseln dann oftmals auch gleich zum lokalen Anbieter.

Pluspunkt: Preise

«Für unsere Kunden ändert sich nichts, denn sie sind von der Umstellung von Swisscom nicht betroffen», sagt Marco Lupi, Leiter Marketing und Verkauf der Gemeinschaftsantenne Weissenstein (GAW). «Die Swisscom-Kunden müssen sich aber nun bewegen.» Und das täten sie oftmals zu einem regionalen Anbieter hin. Wohl auch wegen der Preise. Kombipakete mit Festnetz, Internet und Fernsehen seien dort günstiger zu haben. Zahlen zum Kundenzuwachs nennt Lupi nicht. Aber: «Wir verzeichnen klar einen Zuwachs in der Festnetz-Telefonie. Die Swisscom verliert in diesem Bereich Kunden.»

«Eine Verunsicherung beim Endkunden ist spürbar und die Anfragen im Bereich Telefonie sind konstant hoch», sagt auch Roger Kälin, Geschäftsführer der ggsnet Schwängimatt in Oensingen. Die Kunden würden unter anderem am regionalen Anbieter auch schätzen, dass er kostenlose Beratungen oder Umstellungen der Heiminstallationen anbietet.

Bessere Angebote und ein besseres Netz: Laut Peter Leuenberger, Geschäftsführer der Fernsehgenossenschaft Wangen bei Olten, sind dies die Vorteile regionaler Anbieter gegenüber der Swisscom. Man habe viele Kunden an den Grosskonzern verloren. Das ändere sich nun wieder.

Kaum noch analoge Anschlüsse

Ein Anbieter, der noch analoge Anschlüsse im Kanton anbietet, ist Solnet in Solothurn. Das Thema sei schon komplex und verwirre einige Kunden, erklärt Ralph Urech von Solnet. «Sie können entweder bei der Swisscom bleiben oder den Anbieter wechseln.» Auch bei Solnet merke man, dass die Anzahl Neukunden auf Ende Jahr hin steige.

Irgendwann werde auch beim Solothurner Anbieter alles digital laufen. «Die analogen Anschlüsse werden in den nächsten fünf Jahren aus unserem Angebot verschwinden.» Schliesslich spiele es für den Kunden gar keine grosse Rolle, ob er einen anlogen, oder einen digitalen Anschluss habe. «Das grösste Bedürfnis der Kunden heutzutage ist einfach zu telefonieren und eine schnelle Internetverbindung zu haben», so Urech.