Spezielle Konstellation
SVPler aus der Reckenkien-Connection halten im Kantonsrat die Stellung

SVP-Mann Josef Fluri möchte in den Kantonsrat. Seine Frau und sein Geschäftspartner sitzen heute schon für die SVP im Rat. Und wollen ab 2017 nicht mehr.

Lucien Fluri
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Ein politisches Paar vor prächtiger Kulisse: Claudia Fluri will bald nicht mehr im Kantonsrat sitzen, Ehemann Josef Fluri möchte bald in Solothurn politisieren.

Ein politisches Paar vor prächtiger Kulisse: Claudia Fluri will bald nicht mehr im Kantonsrat sitzen, Ehemann Josef Fluri möchte bald in Solothurn politisieren.

Hanspeter Bärtschi

Man würde es ja verstehen, wenn Josef Fluri gar nie in die Kantonspolitik gehen wollte. Er könnte schon mehr als genug Geschichten aus Solothurn gehört haben. Von seiner Frau etwa. Claudia Fluri ist seit vier Jahren Kantonsrätin. Oder von seinem Geschäftspartner, dem Käsermeister Hansjörg Stoll, der seit 16 Jahren für die SVP im Solothurner Parlament sitzt.

Doch so ist das nicht. Josef Fluri will jetzt ebenfalls in den Kantonsrat. Auch wenn seine Ehefrau und sein Geschäftspartner aufhören: Hansjörg Stoll und Claudia Fluri treten bei den Wahlen im Frühling 2017 nämlich nicht mehr an. Da drängt sich doch die Frage auf: Haben ihn «zu Hause» Frau und Arbeitskollege einfach überredet, die Kohlen aus dem Feuer zu holen – damit der Kantonsratssitz in den Händen der Familie und des Geschäfts bleibt?

Fahrt ins Reckenkien. Auf dem Rastplatz ob dem Mümliswiler Weiler grasen Ponys, Kinder spielen, die Sonne scheint. Die Landschaft mit den sanften Jurahügeln wirkt unter dem stahlblauen Himmel wie ein kleines Paradies. Man könnte jetzt ins Klischee verfallen und sagen: So wie es in der heilen Welt der SVP sein sollte.

«Es reicht jetzt»

Mit dem Mümliswiler Käsermeister Hansjörg Stoll hört 2017 auch einer der beiden dienstältesten SVP-Parlamentarier auf. «Ich war vier Legislaturen dabei. Das reicht», sagt Stoll auf Anfrage. «Irgendwann muss man Platz machen.» Stoll selbst wird gute Erinnerungen mitnehmen. «Ich habe viel gesehen und gelernt.» – «Am Stammtisch treffe ich meistens Leute, die ähnlich denken. Im Kantonsrat setze ich mich mit ganz anderen Meinungen auseinander. Das ist spannend.» Stoll fasst die politische Arbeit mit einem Augenzwinkern ganz einfach zusammen: «Wir tun nichts anderes als zu entscheiden, wie viel Geld eingenommen wird. Und dann versuchen wir, das eingenommene Geld sinnvoll zu verteilen. Aber was sinnvoll ist, darüber wird halt gestritten.» Der Thaler erinnert sich da an starke Ausienandersetzungen, auch in der SVP-Fraktion – beispielsweise bei Geldern für den Naturpark Thal. «Da ist die SVP grundsätzlich kritisch. Aber wir Thaler brauchen den Naturpark. Auch wir in unserem Betrieb.» (lfh)

Claudia Fluri verbringt den Nachmittag mit den Kindern hier. Etwas weiter unten in der bekannten Reckenkien-Cheesi stellen Hansjörg Stoll und Josef Fluri das Passwangmutschli und weitere Käsespezialitäten her. Hier aber gedeiht auch das SVP-Gedankengut gut, wie im ganzen Thal.

In der einstigen, inzwischen etwas schwächelnden CVP-Hochburg war die SVP bei den Kantonsratswahlen 2013 so stark wie in keinem anderen Solothurner Bezirk, auch wenn die CVP nach wie vor den Ton angibt. Doch die SVP holt auf. Sie saugt hier ab, was eine nach Mitte-Links gerückte CVP an konservativeren, ländlichen Stammwählern zurückgelassen hat. Vor allem bei nationalen Abstimmungen dominiert oft die Volkspartei, die CVP dagegen bei Personenwahlen.

«Willst du dir das antun?»

Zurück auf den Rastplatz. Im Sonnenschein sitzen Claudia und Josef Fluri am Holztisch. Hansjörg Stoll ist verhindert. Wie war das jetzt, musste der Ehemann, als die Ehefrau nicht mehr wollte? Die beiden lachen. So war es nicht. «Willst du dir das auch antun», hat ihn Claudia Fluri zwar gefragt. Aber nur zum Spott. Denn für beide ist Politik schon lange Hobby. Als die Mümliswiler Ortspartei vor rund 15 Jahren gegründet wurde, waren sie dabei. Er, der eigentlich aus einem schwarzen Haus stammt und sie, die aus einer FDP-Familie kommt. Und bei der SVP trafen sie auch auf Gründungsmitglied Hansjörg Stoll, mit dem Josef Fluri damals noch nicht in der Käserei zusammenarbeitete. Und so lässt sich die heutige – «durchaus nicht alltägliche» – Reckenkien-Connection leicht erklären.

Politik, Familie, Beruf ...

Dass Claudia Fluri vor vier Jahren für den Kantonsrat kandidierte, war nur logisch. Sie hatte jahrelang das Fraktionssekretariat der SVP geführt und war Parteisekretärin. Jetzt, «nur» vier Jahre später, hat sie sich den Rückzug gut überlegt. Sie weiss, dass sie eine der wenigen Frauen in der SVP ist, die Politik hat ihr eigentlich gefallen, für die SVP Thal-Gäu geht es auch darum, ihre drei Sitze zu verteidigen. Doch irgendwann war ihr klar, dass sie aufhört. «Ich musste beruflich ganz klar zurückstecken», sagt die dreifache Mutter. Erst danach wurde eine Kandidatur für ihren Mann virulent. Dass er antritt, war für ihn klar. Schliesslich ist er seit acht Jahren im Gemeinderat. SVP-Ortsparteipräsident ist er auch schon. Nur an eine Doppelkandidatur dachten sie nie, auch wenn ein Ehepaar im Kantonsrat sitzen dürfte. «Wenn beide weg wären, wäre das mit der Familie zu kompliziert», sagen sie.
Und was hat sein Geschäftspartner Hansjörg Stoll gesagt? Nichts. «Das ist sein ganz privater Entscheid. Ich habe weder zu- noch abgeraten», so Stoll.

Im Thal gut vernetzt

Zwei ältere Herren sitzen auf dem Bänkli beim Rastplatz. Josef Fluri grüsst sie, sie scherzen. Jeder kennt hier jeden, insbesondere Fluri, der zehn Jahre lang Präsident des Schwingklubs war. Aber nein, aufs Bild wollen die Herren nicht. Als «Schwarze» würden sie da nicht hinpassen, lachen sie.

Welche Tipps gibt sie ihm, sollte er denn gewählt werden? «Sich selbst bleiben», sagt Claudia Fluri. Aber sie weiss auch: «Man wächst in so ein Amt hinein.» Als sie ihre ersten Voten vorbereitete, «wusste die ganze Familie davon». Sie sagt: Ihr Mann habe viel von ihrer politischen Arbeit mitbekommen. «Aber man muss die Erfahrungen selbst machen.» Grundsätzlich glaubt sie, dass ihr Mann «für die Politik gemacht ist». Sie begründet das mit einer kleinen Geschichte.

Manchmal hat sie sich genervt, wenn im Kantonsrat schon alles gesagt war, aber einer noch «fürs Ego und nicht für die Sache» weiterdebattieren musste. Manchmal nervte es sie, wenn es nicht vorwärtsging. Und sie hat sich genervt, wenn ihr Mann dann gesagt hat: «Los, äs isch, wies isch.» Heute mag sie den Satz. «Der Satz tönt simpel. Aber er hat einen tieferen Sinn. Ich habe durch die Politik Gelassenheit gelernt.» Ihr Mann verfüge eher über diese, findet sie. Wird er gewählt, möchte sich Josef Fluri für KMU einsetzen und für Familienpolitik.

Jetzt will Claudia Fluri noch den Wahlkampf ihres Mannes führen. «Das habe ich immer gerne gemacht.» Ob dieser von Erfolg gekrönt ist, weiss Josef Fluri am 12. März, wenn die Thaler ihre Stimme abgeben. «Der Wähler entscheidet dann. Ich bin erst nominiert», sagt Fluri – gelassen.

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