Es stellte sich fast so etwas wie Wohnzimmer-Atmosphäre ein, im Foyer des Parktheaters Grenchen. Tischlampen auf der Bartheke verbreiteten Gemütlichkeit. Und Parteipräsident Silvio Jeker begrüsste die «SVP-Familie» zur ausserordentlichen Parteiversammlung.

Gegen 90 Mitglieder der Volkspartei haben am Donnerstagabend hier an zwei langen Tischen Platz genommen, um das «fantastische» Ergebnis der SVP Kanton Solothurn bei den nationalen Wahlen am 18. Oktober zu feien.

«Ich bin stolz, Präsident dieser Partei zu sein, die wächst und gedeiht, in der Teamarbeit grossgeschrieben wird und alle an einem Strick ziehen», rief Jeker seinen Parteifreunden zu.

Kritik an FDP-Präsident

Allzu gemütlich wollte sich die «SVP-Familie» dann aber doch nicht einrichten. Trotz aller Erfolge geht der Kampf nämlich weiter. Beim zweiten Ständeratswahlgang vom 15. November stehen sich SVP-Herausforderer Walter Wobmann und der bisherige sozialdemokratische Amtsinhaber Roberto Zanetti gegenüber.

«Die Wählerinnen und Wähler haben damit die Möglichkeit, auch die Politik im Ständerat in eine andere Richtung zu lenken», betonte Parteipräsident Jeker. In eine (noch) bürgerlichere nämlich. Spätestens jetzt verliess er die feierliche Rhetorik und wechselte zu einem kämpferischen Ton.

Es wäre geradezu «fahrlässig», wenn die SVP das Feld im zweiten Wahlgang einfach der SP überlassen hätte. Mit dem hervorragenden Resultat im ersten Wahlgang sei die SVP gleichsam verpflichtet, nochmals für die Wahl ins «Stöckli» anzutreten.

Ihr Fett ab bekam dann vor allem die FDP, die sich bei der Ausgangslage im zweiten Ständeratswahlgang mit nur einem bürgerlichen Kandidaten dennoch einem «Schulterschluss» mit der SVP verweigere.

Am Rande der Parteiversammlung kritisierte Jeker das in aller Öffentlichkeit geäusserte Urteil von FDP-Präsident Christian Scheuermeyer über Walter Wobmann. Scheuermeyer hatte diesen nach dem Wahl-Sonntag als «nicht wählbar», «unliberal» und «extrem» bezeichnet.

Jeker: «Es ist eine Sache, keine Wahlempfehlung für uns abzugeben, aber zusätzlich noch solche Diffamierungen zu äussern, das ist schon sehr fragwürdig.» Mit Genugtuung stellte er aber fest, dass mehrere Freisinnige öffentlich die Kandidatur von Walter Wobmann unterstützen.

Abwesend: Roland F. Borer

«Ich bin überzeugt, dass ein gutes Resultat machbar ist», sagte Walter Wobmann – und versicherte: «Ganz egal, ob als Ständerat oder als Nationalrat, ich werde meine Themen weiterhin beackern». Mit kämpferischen Worten tadelte er unter anderem das «Asylunwesen» sowie den «schleichenden EU-Beitritt».

In seinen bisher zwölf Jahren als Nationalrat habe er zudem immer konsequent weitere Reglementierungen für die Wirtschaft und das Gewerbe abgelehnt. «Es sticht mich deshalb schon etwas, wenn mich einzelne FDP-Exponenten jetzt als unliberal bezeichnen.»

Seinen Auftritt hatte auch der frisch gewählte Nationalrat Christian Imark. Mit einem kleinen Exkurs zu nationalen Themen empfahl er sich seinen Parteifreunden als stramm auf der SVP-Linie argumentierender Politiker.

Ausführlich und in fast schon staatsmännischer Manier bedankte er sich beim ganzen Wahlkampfteam für den bisher «besten Wahlkampf der SVP Kanton Solothurn». Sein Dank galt auch dem abgewählten Nationalrat Roland F. Borer «für dessen 24 Jahre im Nationalrat».

Das SVP-Urgestein selber liess sich entschuldigen. «Wir werden ihn an der Generalversammlung im Februar 2016 ehren», meinte Silvio Jeker gegenüber dieser Zeitung. Zuvor gebe es einen kleinen privaten Anlass mit dem Wahlkampfteam. «Er wollte das so.»